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LICHTENFELS

Ausraster mit zwei Promille

Amtsgericht Lichtenfels urteilt über Betrug mit Schmuck
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Da stand der Vater auf dem Flur im Amtsgericht und sagte: „Ich habe einen Verbrecher zum Sohn.“ Dabei lachte er ein bisschen schmerzhaft und es bedurfte eines Richters, ihm zu sagen, dass der Wandel seines Sohnes nicht ganz so verkorkst ist. Das Verfahren um einen 21-Jährigen aus dem südlichen Landkreis trug auch eine aufmunternde Note. Der zu verhandelnde Tatbestand aber blieb: Sachbeschädigung und Beleidigung.

„Ich war feiern – ganz normal“, erklärte der 21-Jährige und sprach von Party und Spaß. Den hatte er am 22. September 2019 in der Stadthalle von Lichtenfels. Doch gegen 0:45 Uhr hörte der Spaß auf, da nämlich schlug der Mann einen Seifenspender von der Wand. Einen, wie er sagte. Die Staatsanwaltschaft sah das quantitativ anders. Staatsanwältin Katja Amendt führte vier Seifenspender an, die der junge Mann in jener Nacht demoliert haben soll.

Doch das war noch nicht das Wesentliche, denn als die Polizei eintrat um den Randalierer zu stellen und einen Platzverweis gegen ihn auszusprechen, da erinnerte sich dieser wohl eines Polizisten, dessen Arbeitseinstellung er nicht teilt. Er sei mit ihm in der Vergangenheit wegen einer Autogeschichte aneinander geraten, weil es eine für ihn nicht nachvollziehbare Beanstandung gab. Diesem Beamten jedenfalls ließ er über die gekommenen Ordnungshüter ausrichten, was er von ihm hält und das war nicht viel. Er benutzte einen Kraftausdruck, der als Beleidigung nicht zu überbieten war. Als er überdies nicht das Gelände verlassen wollte, wurde er in Handfesseln vom Platz gebracht und rief dabei noch „Sieg Heil!“.

Während der Verhandlung zeigte sich der Angeklagte, der seinen Vater zur Rechten hatte und von Verteidiger Peter Christ vertreten wurde, ruhig und sachlich, sortiert und bescheiden. „Sie machen auf mich auf den ersten Blick nicht den Eindruck eines Randalierers“, erklärte ihm dann auch Richter und Amtsgerichtsdirektor Matthias Huber. Und mit Blick auf den Vater fragte er diesen: „Was sagen Sie denn zu Ihrem Sohn?“ Der Vater nahm seinen Sohn nicht in Schutz, er suchte eher nach einer Erklärung und antwortete: „Stolz bin ich net drauf. Das ist ihm halt so rausgerutscht im alkoholisierten Zustand. Er hat mit braunem Sumpf nix zu tun, er hatte zwei Promille.“

Hättest du geschwiegen...

Was den Kraftausdruck anbelangte, so wünschte er sich, sein Sohn hätte etwas anderes gesagt. „Oder gar nix“, wie Christ anmerkte. Dann erzählte der Angeklagte zu sich, sprach davon, dass er seine Ausbildung hinter sich gebracht habe und gar den Meistertitel in seinem Beruf anstrebe. Huber erinnerte daran, dass es 2017 schon mal einen Vorfall wegen Sachbeschädigung gegeben hatte. „Was war denn das?“ Damals, so die Antwort des Angeklagten, habe er ein Wahlplakat demoliert. Eine Information, die Huber nicht zu sehr gewichten mochte und zu der er bemerkte, dass der Vorfall schon drei Jahre zurückliegt. „Sie machen einen vernünftigen Eindruck, es war wohl ein alkoholbedingter Aussetzer“, hielt der Richter dem Angeklagten zugute.

Noch einmal glimpflich davongekommen

Dabei erfuhr er, dass sich der vor ihm sitzende Mann bei dem durch ihn beleidigten Polizisten entschuldigte, ihn dafür sogar aufsuchte. Huber regte von sich aus eine Verfahrenseinstellung an, freilich mit Denkzettel. 700 Euro hat der 21-Jährige aufzubringen, denn „es soll spürbar sein und noch mal zum drüber nachdenken“ anregen. Dabei machte Huber dem Mann auch klar, was bei etwaigen künftigen derartigen Delikten gegen ihn verhängt würde: zwei, drei Monatsgehälter und das fußend auf einem Strafbefehl. Er habe jetzt „nachzudenken, ob ihm „so ein Spaß das wert“ sei. Für all diese Argumente signalisierte der Angesprochene Verständnis und willigte in die Zahlung der 700 Euro ein.

Von Markus Häggberg

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