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LICHTENFELS

Betrug: Auf Kosten von Lichtenfelser Firma Software gekauft

Beleidigt, bedroht, getreten: Aus dem Lichtenfelser Gericht
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Freunde werden sie nicht mehr – der Chef und sein ehemaliger Mitarbeiter. Wohl zum letzten Mal begegneten sie sich im Amtsgericht Lichtenfels, wo sich der Mitarbeiter wegen Betrugs und Beleidigung verantworten musste.

Einen „Scheißverein“ und „Sauhaufen“ habe der 26-jährige Lichtenfelser die Firma bei einem Telefongespräch am 5. Juli 2018 genannt. Auch den Chef habe er beschimpft. Doch weitaus schwerwiegender fand Staatsanwalt Mario Geyer den Vorwurf, der Angeklagte habe sechs Wochen vorher per Computer eine Warenbestellung aufgegeben und von der Firma bezahlen lassen. Für 85 Euro habeer ein Download-Programm zur Berechnung von Lohn und Gehalt bestellt.

Chef und Mitarbeiter kämpfen mit harten Bandagen

Als Richterin Daniela Jensch den Schweißer fragte, wofür er ein so spezielles Programm benötige, sagte der Angeklagte, sein Monatslohn sei damals noch ausgestanden. Als das bei seinem Chef anmahnte, habe ihn dieser ihn an seine Sekretärin verwiesen und gedroht, „Ich mach' dich fertig, du Arschloch.“ Den Betrugsvorwurf stritt der 26-Jährige ab: „Das war ich nicht, definitiv nicht.“ Auch sein Rechtsanwalt Michael Windisch bekräftigte, dass sein Mandant nichts bestellt habe. Eine Polizeibeamtin berichtete, der Firmenchef habe den Mitarbeiter angezeigt, doch der sei der Vorladung zur Klärung der Vorwüfe nicht nachgekommen. Als der ehemalige Chef den Saal betrat, fiel auf, dass die beiden Männer sich kaum ansahen.

Auf die Frage der Richterin „Sie kennen ihn?“ antwortete der 53-Jährige: „Leider.“ Zu den Hintergründen der Anzeige wollte er keine Angaben machen, ebenso wenig zu dem Telefongespräch. „Der gute Mann ist mit seinem Leben genug bestraft, von daher kann er mich gern haben“, meinte der Unternehmer.

Ob sein Mandant womöglich nicht der Inhaber der Firmenadresse ist, unter der das Programm bestellt wurde, wollte Rechtsanwalt Michael Windisch wissen. Oder andersrum: Habe man ihm etwas angehängt?

Merkwürdig fand es Windisch auch, dass der Unternehmer den Preis für das Download-Programm bezahlt hatte. „Für mich ist Zeit wertvoller, als den 100 Euro hinterher zu rennen“, konterte der. Genau Angaben zu dem Vorfall könne er nicht mehr machen, doch sei es „ein Artikel gewesen, den unsere Firma nicht braucht.“ Auf die Frage, wie er auf den Angeklaten gekommen sei, meinte er, die Firma, bei der bestellt wurde, habe dessen Mail-Adresse angegeben.

Vorstrafenregister reicht von Fälschung bis räuberischem Diebstahl

Beachtlich ist das Vorstrafenregister des Angeklagten, das vom Erschleichen von Leistungen bis zu räuberischem Diebstahl und Urkundenfälschung reicht, wie Staatsanwalt Geyer erklärte. Außerdem stand er zur Tatzeit noch unter Bewährung. Dass ihm jemand „was anhängen wollte“, sei wohl „nicht ernsthaft zu glauben“, befand Geyer und plädierte für eine Geldstrafe in Höhe von 2700 Euro.

Der Verteidiger gab zu bedenken, dass sein Mandant keinen Bedarf an einem Lohn- und Gehaltsprogramm habe. Er forderte einen Freispruch, denn „irgendwas ist da nicht ganz koscher“, meinte er mit Blick auf den Unternehmer.

Zu 1050 Euro Geldstrafe verurteilte ihn Richterin Daniela Jensch wegen Computerbetrugs. Der 26-Jährige quittierte das Urteil mit Kopfschütteln. Sein ehemaliger Chef hatte den Saal gleich nach seiner Zeugenaussage verlassen.

Von Markus Häggberg

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