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LICHTENFELS

Klinikum Lichtenfels vor Welle von Corona-Infektionen

Im Regiomed-Klinikum werden alle Vorbereitungen getroffen für die Aufnahme weiterer mit dem Coronavirus Infizierter. Vor dem Klinikum traf sich Landrat Meißner (re.) mit Geschäftsführer Robert Wieland zum Gespräch. Für Besucher ist das Klinikum bis auf Weiteres geschlossen. Foto: red

Die Zahl der Corona-Patienten im Landkreis Lichtenfels ist am Freitagnachmittag auf 56 gestiegen. Am Donnerstag waren noch 48 gemeldet worden. „Wir haben anhand der Erkrankungen in den vergangenen beiden Tagen festgestellt, dass wir am Beginn einer Welle von Corona-Patienten sind“, erklärte Alexander Schmidtke, Hauptgeschäftsführer des Klinik-Verbunds Regiomed am Freitag bei einer telefonischen Pressekonferenz. Da auch im Klinikum Lichtenfels mehrere positive Fälle eingeliefert wurden, die teilweise beatmet werden müssen, werde die Zahl der Betten aufgestockt.

„Am Klinikum Lichtenfels haben wir die Eskalationsstufe zwei eingeleitet“, sagte Robert Wieland, Geschäftsführer für die bayerischen Regiomed-Einrichtungen. So werden zusätzliche Beatmungsbetten bereitgestellt und der Intensivbereich in zwei getrennte Einheiten aufgeteilt. Dadurch können zusätzlich zu den vorhandenen zehn Intensivbetten noch 22 Beatmungsbetten geschaffen werden (14 Beatmungsbetten und weitere acht mit Geräten aus den Operationssälen aufgerüstete). Ab Montag sollen weitere zwölf Intensivüberwachungspflege-Betten für weniger schwere Fälle bereitgestellt werden.

Zusätzliche Beatmungsbetten und Neugliederung der Abteilungen

Die Notaufnahme erfolge zum Schutz von Patienten und Mitarbeitern zweigleisig: Patienten mit Verdacht auf Covid-19 werden in einem extra geschaffenen Bereich aufgenommen, so dass sie nicht mit den anderen in Kontakt kommen. Die stationären Bereiche sollen so umgestaltet werden, dass zusätzlicher Platz für Corona-Patienten geschaffen wird, kündigte Wieland an. Außerdem sei das Personal sowohl der Tag- als auch der Nachtschichten verstärkt worden, indem die Dienstpläne umgestaltet und neue Kräfte mobilisiert werden. „Wir sind sehr gut auf eine Welle von Erkrankungen vorbereitet“, betonte Wieland.

Eine deutliche Zunahme der Corona-Patienten registriert auch das Klinikum Coburg: derzeit sind es 55. Behandelt werden könnten dort bis zu 250 Patienten. Ruhig ist es dagegen im thüringer Verbundgebiet, wo in Sonneberg ein positiv getesteter Patient registriert wurde. Alarm gab es in der Reha-Klinik Masserberg, wo nach dem positiven Test eines Mitarbeiters die Klinik mit 167 Patienten evakuiert werden musste. Alle Mitarbeiter seien getestet worden, doch bisher habe sich bei keinen habe sich der Corona-Verdacht bestätigt, auch wenn noch einige Ergebnisse ausstünden, sagte Klinikleiter Andreas Schütz.

Insgesamt halte Regiomed für Corona-Patienten 560 Betten frei. Die Ausgleichszahlungen aus dem Rettungsschirm der Bundesregierung deckten 88 Prozent der Kosten ab. Die Pauschale von 50 000 Euro für ein neues Beatmungsbett sei auskömmlich, aber die Antragsstellung in Thüringen schwierig. Regiomed habe 15 zusätzliche Beatmungsgeräte bestellt, die nach Bedarf an die Kliniken verteilt werden sollen. „In der jetzigen Zeit, in der wir uns voll in den Dienst der Sache stellen, müssen die Kliniken von der Politik so gestellt werden, dass sie eine schwarze Null schreiben“, forderte er. Gefreut habe ihn, dass der Freistaat die Kosten der Verpflegung für die Mitarbeiter übernehme: „Das ist eine großartige Anerkennung für unser Personal, das bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit geht.“

Das strenge und konsequente Hygienemanagement, mit dem Regiomed früher als andere Kliniken begonnen habe, zahle sich jetzt aus, sagte Alexander Schmidtke. So seien die Kliniken frühzeitig für Besucher und Angehörige gesperrt und die Cafeterien geschlossen worden. Umso mehr freue er sich, dass werdenden Vätern jetzt nach einem kurzfristigen Verbot ab dem Wochenende wieder erlaubt werde, bei der Geburt dabei zu sein, wenn sie symptomfrei sind und nachweisen, dass sie 14 Tage lang keinen Kontakt zu Erkrankten hatten.

Zentralküche erst im Mai in Betrieb

Die Inbetriebnahme der Zentralküche in Lichtenfels, die ab April die bayerischen Einrichtungen versorgen sollte, wird auf 4. Mai verschoben. Der Versorgungsbeginn für Thüringen im Juni könnte gehalten werden. Wegen der Pandemie sei weder die erforderliche Schulung der Mitarbeiter möglich, noch ein rechtzeitiger Abschluss der Bauarbeiten. Auch die EU-Zulassung der Küche müsse später erfolgen. Dennoch sei die Verköstigung von Patienten und Mitarbeitern gesichert.

Von Gerhard Herrmann

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