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Seubelsdorfer Kiga-Team freut sich auf den Tag X

Ines Mai ist die Leiterin des Kindergarten Seubelsdorf – und eine Mutmacherin. Foto: Till Mayer

Ines Mai ist die Leiterin des katholischen Kindergartens Seubelsdorf. In der Kindertagesstätte hört man derzeit kein fröhliches Kinderlachen. Die Erzieherin lässt sich den Mut trotzdem nicht nehmen:

„Was – Du musst auch arbeiten? Ja, ich darf arbeiten! Und bin wirklich froh darüber. Viele fragen sich natürlich, was macht denn eine Erzieherin ohne Kinder in der Kindertagesstätte. Mein momentaner Arbeitsalltag unterscheidet sich nicht allzu sehr von dem vor der Corona-Schließung.

Das Kindergarten-Team vermisst die Kids. Foto: Till Mayer

„Was? Wie?“, werden sich jetzt viele Fragen. Doch die Aufgaben, die ich als Kita-Leitung inne habe, stehen natürlich jetzt im Vordergrund: Planen, Organisieren, Motivieren, Schreibtischarbeit, Büroarbeit, Telefonate, Zusammenarbeit mit den Träger und unseren verschiedenen Ansprechpartnern.

Ganz einfach ein wunderschöner Beruf

Natürlich – mein Aufgabenbereich der Kinderbetreuung, Bildung und Erziehung fällt zum großen Teil weg. Und gerade dieser Teil ist ja der, warum ich diesen wunderschönen Beruf zur Erzieherin gewählt habe.

Ganz ehrlich - „meine“ Kinder fehlen mir. Es ist komisch durch das leere Haus zu laufen, aus dessen Räumen sonst fröhliches Kinderlachen kommt.

Ich vermisse die strahlenden Kinderaugen, zu Trösten, zu Lernen, zu Kuscheln, ja sogar die Lautstärke einer Kindergartengruppe. Das alles kann mir der Teil meiner Aufgaben momentan leider nicht geben.

Leere Räume und kein Kinderlachen, das ist traurig. Aber das Kiga-Team nutzt die Zeit. Foto: Till Mayer

Doch, ich muss auch sagen, mein erster Gedanke am ersten Tag ohne Kids war – jetzt bestelle ich einen Container. Wir räumen unseren Dachboden und Keller endlich auf. Genau solche Aufgaben bleiben im Alltag mit den Kindern liegen. Die Räumlichkeiten für die Aufbewahrung quellen über. Alles sammelt sich an. Ich sehe beim Schreiben dieser Zeilen vor mir, wie sicherlich viele meiner Kolleginnen jetzt schmunzeln müssen.

Jetzt wird aussortiert und gewerkelt

Gesagt getan, der Container kommt. Es wird umgeräumt, aufgeräumt und aussortiert. Am Ende der Woche ist der Container voll. Und wir können uns im Dachboden und Keller wieder bewegen.

Ganz allein am großen Tisch: Erzieherin Ines Mai. Foto: Till Mayer

Nun geht es ans Sortieren und Einräumen. Auch das klappt gut und mit voller Motivation der Mitarbeiter. Bis Mitte der Woche ein kleines Tief aufkommt. Keiner von uns mag nun mehr Arbeitsblätter sortieren, Bücher in das neue Bücherregal einsortieren, putzen und immer wieder sortieren.

Das Zauberwort „Home Office“ spreche ich nun aus und schicke am Ende der Woche meine zwei Kollegen mit Aufgaben dahin. Komisch, nun bin ich ganz allein im Kindergarten.

Doch ich freue mich genau an diesem Tag über den Anruf von einer Mutter. Die Kinder vermissen uns, höre ich. Und ob es uns gut geht. Eine andere Mutter muss auch gespürt haben, dass heute ein Ich-drohe-ins-Loch-zu-fallen-Tag ist. Sie steht auf einmal bei uns vor der Türe. Sie klingelt und wir halten einen Plausch vom Fenster zur Straße. Gut, zweite Woche auch rum gebracht.

Kinder kommen zur Notbetreuung

In Woche drei kommen dann Kinder zur Notbetreuung. Es heißt nun Dienstplan ändern. Nur ein Mitarbeiter soll für Notbetreuung zuständig sein, Telefonate führen, Mundschutz organisieren – hier ein Dank an meine Eltern – ohne euch hätten wir immer noch keinen.

Und es geht darum, die Mitarbeiter, die in dieser Woche kommen – wir arbeiten teilweise in Schichten- mit neuen Input zu füttern.

Eine neue Aufgabenliste ist schnell geschrieben. Ich staune: Es sind wieder drei DINA 4 Seiten geworden. Unglaublich, was dass ganze Jahr so nebenbei gemacht und getan wird.

Das Tief ist überwunden. Das neue Konzeptes wird in den PC getippt. Meine Aufgabe ist es nun, es „schön“ und „fehlerfrei“ zu gestalten.

Meine Kollegen gestalten Osternester und kleine Geschenke für unsere Eltern. Denn eines ist klar, gerade die Osterzeit ist für uns im Kindergarten ganz besonders. Ich vermisse es, mit den Kindern Geschichten von Jesus zu erzählen und uns auf die Auferstehung vorzubereiten.

Umgeswitcht - in diesen Jahr kein Osterbrunch für unsere Familien – aber Nester bringt der Osterhase unseren Familien selbstverständlich.

Eltern bescheren schöne Momente

Und da sind sie wieder die schönen Momente – Eltern rufen an, bedanken sich – wir bekommen kleine Aufmerksamkeiten und an der Tür – natürlich mit Sicherheitsabstand – ein Kinderlächeln unserer Kids.

Es ist dass Gute an der schlimmen Zeit, auch wir rucken zusammen, gehen gemeinsam mit unseren Familien durch diese Zeit. Jederzeit können Sie sich bei uns „Material“ für die Kids holen – nach telefonischer Anmeldung und nach Vorschrift – wir legen Gewünschtes vor die Türe.

Dafür haben einige Kinder nach einen Aufruf einer Kinderkrippenmutter, die im Altenheim arbeitet, fleißig Bilder gemalt und gebastelt und diese in den Briefkasen geworfen. Macht ruhig weiter damit. Was wir am Tag X planen? Glaubt mir, der Rest des Jahres ist gut vorbereitet.

Eines steht fest: Wir feiern einfach mit unseren Kindern unser Wiedersehen – ob mit oder ohne Sicherheitsabstand- vielleicht mit Mundschutz oder ohne. Aber feiern werden wir!“

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