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Buch-Tipps für Familien: Groß, größer, Großeltern

Iris Birger und Stefanie Fischer sind Kinderbuch–Bloggerinnen. Vom Netz in die Tageszeitung geht es mit ihren Buchtipps mindestens ein Mal im Monat auf OTverbindet. Mit den heutigen Empfehlungen möchten sie Großeltern in den Mittelpunkt rücken und Erinnerungen aufleben lassen. Foto: Stefanie Fischer

Iris Birger und Stefanie Fischer sind Kinderbuch-Bloggerinnen. Für OTverbindet stellen sie drei Bücher vor, die sich sehr gut vorlesen und selbst lesen lassen, um in Geschichten einzutauchen, in denen Großeltern, egal ob leiblich oder nur „geliehen“, die Hauptrolle spielen.

„Zum Tag der Familie am 15. Mai möchten wir Menschen in den Fokus rücken, die einen steigenden Anteil der Bevölkerung ausmachen und deren Rolle in der Gesellschaft als sehr wichtig empfunden wird: die Großeltern. Wir alle haben (oder hatten) Omas und Opas und hatten oftmals nicht nur in der eigenen Kindheit eine Beziehung zu ihnen, sondern begegnen ihnen auch in der Rolle als Eltern mit eigenen Kindern oder befinden uns selber an der Stelle, Großmutter oder Großvater zu sein.

Und während frühere Generationenbeziehungen noch häufig zweckorientiert waren, wird heute der emotionalen Bindung innerhalb der Familie ein größerer Stellenwert zugeschrieben. Da bleiben auch emotionale Themen nicht aus, die die Beziehung zwischen Jung und Alt prägen können, denn die Beziehung zu Großeltern kann etwas ganz Besonderes sein: geprägt von Nähe und Innigkeit oder Abwesenheit, von Schwierigkeiten im Umgang und Unverständnis oder ganz viel gemeinsamer Freude.

„Die Omama im Apfelbaum“ von Mira Lobe mit Illustrationen von Susi Weigel. Foto: Jungbrunnen

Da bringt jede und jeder seine ganz eigenen persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen mit: Der Spaziergang mit Opa und dem Lieblingshund, gemeinsame Märchenbuchstunden, der beste Milchreis und spannende Geisterbahnfahrten mit Oma, aber auch besondere Gerüche, der Besuch im Pflegeheim oder das schwierige Verhältnis der eigenen Eltern zu den Großeltern. Schöne Familienfeste, Geschichten aus der Vergangenheit, die oft auch schmerzhaft sein können, aber auch das Gefühl des Fehlens der Oma oder des Opas mischen sich zu einem bunten Strauß der Gefühle und Erinnerungen, wenn man an das Thema Großeltern denkt. Die heutigen Buchvorstellungen lassen viele dieser Erinnerungen wieder aufleben.

Das Bilderbuch „Der Wunsch“ von Antje Damm ist erst frisch im Moritz Verlag erschienen. Nicht nur unsere Kinder, sondern auch wir Eltern freuen uns ganz besonders über das neue Werk, denn ihre Bücher tragen eine einzigartige Handschrift. Schon einige Werke füllen unseren Bücherschrank. Zumeist Bilderbücher erschaffen aus Karton, mit einer liebevollen Kulisse und zarten, bunten Details. Antje Damm erweckt diese kleinen Kinderwelten zum Leben. Daneben tummeln sich neuerdings kleine Szenen aus Holz, so auch in ihrem neuesten Werk, das die Geschichte von Fips und seiner Oma erzählt. Die Autorin haucht dem abgestorbenen Holz neues Leben ein und erschafft kleine Tiere, Menschen und ganze Landschaften. Schließlich verbindet sie alles durch eine feine und sehr eingängige Geschichte - stets kindgerecht, pfiffig und niemals langweilig.

Eine Oma mit viel Ausdauer

„Wenn du dir was wünschen dürftest, was wäre das?“, fragt Oma. Und sie hat Ausdauer, die Oma von Fips. Sie fragt ihn auf jeder Seite erneut. Ist es vielleicht ein Hund oder ein Fahrrad oder, oder, oder? Fips hat nur eine Antwort und die lautet „Nein“. Und das „Nein“ wird immer lauter, denn mit jedem Nicht-Wunsch legt Fips ein „Nein“ oben drauf. So lernen schon die Kleinsten das Lieblingswort „Nein“ beim gemeinsamen Vorlesen mit Spaß zu wiederholen. Und bei all den vielen „Neins“ findet Fips endlich das, was er sich eigentlich wünscht. Seine Oma lächelt darauf hin zufrieden und sagt: „Manchmal gehen Wünsche in Erfüllung.“ Und genau darin liegt der Zauber dieser kleinen Geschichte. Es ist kein Gegenstand, den Fips sich wünscht. Es ist etwas Unbezahlbares. Etwas, das wir gemeinsam erleben können. In diesem Fall wollte unser Vorschulkind das Buch gleich mehrmals hintereinander vorgelesen bekommen. Erst vorwärts, dann rückwärts und dann wieder vorwärts. Antje Damm versteht uns. Immer wieder. Wer mehr über diese herausragende Kinderbuchautorin und ihre Kunst erfahren möchte, kann dies gerne auf unserer Website nachlesen oder in unserem Podcast nachhören.

Bereits der Titel „Die Omama im Apfelbaum“ der renommierten Kinderbuchautorin Mira Lobe weckt unser Interesse und beflügelt unsere Phantasie. Und genau darum geht es in diesem Kinderroman - ein Nebeneinander von Phantasie und Realität. Andi ist traurig, denn all seine Freunde haben eine Oma. Seine jedoch ist bereits gestorben. Eine Oma, die stricken kann und eine Oma, mit der man auf den Rummelplatz gehen kann. Mit Kraft seiner Phantasie passiert es plötzlich. Im Apfelbaum sitzt sie, seine Omama und zwar genau die von einem Foto des Familienalbums.

Mit ihr kann Andi Pferde stehlen, denn seine Omama kennt keine Grenzen. Seine Omama versteht jeden Spaß und weiß, was Andi Freude macht oder genau genommen ihr selbst den größten Quatsch ermöglicht. Doch wer passt hier eigentlich auf wen auf? „,Das darf man nicht!‘, flüsterte Andi erschrocken zurück. ,Sonst musst du Strafe zahlen!‘ Die Omama seufzte und schaut weiter hinauf. ,Wenn ich doch aber so sehr große Lust habe…‘.“ Genau diese Vorstellung gefällt uns beim Lesen und lässt die Spannung steigen. Als dann eine ältere Dame ins Nachbarhaus einzieht, erhält Andi prompt eine reale Leihoma, eine die mit ihm Zwetschgenkuchen backt. Andi ist im doppelten Oma-Glück. Das sorgt für eine weitere Portion Spannung. Selbst wenn die Geschichte in den 1960er Jahren spielt und uns das Tor zum damaligem Sprachgebrauch öffnet, so ist und bleibt Mira Lobes Werk zeitlos schön. Insgesamt verfasste Mira Lobe mehr als 100 Bücher, die in über 30 Sprachen übersetzt wurden.

Wer mehr von ihrem Lebenswerk lesen möchte, dem sei der Klassiker „Das kleine Ich bin ich“ empfohlen. Das Bilderbuch von Mira Lobe und Susi Weigel begeistert bereits seit vielen Generationen und darf sich in diesem Jahr über seinen 50. Geburtstag freuen. Tipp: Jetzt gibt es das Bilderbuch auch auf Ukrainisch und Deutsch gemeinsam in einem Band. Damit steht es für Menschlichkeit, Verbundenheit und Frieden.

Ein Jugendbuch der besonderen Art, das vor allem die Beziehung zwischen einer Enkelin und ihrem Großvater widerspiegelt, ist der Briefroman „Hallo Opa - Liebe Mirjam“ von Peter Härtling. In dem Emailwechsel zwischen der jugendlichen, manchmal zickigen, oftmals pubertierenden Mirjam und dem in ihren Augen etwas zu vernünftigen und weisen Opa entwickelt sich im Schriftverkehr eine große Nähe und Vertrautheit.

Während Mirjam von Problemen mit Freunden, ihrem Schulwechsel und nervenden Eltern schreibt, begleitet sie ihr Großvater durch Erinnerungen an seine eigene Jugend und Probleme. Aber auch sein Alter, körperliche Schwierigkeiten und altersbedingte Probleme, Gefühle und Gedanken werden, manchmal ganz nebenbei, dann wieder im Fokus stehend, thematisiert. Der Umgang der beiden und ihr Austausch ist mal zärtlich und voller Einfühlungsvermögen, dann wieder von generationsbedingten Verständnisproblemen und Unterschieden geprägt.

Buch-Tipps für Familien: Groß, größer, Großeltern
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Besonders Mirjam ist in ihrer jugendlichen Art oft ungeduldig und „hart“ in ihren Worten. Dennoch wächst die Beziehung und scheint beiden in ihrer jeweiligen Lebenswelt Halt und Unterstützung zu geben. Doch eines Tages schreibt Opa ein letztes Mal und Mirjam wartet vergeblich auf eine Antwort.

Ihr Umgang mit dem Verlust des Opas ist ohne kitschig zu wirken oder auf die Tränendrüse zu drücken, ergreifend und zeigt, wie sehr Enkelinnen und Enkel, neben jugendlicher Coolness und Abgrenzungswunsch zur Familie, doch ihre Großeltern noch brauchen. Ein wunderbar einfühlsamer, aber vor allem im sprachlichen Ausdruck so realitätsnaher Roman, in dem sich Jugendliche wiederfinden können. Eine Geschichte, die aufzeigt, wie eine Beziehung zwischen Jung und Alt aussehen kann, auf welche Probleme sie stößt, aber auch, wie der Umgang mit Verlust von Großeltern aussehen kann.

Nüchtern, sensibel und emotional

In Worten, die mal nüchtern klar, mal sensibel und emotional sind, und auf jeden Fall berühren und direkt das Herz erobern. Großeltern, egal ob leiblich oder nur „geliehen“, können mit mit ihrer Persönlichkeit und Erfahrung eine große Bereicherung und Unterstützung sein. Denn es braucht bekanntlich ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen. Und auch, wenn dies nicht der Fall ist, lohnt es sich, einen Blick in Kinder- und Jugendbücher zum Thema Jung und Alt zu werfen. Wir wünschen Ihnen und euch viel Freude damit und einen wunderschönen Tag der Familie!

Mehr von den beiden Bloggerinnen auf www.kinderbuchstabensuppe.de und in den sozialen Medien.

Die Bücher

„Der Wunsch“ von Antje Damm. Erschienen 2022 im Moritz Verlag. 22 Seiten, ab drei Jahre.

„Die Omama im Apfelbaum“ von Mira Lobe mit Illustrationen von Susi Weigel. Erstausgabe erschienen 1965 im Verlag Jungbrunnen (aktuell 30. Auflage). 112 Seiten, ab acht Jahre.

„Hallo Opa - Liebe Mirjam“ von Peter Härtling. Einbandgestaltung von Philip Waechter. Erschienen 2013 im Beltz & Gelberg Verlag. 68 Seiten, ab 13 Jahre.

 

Von IRIS BIRGER und STEFANIE FISCHER

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