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LICHTENFELS

Blitze am Obermain: Als Glocken im Feuer schmolzen

Blitze am Obermain: Als Glocken im Feuer schmolzen
Am Kunigundentag 1835 entzündete ein Blitzschlag die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen. Ein zeitgenössischer Maler hat das Ereignis für die Nachwelt festgehalten. Foto: red

Mächtige Kirchtürme, die hoch in den Himmel ragen, sind ein prächtiger Schmuck für so manchen Ort. Die Landschaft am Obermain ist reich geziert mit solchen Türmen. Was wäre der Gottesgarten ohne die leuchtenden Zwillingstürme von Banz oder Vierzehnheiligen? Doch bei aller Schönheit bergen sie auch eine Gefahr, die dann offenbar wird, wenn Wind und Wetter sie umwehen. Besonders bei Gewittern sind sie einer Gefahr ausgesetzt, derer sie sich nicht entziehen können. Oft schon hat ein Blitz vom Himmel sich ein Kirchturmkreuz als Ziel ausgewählt. Die Kirchen am Obermain können davon Geschichten erzählen.

Am 3. März 1835 schlug bei einem heftigen Gewitter der Blitz in den südlichen Turm der Basilika Vierzehnheiligen. Bald schon standen der Turm und der gesamte Dachstuhl in Flammen. Erst am Gewölbe brach sich die Gewalt der Feuersbrunst. Als man meinte, die größte Gefahr sei gebannt, stürzte das schwere Turmkreuz herab und durchschlug die Seitengewölbe. Rasch griff das Feuer auch auf das Innere der Kirche über, vernichtete die Orgel und erfasste von dort aus auch den anderen Turm.

Flüssige Bronze floss herab

Die Glocken schmolzen durch die enorme Hitze und flüssige Bronze floss durch den zerstörten Turm herab. Im Zimmerspruch, der bei der Wiedererrichtung des Dachstuhles gesprochen wurde, schildert der Verfasser, der Buchhändler Ludwig Kadner aus Würzburg, das Geschehen in Reimform: „Am Tag St. Kunigund dies Jahr / Naht sich Verderben und Gefahr / Der Blitz, der Schrecken der Natur, / In unseres Tempels Dachwerk fuhr / Und in den Turm; die Glocke schmolz, / Des Turmes Zierde, Glanz und Stolz! / Wild griff das Feuer um sich her, / Und schien nichts zu verschonen mehr. / Was konnt` des Windes heft`gem Weh`n, / Des Sturmes Kraft entgegenstehn? / Auch das Propsteigebäude war / Vom Feuer schon ergriffen gar“.

Es gibt ein Bild aus jenen Tagen, auf dem ein unbekannter Maler das schaurige Ereignis mit hoher Gestaltungskraft der Nachwelt überlieferte. Das Gotteshaus steht in Flammen; der südliche Turm ist bereits eingestürzt, sein Nachbar, von der Glut halb verzehrt, trägt noch das hohe Kreuz. Aus einer einzigen Handpumpe richtete sich ein winziger Wasserstrahl gegen die Wucht des Feuers. Auf dem Propsteidach kauern Menschen und suchen mit Wassereimern und Kübeln das Funkenmeer abzutöten. Der weite Platz aber steht voll an untätigen Menschen, die hilflos in das Feuer starren.

Auch Banz wurde Opfer eines Blitzeinschlags: Es war am 18. April 1944, an einem warmen Frühlingstag. Gegen Mitternacht entlud sich ein schweres Gewitter. Zwischen 3 und 4 Uhr schlug der Blitz in den nördlichen Turm der ehrwürdigen Benediktinerkirche. Das Dach brannte bis zum Gesims aus und stürzte in sich zusammen. Nur dem Ostwind und einem starken Regen war es zu verdanken, dass an jenem Morgen das Gotteshaus und die Klostergebäude weitgehend verschont blieben.

Zweimal fast von Flammen zerstört

Aber auch die katholische Stadtpfarrkirche in Lichtenfels wurde zweimal fast von den Flammen zerstört. An das eine Geschehen erinnert die Inschrift am Südeingang der Kirche. Sie sagt: „1552 O Mensch bedenk hiebey wie grausam der zorn Gottes sey zu forchten von Jedermann man sehet was sein gewalt hie gethan. Durch ein grausam Donner und wetterschlag – am Dienstag der heyligen Dreikönigstag Im 52 Jahr wie ich euch wahrhaftig sag. Last uns das eine warnung seyn und hüten vor Sünden und helle pein.“

Als zehn Jahre später Kaiser Ferdinand bei einer Vierzehnheiligen-Wallfahrt durch Lichtenfels kam, zeigte man ihm die Folgen des erwähnten Blitzeinschlags. Auch diese Begebenheit wurde mit einer Inschrift festgehalten: „Anno 1562 den 14. Ocktobris ist der Großmächtigste unüberwindlichst Römische Kayser Ferdinand unser aller gnädigster Herr und Vater des Vaterlandes allhier zu Lichtenfels gnedigst angelangt und den Stein so der Hagel auß Gottesverhängnis aus der Kirchenmauer geschlagen mit höchster Verwunderung besichtigt. Diesen zur ewigen gedechtnis ist darnach solges allhie her verzeichnet worden.“

Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges drohte der Kirche nochmals das gleiche Unheil. Wieder schlug der Blitz in den Turm. Es war am 14. August 1645 früh zwischen 2 und 3 Uhr. Man sah in diesem Ereignis eine Strafe Gottes, weil die Menschen die St. Laurenzi-Andacht nicht gefeiert hatten.

Vielmehr hatte man zugelassen, dass die Dienstboten sich an zwei Sonntagen hintereinander der Getreideernte widmeten. Die Wirkung des Blitzeinschlags blieb in diesem Fall allerdings überschaubar. Obwohl der Blitz das Kirchendach auf zwei Seiten traf, und sogar am Gewölbe im Turmgeschoss Schaden verursachte, zündete er nicht. Das in einer Truhe im Turm vor den feindlichen Truppen versteckte beste Messgewand, ein silbernes Stück, war wohl ebenso wie die Truhe angesengt, blieb aber sonst fast unbeschädigt.

Gewitterkerze als Hoffnung

Um Schaden durch Blitzschlag und Gewitter von Haus und Hof fernzuhalten, zündet man häufig eine Gewitterkerze an. Bereits um das Jahr 1500 ist der Brauch erstmalig nachgewiesen. Solche Kerzen konnte und kann man an den verschiedenen Wallfahrtsorten erwerben, so bieten die Händler rund um Vierzehnheiligen bis heute ihre Gewitterkerzen feil. Traditionell sind diese Kerzen schwarz gefärbt. Dies kommt daher, dass man in früheren Zeiten die Wachsreste in den Kirchen sammelte und aus ihnen die Gewitterkerze gegossen hat. Aufgrund der Reste von Ruß und Dochten besaßen diese Kerzen dann eine schwarze Farbe.

Als Schutzpatronin gegen Unwetter wird die heilige Anna angerufen; sie war der Tradition nach die Mutter Marias und Ehefrau von Joachim. Bekannte Gebetsverse, mit denen die Fürsprache Annas bei Gewittern angerufen wird, lauten: „Heilige Mutter Anna, treib es Gewitter von danna, treib es in den tiefen Wald, wo es weder Mensch noch Tieren schad“. Oder: „Heilige Mutter Anna, treib es Gewitter von danna, treib es über Berg und Tal, dass kein Schaden anricht überall“.

Blitze am Obermain: Als Glocken im Feuer schmolzen
Die Lichtenfelser Stadtpfarrkirche wurde im Jahr 1552 Opfer eines Gewitters. Bis heute erinnert eine Inschrift an der Südfassade der Kirche mahnend an das Geschehen. Foto: Fabian Brand

Von Fabian Brand

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