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LICHTENFELS

Beleidigt, bedroht, getreten: Aus dem Lichtenfelser Gericht

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Als die 17-Jährige auszusagen hatte, bat sie einen Begleiter in den Saal 14 des Amtsgerichts. Der Angeklagte erschien ihr zu unheimlich, immerhin hatte er sie mehrmals bedroht. Sogar von Vergewaltigung war die Rede. Das Verfahren um versuchte sexuelle Nötigung, Beleidigung und vorsätzliche Körperverletzung sollte am Amtsgericht zügig vonstatten gehen.

Der 23. Dezember 2019 wird dem Teenager wohl noch lange ein Grausen bereiten. Es war 23 Uhr, und sie erhielt einen Anruf. 300 Euro wollte der unweit auf der Anklagebank sitzende 22-Jährige aus dem östlichen Landkreis damals von ihr haben. Und Geschlechtsverkehr. Sollte er den nicht bekommen, dann würde er sie eben vergewaltigen.

„Ich war verknallt, und anderntags habe ich mir gedacht: Verdammt, was hast du getan?“
Der Angeklagte

Das sprach der Mann aus. Das bekräftigte er auch an einem der folgenden Tage im Januar. „Du kleine Schlampe, glaub mir, dich will ich, und wenn ich dich nicht kriege, vergewaltige ich dich“, lautete eine Botschaft, die er ihr nach 22 Uhr zukommen ließ.

„Wie kommen Sie dazu, solche Nachrichten zu schicken?“, wurde er von Richter Matthias Huber gefragt. Die Antwort lautete: „Ich war verknallt, und anderntags habe ich mir gedacht: Verdammt, was hast du getan?“

Es gab noch einen dritten Vorwurf, den Staatsanwalt Alexander Brandt gegen den 22-Jährigen vorbrachte. Am 5. Januar soll er der jungen Frau begegnet und gewalttätig geworden sein. Zuerst beleidigte er sie, dann trat er sie gegen den Oberschenkel. Doch diesen Tritt stritt der Angeklagte ab. Am 5. Januar habe er andernorts den Geburtstag seines Vaters gefeiert. „Da bin ich mir ganz sicher“, bekräftigte der schon hauptsächlich wegen Vergehen im Straßenverkehr auffällig gewordene junge Mann.

Der Vater stützt das Alibi des Sohnes nicht

Nun war klar, dass der Vater des Angeklagten von Bedeutung sein würde. Doch der Mann stützte das Alibi seines Sohnes nicht. „Am 4. Januar“, so der 58-Jährige, habe die Geburtstagsfeier stattgefunden.

Von hier an kam das Verfahren schnell zu seinem Ende. Richter Matthias Huber richtete mahnende Worte an den Angeklagten. Als er die junge Frau fragte, ob sich nach den angeklagten Vorfällen noch weitere ereignet haben, und ob sie überhaupt Kontakt zu dem Mann suche, antwortete sie mit einem klaren Nein. „Haben Sie das verstanden?“, so Huber mit besonderer Betonung in Richtung Anklagebank sprechend.

Mit 1500 Euro Geldstrafe wollte Staatsanwalt Brandt die begangenen Tagen geahndet wissen. Richter Huber sollte eine um 500 Euro höhere Geldstrafe verhängen: „Nach meiner Überzeugung haben Sie sich schuldig gemacht, wie es der Staatsanwalt angeklagt hat.“

Von Markus Häggberg

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