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LICHTENFELS

Biolandwirt aus Lichtenfelser Ortsteil Roth baut Linsen an

Biolandwirt aus Lichtenfelser Ortsteil Roth baut Linsen an
Der Anbau von Linsen war hierzulande unwirtschaftlich geworden – Andreas Kremer aus Roth hat sie im vergangenen Jahr wiederentdeckt. Foto: Corinna Tübel

In den Monaten Januar bis November stehen sie kaum auf deutschen Speiseplänen, dabei gelten sie doch als „Glücksbringer“: Die Linsen. Andreas Kremer aus Roth hat die alte Feldfrucht, die vielerorts als unwirtschaftlich gilt, wiederentdeckt und in einem großen Anbauversuch eine gute erste Ernte einfahren können.

„Linsen kannte ich eigentlich nur als Speise an Heiligabend und Silvester“, verrät er in einem Online-Vortrag für die Öko-Modellregion Obermain-Jura Landwirten und Laien. Der 67-Jährige hat vor drei Jahren seinen zwölf Hektar großen Bauernhof auf den ökologischen Anbau umgestellt, um seine Vorstellungen von einer umweltgerechten, naturverträglichen und regionalen Nebenerwerbslandwirtschaft umzusetzen.

Biolandwirt aus Lichtenfelser Ortsteil Roth baut Linsen an
Verschiedene aufwendige Reinigungsstufen sind notwendig sind notwendig bis die Linsen „speisefertig“ sind. Foto: Peter Heller

Mit seiner Frau, seiner Tochter und deren Kindern entschied er sich für alte Fruchtarten wie Linsen, Leindotter und Ackerbohnen, um diese regional zu vermarkten. Beratend und unterstützend zur Seite standen den drei Generationen dabei auch die Öko-Modellregion Obermain-Jura sowie Andreas Schwab, Leiter des Ökobetriebes der Abtei Maria Frieden Kirchschletten.

Linsen können nicht alleine überleben

Das Feldstück für den Anbauversuch liegt zwischen Roth und Thelitz und wurde wegen es tonigen Lehms, der sich gut für das Linsen-Projekt eignet, ausgewählt. Vor der Aussaat musste Andres Kremer mit seinem Enkel Fabian vorhandene Beikräuter gewissenhaft entfernen, den Untergrund mit einem egge-ähnlichen Gerät „striegeln“ und den Boden so vorbereiten.

Biolandwirt aus Lichtenfelser Ortsteil Roth baut Linsen an
Drei verschiedene Linsensorten nach der Ernte – nun beginnt die aufwendige Aufbereitung. Foto: Corinna Tübel

Da Linsen aber im Solo-Anbau dem wachsenden Unkraut nicht standhalten könnten, müssen weitere Pflanzen angebaut werden. Der Landwirt säte im April 2020 deshalb ein Hafer-Linsen-Leindotter-Gemisch aus, das zunächst auf Grund der Trockenheit des vergangenen Sommers von Beikraut oder Schädlingen weitgehend verschont blieb. Nachdem es endlich geregnet hatte, erholten sich die drei verschiedenen Linsen-Sorten, und man konnte den grünen hohen Hülsenfrüchten Woche für Woche beim Wachsen zusehen.

Da nicht alle Linsenhülsen gleichzeitig abreifen, haben sich Andreas Kremer und sein Enkel nach dem Reifestand des Hafers gerichtet und sind Mitte August mit dem Mähdrescher angerückt. Nach etlichen verschiedenen Einstellungen der Maschine konnte „das große Dreschen“ beginnen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Die Linse Bureau brachte die größten Erträge, die anderen Sorten Anicia und Tellerlinse sind aber auch zufriedenstellend“, so der Landwirt.

Biolandwirt aus Lichtenfelser Ortsteil Roth baut Linsen an
Für die Aufbereitung der geernteten Linsen war Peter Heller, Inhaber des Bio-Hofs Heller in Unterrodach bei Kronach, zuständig. Foto: Corinna Tübel

Trennung und Aufbereitung schwierig

Zwar war eine aufwendige Trocknung der Ernte nicht erforderlich, doch sei die Trennung und Aufbereitung der Auslese aufwendig und kostenintensiv geworden. Diese erfolgte im Januar mit Peter Heller, Inhaber des Bio-Hofs Heller in Unterrodach bei Kronach, der als Betriebszweig unter anderem die Spezialreinigung von Ernteerzeugnissen anbietet.

Mit speziellen Maschinen durchlief die Ernte von Andreas Kremer verschiedene Stufen: Die Lagereingangs-, die Haupt-, die Saatgut- sowie die Speisereinigung. Auch optische Mängel spielen zunehmend eine Rolle, so Peter Heller weiter. So sind etwa farblich abweichende Linsen oft ein Fehlerkriterium, obwohl man sie bedenkenlos verzehren könnte.

Biolandwirt aus Lichtenfelser Ortsteil Roth baut Linsen an
Köstliche Linsengerichte warten auf ihre Zubereitung: Regional erzeugt und vermarktet wie von Nebenerwerbslandwirt Andreas Kremer aus Roth schmeckt es doch gleich noch besser. Foto: Corinna Tübel

Dieses Thema beschäftigte auch die vielen interessierten Landwirte, die sich für Maschinentechnik und -verfahren zur Linsen-Aufbereitung interessierten. Vertreter von Erzeugergemeinschaften wie etwa aus Baden Württemberg oder Inhaber von Agrarbetrieben aus der Region berichteten ebenfalls von ihren Erfahrungen mit der neuen alten Feldfrucht.

Haben regional erzeugte Linsen eine Zukunft?

Die Verpackung der verkaufsfertigen Linsen erforderte ebenfalls eine Planänderung für Andreas Kremer: „Es gibt sehr viele Vorschiften und Hygienemaßnahmen zu beachten. Es hat sich herausgestellt, dass unsere vorhandenen Räumlichkeiten zum Verpacken nicht geeignet waren. Glücklicherweise haben uns die Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen einen entsprechend zertifizierten Raum zur Verfügung gestellt.“

Gemeinsam mit seiner Familie blickt er heute auf viele kleine Päckchen „Main Jura Bio Linsen“. Es sind „Teller-Linsen“, grüne Linsen „Bureau“ und „Anicia“ aus dem Gebiet des Obermain. Seine Träume gehen noch weiter: „Vielleicht gelingt es mit Unterstützung durch die Öko-Modellregion eine Plattform aufzubauen, die den Verbraucher zum Kauf regional erzeugter Lebensmittel bewegt.“

Biolandwirt aus Lichtenfelser Ortsteil Roth baut Linsen an
Am Erfahrungsaustausch zum Linsenanbau des Nebenerwerbs-Landwirts Andreas Kremer aus Roth mit Unterstützung durch die ÖKÖ Modellregion Obermain Jura nahmen zahlreiche Inhaber von Agrarbetrieben aus der Region, Funktionäre aus dem Ressort sowie Interessierte teil – online. Foto: Corinna Tübel

Denn sein Fazit ist positiv: „Die Planung und Umsetzung des Anbaus ist nicht ganz einfach gewesen und war mit vielen Herausforderungen verbunden, aber ich kann sagen: Es lohnt sich!“

Die Linsen sind ab sofort erhältlich bei: Andreas Kremer, Weismainer Straße 1, Roth, Tel. (09576) 626 und in den Verkaufsautomaten des Thelitzer Käsehüttslas.

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Die richtige Einstellung des Mähdreschers für die Linsen-Ernte zu finden, war eine Herausforderung: Doch Andreas Kremer meisterte sie gemeinsam mit Enkel Fabian. Foto: Corinna Tübel

Weitere Termine für Online-Vorträge der ÖKO-Modellregion Obermain Jura gibt es unter www.oekomodellregionen.bayern.

Pikanter Linsen-Aufstrich

Rezept von Isabel Kremer

Zutaten:

• 100g grüne Linsen (z.B. Anicia)

• 5 El Bio-Olivenöl

• 1/2 Bund Blattpetersilie

• 1 Knoblauchzehe

• Salz

• Pfeffer

Nach Belieben kann natürlich noch experimentiert werden, beispielsweise mit Sesam, Kreuzkümmel, Walnusskerne, Senf, Honig. Die Linsen mit 200ml Wasser (ohne Salz) in 20 bis 25 Minuten weich kochen und abkühlen lassen. Nun pürieren, dabei das Öl langsam zugeben. Zum Abschluss die Gewürze und Kräuter kurz mit pürieren. Diese Creme hält sich am besten mit einer dünnen Ölschicht, verschlossen im Kühlschrank etwa drei Tage.

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Eine alte Feldfrucht wiederentdeckt: Verschiedene Linsensorten wuchsen im vergangenen Jahr zwischen Roth und Thelitz. Foto: Corinna Tübel

Von Corinna Tübel

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