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STETTEN

Kartage: Stettener Kinder setzen bei „Raschbln“ ein Zeichen

Kartage: Stettener Kinder setzen bei  „Raschbln“ ein Zeichen
Paula Hagel hatte mit ihrer Schwester Merissa die Idee, das "raschbln" in diesem Jahr von zu Hause aus fortzuführen. Foto: Corinna Tübel

Es ist kurz vor 18 Uhr am Gründonnerstag Abend in dem kleinen Ortsteil Stetten westlich von Lichtenfels. Die Straßen sind leer, kein Geräusch zu hören. Ein paar Minuten später stehen die Menschen vor ihren Häusern und ein gewaltiger „Krawall“ ertönt. An vielen verschiedenen Positionen im Ort stehen nun diejenigen Mädchen und Jungen vor ihren Häusern, die sich den Brauch des „Raschblns“ auch heuer nicht nehmen lassen wollen.

Die Gemeinschaft ist wichtig in einer schwierigen Zeit

In diesem Jahr sind sie zwischen vier und 14 Jahre alt. Die Idee für diese neue Form des alten Osterbrauchs hatte die zehnjährige Paula. Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen rund um den Corona-Virus können die Kinder in diesem Jahr den rund einstündigen Weg durch den Ort nicht gemeinschaftlich antreten und auf diese Weise die Kirchenglocken „ersetzen“.

„Es aber ganz ausfallen zu lassen, wäre schade gewesen. Gerade jetzt braucht man ja die Gemeinschaft“, sagt Paula, die seit 2014 „mitraschblt“. Sie habe mit ihrer Familie lange Abende bei der Brotzeit darüber gesprochen. Irgendwann kam ihnen die witzige Idee, doch ebenso eine Aktion daraus zu machen wie manche Radiosender es tun. Irgendwann wurde dann Ernst daraus: Die anderen Kinder und Familien waren begeistert. Nun „raschblt“ noch bis Karsamstag Abend jedes Kind mit seiner Holz-Ratsche um 6 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr „vor der Haustür“, im Garten oder vom Balkon aus.

Und alle zeigen somit: Wir gehören zusammen – auf uns ist Verlass! Das frühe Aufstehen stört Paula und ihre vierzehnjährige Schwester Merissa nicht. „Früh um sechs Uhr ist es sogar am Schönsten rauszugehen“, sagt die Ältere und schmunzelt. Man sieht den beiden an: Es macht ihnen Spaß.

Applaus als Dankeschön für das Engagement

„Da darf man mal so richtig viel Lärm machen“, fügt die Jüngere an und lacht. Und das verärgert in diesem Fall keine Nachbarn oder Anwohner: Die kommen nämlich pünktlich zu den „Glockenschlägen“ aus ihren Häusern, klatschen und rufen sich über sie Straße Grüße zu.

Kartage: Stettener Kinder setzen bei  „Raschbln“ ein Zeichen
Lea und Max Betz haben sogar eigene Holz-Ratschen mit eingravierten Namen. Foto: Corinna Tübel

in paar Straßen weiter stehen Max und seine Schwester Lea. Der Fünfjährige freut sich darüber, „dass es so laut ist!“. Seine neunjährige Schwester dagegen ist schon ein „alter Hase“. Sie „raschblt“ schon zum vierten Mal mit und führt die über 50-jährige Tradition im Ortsteil Stetten fort, die schon ihr Großvater mitgemacht hat. In ihre „Holz-Instrumente“ sind die Namen eingraviert.

In den vergangenen Jahren zeigten sich die Stettener Bewohner sehr großzügig gegenüber ihren „Raschblern“: Sie verpflegten die umherziehenden Kinder mit Süßigkeiten oder Getränken. Vielleicht werden auch sie in diesem Jahr kreativ?

 

Von Corinna Tübel

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