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LICHTENFELS

Corona: Regiomed erhöht Bettenzahl auch in Lichtenfels

Im Stress sind auch die Mitarbeiter des Klinikums Lichtenfels wegen der Corona-Pandemie. In Zusammenarbeit mit den übrigen Regiomed-Einrichtungen werden die Kapazitäten zur Behandlung von Infizierten erweitert. Foto: M. Drossel

Der Schutz der Patienten und der Mitarbeiter hat beim Regiomed-Klinikverbund höchste Priorität. Darum tragen alle Mitarbeiter vom Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke bis zum Pförtner zurzeit Atemschutzmasken. Auch Patienten in den Wartezimmern der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) werden damit versorgt. Es sei genug Schutzkleidung vorhanden, Nachschub bereits bestellt, erklärte Schmidtke bei einer Pressekonzerenz am Dienstag, die vorsorglich per Telefon stattfand. Und damit das so bleibt, fertigen die Kostümschneider des Landestheaters Coburg jetzt in einer Hilfsaktion Atemschutzmasken für Regiomed – allerdings nur für die nichtmedizinischen Mitarbeiter.

„Das Nadelöhr wird nicht bei den Betten sein, sondern bei den Ärzten und Pflegern.“
Alexander Schmidtke, Regiomed-Hauptgeschäftsfüher

Die gute Nachricht: Trotz steigender Zahlen von bestätigten Corona-Fällen im Verbundgebiet – im Landkreis Lichtenfels waren es am Dienstagnachmittag 27 (Montag: 23) – ist die medizinische Versorgung gesichert. „Alle Mitarbeiter arbeiten an der Belastungsgrenze, obwohl noch kein großer Zustrom von Covid-19-Patienten zu verzeichnen ist“, sagt Schmidtke. Dadurch werde sichergestellt, dass auch bei dem erwarteten Anstieg der Zahl von Infizierten alle Betroffenen versorgt werden können. Mehrmals am Tag erfolgten dazu Abstimmungen innerhalb des Verbunds.

Wäre eine Klinik überlastet, würden die Patienten im Verbund verteilt

Um möglichst viele Intensivbetten für Infizierte und Notfälle bereitzustellen, werden im Rahmen eines Versorgungskonzepts Operationen etwa von Hüft- oder Kniegelenken verschoben, erläuterte Schmidtke. Dadurch könnten an den sechs Regiomed-Standorten 400 bis 450 Betten bereitgestellt werden. Insgesamt könnten 44 Intensivbetten und 106 sogenannte Intermediate-Care-Betten (Intensivüberwachungspflege) in einer ersten Stufe zur Verfügung stehen. In einer weiteren Stufe könnte die Zahl der Intensivbetten auf 60 und in einer dritten auf 108 erhöht werden.

Im Klinikum Lichtenfels stehen zehn Intensivbetten zur Verfügung sowie 22 weitere, die durch Beatmungsgeräte aufgerüstet werden könnten. Sogar eine Ausweitung auf 33 bis 35 solcher Betten für schwer Erkrankte könnte das Klinikum ohne Hilfe durch den Rettungsschirm der Bundesregierung einrichten. Denkbar wäre zudem eine Nutzung des alten Klinik-Gebäudes für die Betreuung von weniger schwer betroffenen Patienten. Dies sei nach einer Begehung mit dem Landratsamt allerdings nur für Notfälle geplant, da es sinnvoller sei, vorhandene Kapazitäten zu nutzen, als ein leeres Gebäude wieder für die Pflege einzurichten. „Zunächst werden Patienten aus Lichtenfels in Lichtenfels behandelt, wenn dort keine Betten mehr frei sind, werden sie regiomed-weit verlegt und erst danach würde das alte Klinikum wieder in Betrieb genommen“, betonte Alexander Schmidtke. Dazu würden zur Zeit auch Betten in Reha-Einrichtungen des Verbunds freigehalten.

Dank des Rettungsschirms der Bundesregierung für Kliniken sieht Schmidtke zurzeit keine Veranlassung, die Gesellschafter trotz der Mehrkosten durch weitere Finanzierungshilfen zu belasten. Der Rahmen der vorgesehenen Kassenkredite sei vorerst ausreichend.

Trotz Mehrkosten keine Belastung für die Gesellschafter absehbar.

Allerdings verhageln die Vorkehrungen wegen der Pandemie die Bilanz des ohnehin finanziell gebeutelten Klinikverbunds. Auf 30 bis 50 Millionen Euro schätzt der Hauptgeschäftsführer die Mehrkosten wegen des Virus. Erleichtert äußerte sich Schmidtke über die Nachbesserung am Hilfspaket der Bundesregierung, das Bonuszahlungen für zusätzliche Intensivbetten und freigehaltene Betten sowie weitere Hilfen vorsieht.

Im Regiomed-Klinikum werden alle Vorbereitungen für die Corona-Pandemie getroffen. Vor dem Klinikum traf sich Landrat Meißner (re.) mit Geschäftsführer Robert Wieland zum Gespräch. Für Besucher ist das Haus bis auf Weiteres geschlossen. Foto: red

Doch gehe es nicht nur ums Geld: „Je stärker wir von Bürokratie entlastet werden, desto mehr können wir uns auf die Patienten konzentrieren.“ Aufgrund dieser Zuzahlungen werde zurzeit errechnet, wie die Intensivkapazitäten ausgeweitet werden können. „Das Nadelöhr wird nicht bei den Betten sein, sondern bei den Ärzten und Pflegern“, sagte Schmidtke. Erfreulich seien hier Angebote von Reha-Kliniken, Mitarbeiter abzustellen, die früher in der Intensivmedizin gearbeitet hatten.

Auch mit dem Bezirksklinikum Kutzenberg und den niedergelassenen Ärzten werde zusammengearbeitet. Und mit den Gesundheitsämtern solle die Mithilfe bei der Diagnostik so abgestimmt werden, dass die Patienten zum medizinisch richtigen Zeitpunkt in die Kliniken kommen. Entlastung und Schutz sollen Videosprechstunden in den Medizinischen Versorgungszentren bieten. Und um die Sorgen und Ängste der Mitarbeiter sollen sich Krisen-Interventionsteams kümmern.

Zwei Teststellen im Landkreis

Zwei Abstrichstellen, an denen sich Bürger auf eine Infektion mit dem Coronavirus testen lassen können, hat der Landkreis Lichtenfels eingerichtet. Der Betrieb laufe nach der erforderlichen vorherigen Abklärung mit dem Hausarzt und Terminvergaben reibungslos, erklärte Helmut Kurz vom Landratsamt auf Anfrage. Auch in Coburg erfolgten die Tests nach anfänglichen Staus am Drive-in problemlos, so Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke.
 

Von Gerhard Herrman

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