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Bedeutsamer Tag für die evangelischen Christen

Pfarrerin Anne Salzbrenner. Foto: Red

Dass der 25. Juni der Gedenktag des Augsburger Bekenntnisses ist, mag für viele nicht wirklich wichtig sein, und doch ist dies ein bedeutsamer Tag für die evangelische Kirche und deren Christen und Christinnen.

Philipp Melanchthon, ein wichtiger Weggefährte Martin Luthers, hat am 25. Juni 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg die Glaubensgrundlagen für die späteren evangelisch-lutherischen Kirchen an den Kaiser übergeben, die Confessio Augustana beziehungsweise das Augsburger Bekenntnis.

In 28 Artikeln hat Melanchthon zusammen mit anderen Reformatoren seiner Zeit eine Glaubenslehre verfasst, die bis heute für die lutherischen Kirchen maßgeblich sind. Hier sind grundlegende Überlegungen zur Lehre von Taufe und Abendmahl genauso verfasst, wie die Lehre von der Rechtfertigung jedes Christen bis zu den Vorstellungen von Lehre und Amt.

Mögen diese Sätze nun über 480 Jahre alt sein, sind sie dennoch für evangelische Christen und Christinnen heute von zentraler Bedeutung. Auch wenn mittlerweile sich in Lehre und Amt immer wieder Dinge geändert haben, die evangelisch-lutherischen Kirchen sich immer wieder in ihren Strukturen maßgeblich verändert haben und verändern müssen, steht das Augsburger Bekenntnis für mehr als eine evangelisch lutherische Lehrmeinung.

Luther und die anderen Reformatoren stehen durch dieses Bekenntnis für eine Glaubenslehre, die dem Menschen dienen soll.

Dabei geht es nicht um wetterwendische Überlegungen und auch nicht um lutherischen Pragmatismus. Es geht darum, dass der Glaube der Menschen Grundlagen braucht, die aber auch hinterfragt werden dürfen.

Das Augsburger Bekenntnis ist keine von Gott gegebene Glaubenslehre, sondern eine von Gelehrten nach bestem Wissen und Gewissen geschriebene Glaubensgrundlage für die Menschen ihrer Zeit. Reformation bedeutet dabei auch Bewegung.

Dabei sind die Glaubenssätze von einst so weit formuliert, dass man wahrlich von der Freiheit des Glaubens sprechen kann. Durch das Augsburger Bekenntnis werden evangelische Christen in besonderem Maße dazu gerufen, sich mit ihrem Glauben auseinander zu setzen. Und das heißt auch mit der Zeit, in der sie glauben.

Evangelische Pfarrer und Pfarrerinnen versprechen auf dieses Bekenntnis hin und auf diese Glaubensgrundlage nach Bestem Wissen und Gewissen das Wort Gottes zu verkündigen, zu leben und danach zu lehren. Dies beinhaltet den Blick auf die Menschen und den Blick auf die Lehre zu behalten. Dies trägt dazu bei, dass der Rahmen des Glaubens gegeben wird, aber die Glaubenden in gleichem Maße gerufen sind, die Glaubensfragen immer wieder neu zu erörtern.

Ob Friedensethik, Ökologie, ob staatliche Vorgaben, zwischenmenschliche Streitigkeiten, ob Lehre oder Seelsorge, Kirche, der beziehungsweise die Glaubende ist gefragt, im Blick auf Wort und Bekenntnis Stellung zu nehmen.

Das mag zwar für Christen und Christinnen nicht immer einfach sein, aber es ist ein aktiver Umgang mit den christlichen Vorstellungen und dem einen Wort Gottes. Kirche ist dabei lebendiger Partner, lebendige Partnerin, für die Menschen, die sich an christlichen Maßstäben orientieren wollen.

Das Augsburger Bekenntnis steht für die Freiheit eines jeden Christenmenschen heute genauso wie vor über 480 Jahren und bildet gleichzeitig einen Rahmen.

Das ist gut so, und ich glaube vom Prinzip nicht nur für evangelische Menschen, sondern für jede und jeden von uns, denn selbst wer meint nicht zu glauben, glaubt schon dadurch an etwas und sei es an die Wissenschaft.

Sie sollte keine Gegnerin des christlichen Glaubens sein, sondern Weggefährtin.

Die Reformatoren waren in der Regel nicht zufällig Professoren, denen die breite Bildung am Herzen lag. Glauben ist nicht Wissen, aber Wissen ist nur so lange Wissen, bis es widerlegt wird. Den 25. Juni zum Anlass nehmen, über das was wir glauben – oder auch nicht glauben – nachzudenken und zu reden, ist eine Anregung, die nicht nur gut für evangelische Menschen ist, warum nicht bei einem Bierchen im Biergarten, oder einem Glas Wein, frischen Wasser auf dem Balkon, der Terrasse, am Baggersee?

Ihre Anne Salzbrenner

evangelische Pfarrerin Lichtenfels

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