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LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Der Coburger im VW-Bulli

Markus Häggberg. Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um einen VW-Bulli, das Lichtenfels-Coburg-Verhältnis und ein Wespennest.

„Liebes Corona-Tagebuch, neulich stand da dieser VW-Bulli auf der Wiese vor dem Lichtenfelser Flussbad. Er hatte ein Coburger Kennzeichen, war weit höher als üblich und wirkte überhaupt so, als ob er künftig durch aller Herren Länder, über deren Staub und Geröll und durch deren Furten fahren soll.

In dem Bulli saß ein junger Mann, und man sah ihm an, dass er lustvoll frühstückte. Er kaute mit dem Optimismus, den man eben hat, wenn man jung ist und das Gebiss noch vollständig. Da mich auch ein Coburger Kennzeichen nicht abschreckt, pirschte ich mich an und suchte das Gespräch.

Der junge Mann will Designer werden

Bei der Gelegenheit erfuhr ich, dass der junge Mann Designer werden will, aber auch ein Maschinenbaustudium vorweisen kann. Dann zeigt er mir das Foto einer Grandiosität, die er selbst hinbekommen hat. Er schaffte es, aus einem Wespennest einen Lampenschirm zu zaubern. Mit etwas Geduld und Spucke, aber ganz besonders auch mit Unmengen von Epoxidharz.

Dann erzählte er mir davon, dass er mal gehört habe, in Lichtenfels gehe man davon aus, dass es so etwas wie eine Reiberei zwischen Coburg und Lichtenfels gäbe. Wohlgemerkt, er hat „gäbe“ und nicht „gebe“ gesagt, ich habe es genau gehört.

Erst einmal alle Ängste abbauen

Ich musste zugeben, dass ich selbst von derlei auch schon gehört hatte, und versicherte dem jungen Menschen, dass ich zwar Lichtenfelser sei (so halbwegs), er vor mir aber keine Angst zu haben bräuchte. Er wiederum versicherte mir, dass es seitens seiner Landsleute überhaupt keinen Groll gegen Lichtenfelser gebe (er hat „gebe“ und nicht „gäbe“ gesagt, ich habe es genau gehört), und das liege daran, dass man Lichtenfels in Coburg nicht sonderlich zur Kenntnis nehme.

,Aber ein schönes Flussbad habt ihr hier', fügte er noch an und meinte es wirklich ehrlich.

Liebes Corona-Tagebuch, ich hätte ihm gerne noch mehr Gutes über Lichtenfels erzählt, aber es hätte bedeutet, eine Stadt weiß zu waschen, die in seinen Augen ja ohnehin nicht befleckt war.“

Von MARKUS HÄGGBERG

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