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Landkreis Lichtenfels: Jeder fünfte Infizierte jünger als 25

Landkreis Lichtenfels: Jeder fünfte Infizierte jünger als 25
Tests auf Covid-19 im Drive-Through-Verfahren: Landrat Christian Meißner (li.) und der Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich informierten sich vor Ort über die Abstrichstelle. Foto: red

„Die Gefahr einer Infektion mit dem Corona-Virus ist nicht nur ein Problem der älteren Generation. Die Statistik zeigt: Jeder fünfte Infizierte in unserem Landkreis ist unter 25 Jahren“, macht Landrat Christian Meißner deutlich. Als Leiter der Katastrophenschutzbehörde Landratsamt Lichtenfels wendet er sich vor diesem Hintergrund mit einem dringenden Aufruf an die jüngere Generation: „Bitte nehmt‘ die Ausgangsbeschränkungen und die Vorgaben der Staatsregierung Ernst und bitte vermeidet soziale Kontakte.“

Der Landrat erklärt weiter: „Als Vater von zwei Jungs weiß ich sehr wohl, wie schwer es für Jugendliche und junge Leute ist, sich bei dem momentan so schönen Wetter nicht zu treffen und gemeinsam etwas in der Freizeit zu unternehmen – noch dazu, wo jetzt keine Schule ist.“ Deswegen bittet er alle Eltern, entsprechend auf ihre Kinder einzuwirken: „Wer sich nicht an die Regelungen hält, bringt sich und andere in große Gefahr. Das gilt für alle Bürger: Bitte bleiben sie zu Hause und verlassen sie es nur, wenn es absolut notwendig ist. Denn die Corona-Krise findet direkt vor unserer Haustür statt und wir können sie nur gemeinsam bewältigen, indem wir zusammenhalten.“ Es gebe im Bundesgebiet bereits Todesfälle von Kindern und Jugendlichen, die sich mit der Krankheit infiziert haben.

Infizierte vom Kleinkind bis zum Hochbetagten

Die Zahl der mit Covid-19 infizierten Personen im Landkreis Lichtenfels ist in den vergangenen Tagen weiter angestiegen. Insgesamt 130 Fälle vom Kleinkind bis zum Hochbetagten waren am Sonntagnachmittag beim Sachgebiet Gesundheit am Landratsamt gemeldet. „Die erfreuliche Nachricht: 28 Personen gelten als genesen“, so der Landrat. Nach Angaben der Leitung des Regiomed-Klinikums Lichtenfels wurden dort (Stand Donnerstag) fünf positiv getestete Personen stationär behandelt, drei davon werden beatmet.

Rund 580 Kontaktpersonen ersten Grades (Menschen, die innerhalb der vergangenen zwei Tage seit der Diagnose mindestens 15 Minuten mit dem Erkrankten von Angesicht zu Angesicht mit einem Abstand von weniger als zwei Metern gesprochen haben) und rund 1200 Kontaktpersonen zweiten Grades (geringes Infektionsinfektionsrisiko durch Aufenthalt im gleichen Raum über längere Zeit aber mit über zwei Meter Abstand) seien unter Beobachtung. Es bestehe ein zum Teil täglicher Austausch mit dem Gesundheitsamt, gegebenenfalls um zeitnah weitere Maßnahmen einleiten zu können.

Erkrankungsschwerpunkte (Hotspots) im Landkreis gebe es zurzeit nicht, so das Landratsamt. Anfangs habe es sich bei den meisten der Infizierten um Rückkehrer aus Risiko- und Urlaubsgebieten gehandelt. Weitere Fälle seien wohl darauf zurückzuführen, dass einige Bürger die Vorgaben zum Abstandhalten und zur Hygiene zu wenig ernst nähmen – insbesondere auch bei häuslicher Quarantäne in der Familie.

Wie berichtet, gibt es seit vergangener Woche zwei Abstrichstellen im Landkreis Lichtenfels. Grundsätzlich sollen sich Personen, die erkrankt sind und Covid-19-Symptome zeigen, zunächst erst telefonisch an ihren Hausarzt wenden. Bei ihm sind die Symptome genau zu schildern. Der Hausarzt entscheide dann über die weitere Vorgehensweise und werde die Patienten gegebenenfalls weiter an die Abstrichstelle verweisen, die für im Landkreis niedergelassenen Ärzte eingerichtet wurde.

Hier werden die Proben im Drive-Through-Verfahren genommen – die Patienten müssen das Auto nicht verlassen. Auch hier unterstützt die Feuerwehr und kontrolliert die Zufahrt zur Abstrichstelle: Zugelassen werden nur Patienten, die von ihren Ärzten für einen Termin angemeldet sind. Dadurch komme es nicht zu Engpässen. Nach Angaben der Örtlichen Einsatzleitung wurden vom Start bis Donnerstagabend an der Abstrichstelle für die niedergelassenen Ärzte 136 Abstriche gemacht. An der Abstrichstelle des Landkreises Lichtenfels wurden bislang 458 Tests genommen. Pro Stunde könnten acht bis zehn Abstriche genommen werden. Bis das Ergebnis vorliegt, dauere es, je nach Labor, bis zu zwei Tage.

Warum wurden die Mitarbeiter der Redwitzer Praxis nicht getestet?

Grundsätzlich werde zurzeit nur noch medizinisches und pflegerisches Personal abgestrichen (wenn sie Kontaktpersonen ersten Grades sind) und diejenigen, die die Symptome aufweisen, nach einer vom Hausarzt erfolgten Differentialdiagnostik, so das Landratsamt. Liege die Meldung eines positiven Covid-19-Falls vor, ordne das Sachgebiet Gesundheit Quarantäne an und informiert die Kontaktpersonen.

Warum allerdings die Redwitzer Hausärztin Dr. Sibylle Kaltenecker und ihre beiden Arzthelferinnen entgegen ihrem Wunsch nicht getestet wurden, nachdem sie Mitte März zwei symptomfreie Patienten in der Praxis hatten, die anschließend positiv auf Corona getestet wurden, wollte das Landratsamt nicht beantworten. Zu Einzelfällen würden keine Angaben gemacht, die Betroffenen könnten sich an den Landrat wenden, hieß es auch auf die Frage, warum ihnen der positive Befund der Patienten erst mitgeteilt wurde als es schon zu spät war, weitere Schutzmaßnahmen für ihre Patienten zu ergreifen.

Viele Hilfsangebote in den Kommunen

Sehr erfreut zeigt sich der Landrat, über die vielen Initiativen, die es inzwischen im Landkreis gibt. Die meisten Städte, Märkte und Gemeinden haben Hilfsangebote für Bürger zusammengestellt. „Mein Appell gilt deswegen auch jenen, die besonders gefährdet oder auf sich alleine gestellt sind: Lassen Sie sich helfen und greifen Sie auf diese Angebote zurück!“, so Meißner.

Besonders positiv findet der Landrat: „Ich merke in dieser schweren Zeit: Unser Landkreis Lichtenfels hält zusammen. Es ziehen alle an einem Strang. Wir werden diese Krise auch nur meistern, wenn wir zusammenhalten und zusammenarbeiten. Dann werden wir gestärkt daraus hervorgehen. Vielen Dank allen, die sich dafür einsetzen!“

Bei Fragen rund um Corona hat das Landratsamt eine Hotline eingerichtet. Sie ist unter der Tel. (09571) 18190 erreichbar (Montag bis Donnerstag 8 bis 16 Uhr, Freitag 8 bis 13 Uhr). Es wird darauf hingewiesen, dass hier keine medizinische Beratung erfolgen kann. (red)

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