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Die Woche vor 25 Jahren im Obermain-Tagblatt: Detonation in Lichtenfels hätte tödlich enden können

Den Bayerischen Meistertitel im Einrad-Vierer holen sich vor heimischem Publikum die Männer des RV Adler Michelau (auf dem Treppchen). Mit im Bild: Landrat und Schirmherr Reinhard Leutner (links), (von rechts) die beiden RV-Adler Vorsitzenden sowie Heinz Butz (vom Mit-Ausrichter (Solidarität Nürnberg). Foto: Repro: Herold Gagel

Kein Scherz, kein Bluff, sondern bitterer Ernst: Ein Unternehmer aus Lichtenfels bekommt am 30. März 1995 eine Rohrbombe vor seinen Laden gelegt. Als er das vermeintliche Postpaket öffnet und angesichts von Lüsterklemmen, Drähten und einem verzinkten Rohrstück gleich die richtigen Schlüsse zieht, setzt sich ein spektakulärer Automatismus in Gang:

Die Polizei sichert das 30 auf 40 Zentimeter große Paket im Lagerraum, wo es der Kaufmann sicherheitshalber schnell deponiert hat, Hausbewohner des Mehrfamilienhauses werden evakuiert, Straßen abgesperrt. Bis drei Stunden später die Spezialisten der Technischen Sondergruppe der Bayerischen Polizei (TSG) per Hubschrauber am ESV-Sportplatz landen, ist das Gelände um die Dr.-Gustav-Roßbach-Straße abgesichert, und vorsorglich Rettungsdienste vor Ort. Schaulustige natürlich auch.

Ein lauter, dumpfer Knall: Gefahr ist gebannt

Das Urteil der Fachleute: Die Bombe ist echt und funktionstüchtig, hätte per Fernsteuerung gezündet werden können. Um 12.34 Uhr kündet laut OT-Bericht „ein lauter, dumpfer Knall“ davon, dass die Gefahr gebannt ist, Zünder von Sprengsatz getrennt wurde. Paket und Bauteile werden nun zur weiteren Untersuchung mit einem Sicherheitstransporter nach München gebracht. Die Gewissheit am Tag danach: Mit 75 Gramm Schwarzpulver wäre die Explosion der Bombe „garantiert“ für einen Menschen tödlich gewesen, urteilt das Landeskriminalamt, das nun die Ermittlungen übernimmt. 2000 Euro Belohnung für Hinweise werden ausgesetzt.

Zu Motiv und Täter äußert der Unternehmer Vermutungen auf Hintergründe aus seinem privaten Umfeld. Mündliche Morddrohungen wegen familiärer Probleme habe es gegeben. Aber, „dass jemand so weit gehen kann“, hält er für „Wahnsinn!“

Bundesverdienstkreuz für Thomas Dück aus Altenkunstadt

Bundesverdienstmedaille und Ehrenamtszeichen gibt es für (vorne, von links) Thomas Dück, Johann Knöferl und Ludwig Eitzenberger. Es gratulieren: (hinten, von links) die Bürgermeister Eugen Braun, Winfred Bogdahn und Max Goller sowie Landrat Reinhard Leutner. Foto: Repro: rau

Die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bunderepublik Deutschland wird bei einer Feierstunde im Landratsamt an Thomas Dück (85) aus Altenkunstadt verliehen, der in seiner Heimatgemeinde seit Jahrzehnten in vielfältigster Weise im politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben engagiert ist. Ebenso erhalten das Ehrenzeichen für besondere Verdienste im Ehrenamt: Johann Knöferl (76) aus Schney und Ludwig Eitzenberger (56) aus Weismain, die gleichsam seit langen Jahren in diversen Vereinen, Institutionen und in der Kommunalpolitik aktiv sind.

Michelauer Frühlingsbote und vermeintliche Babylieferant heimgekehrt

Der Michelauer Frühlingsbote und vermeintliche Babylieferant ist heimgekehrt: Der Storch hat seinen Horst auf dem Sägewerksschlot am 27. März 1995 wieder bezogen. Fachmännische, erfahrene Beobachter aus Michelau sagen voraus, dass sein Weibchen in etwa acht bis zehn Tagen nachkommen wird. Bis dahin dürfte das Nest gesäubert und bereitet sein. Die darauf folgenden Tage allerdings machen es ihm nicht leicht: Es schneit wieder. Die Futtersuche gestaltet sich schwierig bis aussichtslos. Und die Kälte scheint dem Männchen zu schaffen zu machen: Sorgenvoll sieht man ihn oft über eine Viertelstunde lang regungslos – wie in einen „wahren Kälteschock versetzt“, so das OT – auf Hausdächern sitzen.

Der Hunger mache ihn zutraulich, mutmaßen die Storchenfreunde und geben Tipps, womit man ihn füttern könnte und darf. Einen Tag später berichtet das OT, wie sich Meister Adebar selbst zu helfen wusste: In Seubelsdorf verspeiste er genüsslich den 30-köpfigen Goldfischbestand aus einem Gartenteich – vor den Augen des begeisterten dreijährigen Sohns des Hauses. Übrigens bleibt er gar nicht so lange allein wie prophezeit: Am Mittag des 2. April verdoppelt sich das Schnabelgeklapper – das Weibchen ist zieht ein.

Barrierefreiheit anno 1995

Barrierefreiheit anno 1995: zum Nordeingang der Basilika Vierzehnheiligen führt seit dem letzten März-Wochenende eine lang gezogene Rollstuhlrampe, die offensichtlich sofort angenommen wurde und gern genutzt wird. In der Lichtenfelser Stadtpfarrkirche werden am 28. März 1995 fünf Opferstöcke aufgebrochen und das darin befindliche Geld gestohlen.

In der Adelgundis-Kapelle auf dem Staffelberg wird traditionell das „Heilige Grab“ aufgebaut und ist bis Ostern zu besichtigen: Die imposante, mehrstufige Kulisse wird dem Einsiedler Jakob Heß zugeschrieben, der als „kunstbeflissener Mechaniker“ die Passionsgeschichte mit beweglichen Bildern und Figuren gestaltet hat.

Sprengstoffexperten aus München werden am 30. März in Lichtenfels benötigt und per Hubschrauber eingeflogen, nachdem ein Unternehmer eine echte Rohrbombe vor seinen Verkaufsmarkt gelegt bekommen hat. Foto: Repros: Gerald Karnoll

Der Gartenbauverein Neuensee wählt Werner Schilling zum neuen ersten Vorsitzenden und Nachfolger des nach 37 Amtsjahren nicht mehr kandidierenden Wolfgang Zwieb, der postwendend zum Ehrenvorsitzenden ernannt wird. Ursula Heider wird bei der Frauen-Union Staffelstein zur neuen ersten Vorsitzenden und Nachfolgerin von Heidi Bieber gewählt, die aber weiterhin 2. Vorsitzende bleibt. Bei Lichtenfelser Ruderverein gibt erster Vorsitzender Lothar Krautheim nach 24 Jahren Amtszeit das Ruder in jüngere Hände: die von Klaus Bauer. Noch länger, nämlich 27 Jahre, war Walter Grossmann Chef des Lichtenfelser CSU-Ortsverbands, als er jetzt nicht mehr kandidiert und von Werner Schütz beerbt wird.

Bayerische Meisterschaften im Kunstradfahren im Michelau

Die Bayerischen Meisterschaften im Kunstradfahren hat das Korbmacherdorf Michelau 1995 zu sich in die Mainfeldhalle geholt – als weitere Attraktion im Rahmen der Veranstaltungen zur 800-Jahr-Feier sowie zur 75-Jahr-Feier des örtlichen RV Adler. Letzterer belohnt sich selbst mit dem Titel der Männer im Einrad-Vierer.

Rollstuhlsportler Martin Hügerich (59) aus Altenkunstadt holt sich seinen 13. und 14. Deutschen Meistertitel: (zusammen mit Christiane Pape) im Tischtennis-Mixed und auch im Einzel der Wettkampfklasse 5. Im Herren-Doppel wird er – zusammen mit Rainer Kolb – Dritter. Es ist, wie er sagt, seine letzte Deutsche Meisterschaft, denn er möchte altersbedingt etwas kürzer treten.

Von Gabi Kriese

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