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Borkenkäfer: Waldbesitzer am Obermain sind jetzt gefordert

Borkenkäfer: Waldbesitzer am Obermain sind jetzt gefordert
Das schnupftabakartige Bohrmehl auf Ästen, Rindenschuppen und Moos im Bereich des Stammes ist ein untrügliches Zeichen, dass sich Borkenkäfer in den Stamm eingebohrt haben. Der Baum muss sofort gefällt und aus dem Wald gebracht werden. Foto: AELF Coburg

Die Witterung im Frühling war auf der Seite der Waldbesitzer: Kühle Temperaturen und ein nasser Mai haben die Entwicklung der Borkenkäfer deutlich verzögert und ein frühes Ausschwärmen verhindert. Auch haben die Waldbesitzer die lange, kühle Witterung genutzt und ordentlich aufgeräumt. Aber die hohe Ausgangspopulation aus dem vergangenen Jahr ist noch nicht verschwunden. Sie wartet nur auf günstige Wetterbedingungen, um dann geballt auszuschwärmen.

„So konnten nach wenigen warmen Tagen wie in der letzten Woche trotzdem wieder enorme Schwärmzahlen festgestellt werden“, warnt Christoph Hübner, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Coburg. Die Ausgangsbedingung durch die Entwicklungsverzögerung des Borkenkäfers, kräftig gestiegene Holzpreise und gute Verfügbarkeit von Holzernteunternehmern seien jedoch günstig, um dieses Jahr im Kampf gegen den Borkenkäfer erfolgreich zu sein.

Was Waldbesitzer jetzt tun müssen: Hinweise und Tipps

Gleichzeitig hätten die Waldbesitzer unter enormem Einsatz das meiste Käferholz über den Winter aus dem Wald gebracht, lobt Hübner. Jetzt sei es enorm wichtig, die aktuelle Schwärmwelle gleich zu Beginn zu brechen. Deshalb ist es wichtig, dass die Waldbesitzer unbedingt jetzt ihre Bestände auf Frischbefall überprüfen. Die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft gibt hierzu folgende Hinweise:

Borkenkäfer: Waldbesitzer am Obermain sind jetzt gefordert
Harzfluss am Stamm ist häufig ein Zeichen für Borkenkäferbefall. Foto: AELF Coburg

• Wie findet man Borkenkäfer? Bohrmehl rieselt bei der Brutanlage aus dem Stamm heraus. Es sieht aus wie „Schnupftabak“ und sammelt sich hinter Rindenschuppen, auf Ästen, in Astgabeln, im Moos am Stammfuß, auf Blättern der Pflanzen am Boden. Auch nach Regen ist es zu finden, wenn man ein paar Rindenschuppen abbricht. Das Bohrmehl dahinter wurde nicht von der Rinde abgewaschen.

• Wo sollte man suchen? Zuerst an sonnigen Südrändern, Ost- und Westrändern der Bestände und im Randbereich letztjähriger Käferlöcher.

• Wann sollte man suchen? Innerhalb von ein bis zwei Wochen nach dem Schwärmen, also jetzt und in den kommenden Wochen. Gut sichtbares Bohrmehl entsteht nur bei der Anlage der sogenannten Rammelkammer und des Mutterganges; ist die Eiablage beendet, entsteht kein frisches mehr.

• Was dann? Wurde Befall gefunden, muss das befallene Holz unverzüglich aufgearbeitet und abgefahren werden, bevor die Käfer in zwei bis drei Wochen erneut ausfliegen und neue Bruten (Geschwisterbrut) anlegen. Ist eine Lagerung im Abstand von mindestens 500 Metern zum nächsten Nadelholzbestand nicht möglich, kann ein Pflanzenschutzmitteleinsatz sinnvoll sein.

Zudem empfiehlt Hübner, die Baumkronen zu häckseln, denn die Käfer nutzen schon Äste ab drei Zentimetern Durchmesser als Brutstätte. Aber auch bisher nicht aufgearbeitetes Bruch- oder Windwurfholz aus vorausgegangenen Stürmen ist für die Käfer ideales Brutmaterial und sollte daher zügig entfernt werden.

Nur die „saubere Waldwirtschaft“ hilft gegen die Vermehrung

Diese sogenannte „saubere Waldwirtschaft“ ist laut Hübner die einzig wirksame und bewährte Methode, um der Vermehrung des Borkenkäfers Einhalt zu gebieten. Das Insekt kann sonst auch größere Waldflächen zum Absterben bringen.

Hübner rät weiter dringend dazu, sich bei der Aufarbeitung auf noch frische, also Wasser-führende, befallene Bäume zu konzentrieren. Die Aufarbeitung von trockenen Bäumen aus dem vergangennen Jahr, bei welchen die Rinde schon fehlt und der Käfer bereits lange ausgeflogen ist, hat keinen Nutzen für die Borkenkäferbekämpfung und bindet unnötig Arbeitskapazität.

Wo es nicht aus Verkehrssicherheitsgründen notwendig ist, sollten diese Bäume besser stehen bleiben. Sie könnten so sogar noch einen Beitrag für den Waldnaturschutz liefern.

„Wenn wir uns in den kommenden Wochen noch mal so richtig anstrengen, bin ich optimistisch, dass es das letzte Borkenkäfer-Jahr in Folge ist.“
Christoph Hübner, Bereichsleiter Forsten am AELF Coburg

Der Freistaat Bayern unterstützt die Waldbesitzer unter bestimmten Voraussetzungen auch finanziell bei der Borkenkäferbekämpfung, wenn der Waldbesitzer auf Insektizide verzichtet und hierdurch zusätzlichen Aufwand betreiben muss. Hübner bekräftigt: „Die Rahmenbedingungen für eine effiziente Borkenkäferbekämpfung sind so gut wie die letzten Jahre nicht mehr. Das muss ausgenutzt werden.“

Umso mehr werde das Amt die Waldbesitzer bei ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Bekämpfung unterstützen, aber auch verstärkt auf die achten, die sich zum Schaden der anderen Waldbesitzer und der Gesellschaft ihrer Pflicht verweigern. „Wenn wir uns in den kommenden Wochen noch mal so richtig anstrengen, bin ich optimistisch, dass es das letzte Borkenkäfer-Jahr in Folge ist,“ zeigt sich Hübner hoffnungsvoll.

Beratung und Unterstützung finden die Waldbesitzer bei den örtlich zuständigen Förstern und Borkenkäfer-Fachkräften des AELF Coburg und bei den Waldbesitzervereinigungen. Auch die Waldbesitzervereinigungen weisen auf die sehr günstigen Aufarbeitungsbedingungen durch den gestiegenen Holzabsatz und die gute Ausstattung mit Holzernteunternehmen hin.

Detailinfos zur Borkenkäferbekämpfung, zu den Fördermöglichkeiten und den Ansprechpartnern gibt es unter www.aelf-co.bayern.de. (red)

 

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