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LICHTENFELS

Corona-Tagebuch: Busfahrer und die Weiblichkeit

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um das Gendern. Warum für unseren Autor „Busfahrer“ nach Frau klingt.

„Liebes Corona-Tagebuch, also ich will hier keine schmutzige Wäsche waschen, oder so. Das hätte wenig Größe. Und man muss ja auch mal fünf gerade sein lassen können. Klar, es sind Dinge vorgefallen. Aber wo gibt' s das nicht. Jedenfalls war es so, dass sie immer sagte, man müsse mehr gendern und so. Denn erst die Sprache schaffe das Denken.

Und dann führte sie zum Beweis George Orwell an. Nun habe ich meinen Orwell ja auch gelesen und mich gefragt, ob er zur Beweisführung wirklich taugt. Zu ihrer zumindest. Es ist nämlich so, dass mir jüngst beim Abendessen etwas aufgefallen ist.

Folgendes: Wenn mir das Wort ,Busfahrer' unterkommt, muss ich an Frauen denken. Bitte liebes Tagebuch, ziehe jetzt keine voreiligen Schlüsse daraus, mit mir ist soweit alles in Ordnung. Ich denke auch nicht an Quarkstollen wenn ich von Diphtherie lese. Aber mir ist halt aufgefallen, dass mir bei dem Wort ,Busfahrer' zuerst Busfahrerinnen in den Sinn kommen.

Ich persönlich komme also ohne dieses ,-Innen' aus, um an Busfahrerinnen zu denken, und das muss doch einen Grund haben. Ich glaube, dass nicht oder nicht nur die Sprache das Denken formt, sondern auch die Lebenswirklichkeit. Und die Lebenswirklichkeit in Lichtenfels ist, dass wir so viele Busfahrerinnen haben, dass bei Auftauchen des Wortes Busfahrer automatisch gedanklich eine Frau am Steuer sitzen kann.

Ich habe ihr das gegenüber immer so darzustellen versucht, aber sie wollte es nie glauben. Manchmal hatte sie sich deswegen (ich habe da ja nie mitgemacht) regelrecht in der Wolle gehabt. Schade, dass wir uns nicht mehr sehen. Ich würde dieses Erlebnis gerne mit ihr teilen.

Dachte, ich erwähne das mal. Es steckt wirklich kein Nachkarteln dahinter – oder ein Nachtreten. Da stehe ich drüber und wie gesagt, es muss auch mal Ruhe sein. Aber ich habe gewonnen!“

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