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Bevölkerungswachstum in Oberfranken:„Stabilität“ zählt

Familie und Pflege
Nicht nur Bevölkerungswachstum ist für Oberfranken wichtig, sondern auch Stabilität. Foto: Archiv Jens Kalaene/dpa

„Jedes Jahr bin ich erneut gespannt, wie Oberfranken bei der Bevölkerungsvorausberechnung abschneidet. Bei der jüngsten Bevölkerungsvorausberechnung sind die Zahlen für Oberfranken besser als in den Jahren zuvor. Es zeigt sich wieder, dass man durch gezielte Maßnahmen, die demografische Entwicklung positiv beeinflussen kann. Auch wenn über Jahre hinweg, trotz der Hinweise aus der Politik, die Zahlen stets schlechter dargestellt wurden, als sie tatsächlich waren. Umso mehr freut mich der jüngste Bericht. Dennoch gilt es einige Punkte zu beleuchten, die die Aussagekraft dieser Berichte noch verbessern könnten“, kommentiert Landrat Christian Meißner, Vorsitzender des Bezirksverbandes Oberfranken im Bayerischen Landkreistag, die jährliche Berechnung.

Die Infrastruktur ist wichtig

„Es wird immer in den Fokus gestellt, dass Bevölkerungswachstum das Beste ist, was einer Region passieren kann. Dies ist ein völlig falscher Ansatz. Denn Stabilität ist viel wichtiger. Ganz gleich, ob die Bevölkerung zunimmt oder abnimmt, stellt dieser Prozess die Regionen vor ungeheure Herausforderungen für die örtliche Politik. Das beginnt bei der Infrastruktur, insbesondere was die Kinderbetreuung und Bildung angeht und zieht sich über Baugebiete für Wohnen bis hin zur medizinischen Versorgung durch.“, erläutert Christian Meißner die Auswirkungen des demografischen Wandels.

In den vergangenen zehn Jahren hat der Regierungsbezirk Oberfranken keinen Bevölkerungsverlust zum Basisjahr 2011 verzeichnet. „Diese Entwicklung ist in den vergangenen Jahren bei den Vorausberechnungen zu wenig mit eingeflossen. Zudem werden die ausgewählten Zahlen für besonders hohe oder niedrige Werte nicht reflektiert. Auch werden die Landkreise bei der Interpretation der Zahlen zu wenig einbezogen. Eine vorherige Beteiligung der Landkreise, insbesondere, wenn diese in der Präsentation erwähnt werden, fehlt gänzlich. Eine nackte Zahl zu präsentieren, genügt nicht. Es muss doch erläutert werden, weshalb die Zahl so gut oder schlecht ist. Das kann natürlich das Statistische Landesamt nicht leisten. Daher sollten die Landkreise vor der Veröffentlichung beteiligt werden. Dadurch steigt die Qualität der Arbeit des Statistischen Landesamtes und die Aussagekraft der Zahlen“, fordert Landrat Meißner.

„Ich möchte nur ein Beispiel nennen: Für Oberfranken stellt das Bayerische Landesamt für Statistik folgende Ergebnisse für 2039 fest (Auszug): „Die jüngste Bevölkerung Oberfrankens wird im Jahr 2033 in der Gemeinde Haag im Landkreis Bayreuth mit einem Durchschnittsalter von 43,9 Jahren zu finden sein. Die älteste Gemeinde mit einem Durchschnittsalter von 56,4 Jahren im Markt Marktgraitz im Landkreis Lichtenfels. Aber warum ist das so? Für Marktgraitz im Landkreis Lichtenfels ist das ganz einfach erklärt: Die Marktgemeinde hat aktuell 1121 Einwohner und hat ein Alten- und Pflegeheim. Daher verwundert es nicht, dass es beim Durchschnittsalter die älteste Gemeinde ist.“, erläutert der Landrat die Aussagekraft einer solchen Zahl.

Mit wenigen Mitteln kann viel bewegt werden

„Man sollte vielmehr den Fokus auf Regionen legen, die eine solide Stabilität bei der Bevölkerungsentwicklung aufweisen können. Denn das sind die Regionen, bei denen ein hohes Potenzial liegt und zudem kann dort mit wenigen Mitteln viel bewegt werden. Das zeigen die aktuellen Zahlen insbesondere für Oberfranken. Erstmal wird auch deutlich, dass die gute und konstante Entwicklung der letzten Jahre auch Einfluss genommen hat auf das demographische Profil Oberfrankens. Wir sehen dies als Ansporn und Herausforderung, die Attraktivität Oberfrankens in den kommenden Jahren weiterzuentwickeln und zu stärken, zu einer Zukunftsregion im Ländlichen Raum mit großem Potenzial und engagierten Menschen, die sich für Ihre Heimat einsetzen“, resümiert Bezirksvorsitzender Landrat Meißner. (red)

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