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LICHTENFELS

Der Coronavirus und die Reiselust am Obermain

Der Coronavirus und die Reiselust am Obermain
Tanja Brun Valencia von der „Reiseinsel“ macht demnächst selbst Urlaub: eine Kanaren-Kreuzfahrt. Foto: Esther Schadt

Einreiseverbote für Deutsche im Ausland, ganz Italien eine Quarantänezone: „Sollte ich überhaupt dieses Jahr in den Urlaub fliegen? Und wann?“, fragen sich beunruhigte Bürger. Viele besorgte Anfragen erreichen heimische Reisebüros, da die Zahl der an Corona-Erkrankten täglich steigt. Unsere Redaktion hörte sich um. Die lokalen Reisekaufleute raten: „Erstmal abwarten.“

Das Kleingedruckte bei der Reiserücktrittsversicherung lesen

Kunden informieren sich derzeit vor allem über Stornobedingungen und Verschiebungsmöglichkeiten. Tanja Brun Valencia von der „Reise-Insel“ in Lichtenfels hat bisher nur eine Stornierung seitens des Kunden. „Veranstalter haben bis jetzt gerade einmal drei Reisen abgesagt: Zwei Kreuzfahrten in den Orient und eine weitere, nachdem die USA ein Einreiseverbot verhängt hat.“ Der Umgang mit den Stornierungen sei situationsabhängig, wie Brun Valencia erklärt: „Es gibt hier (im Fall Corona) noch keine rechtlichen Bestimmungen. Meist sind die Veranstalter aber sehr kulant.“ Wenn heute eine Reise gebucht werde, könne diese im Zeitraum bis einschließlich 31. Oktober kostenlos storniert werden. Hierbei seien die Fristen der Veranstalter zu beachten: in der Regel 14 bis 28 Tage vor Reiseantritt.

Wird eine kurzfristige Reisewarnung durch das Auswärtige Amt ausgesprochen, gilt das für Veranstalter als Stornierungsgrund. Dann sei eine kostenlose Umbuchung beziehungsweise eine Rückerstattung möglich, informiert Stefan Schaffranek vom gleichnamigen Burgkunstadter Reisebüro. Er erinnert, dass sich die Zahl der Stornierung durchaus erhöhen könnte. Zur Zeit sei schließlich keine Hauptreisezeit. Doch die Zahl der Neubuchungen sinkt bei allen befragten Reisebüros.

Mit der Stornierung abwarten

„Es lohnt sich, mit der Stornierung abzuwarten. Meist wird sie vier Wochen vor Reisebeginn teurer“, erklärt Gerd Laatz, Geschäftsführer der Firma „tfr-Reisebüro“. Stornos unterscheiden sich extrem zwischen den Geschäftsbereichen, führt er aus: „Wir haben im Bereich der Firmenkunden ein anderes Reiseverhalten als beim Privatkunden.“ Während Privatkunden eher umbuchen oder stornieren, würden Geschäftsreisen weiterhin angetreten.

Der Coronavirus und die Reiselust am Obermain
Gerd Laatz, tfr-Geschäftsführer, wirft einen Blick auf die aktuellen Zahlen. Er rät den Urlaubern abzuwarten. Foto: Esther Schadt

Seit Mittwoch gilt Corona seitens der Weltgesundheitsorganisation als Pandemie. „Beim Großteil der Reiserücktritts-Versicherungen muss man die Stornokosten nun selbst tragen“, warnt Brun Valencia. Folgen von Pandemien seien durch die Verträge in der Regel nicht abgedeckt. Sei man selbst mit Corona infiziert, greife daher die Versicherung nicht mehr. Angst vor Corona sei ebenfalls kein triftiger Absagegrund einer Reise – zumindest für Versicherungen.

Reiselust der Franken bleibt

„Der Deutsche verreist extrem gerne. Wir sind sozusagen Weltmeister im Reisen“, meint Laatz. Er berichtet von einer geplanten Reise von Privatkunden nach Burma, die nach Einreisestopp abgesagt wurde. Daraufhin habe die Gruppe geschlossen verkündet, die Reise im Oktober zu machen. „Viele buchen im Vertrauen, dass sich alles wieder normalisiert“, bestätigt auch Brun Valencia.

„Die Reisegewohnheiten werden sich langfristig ändern. Nicht wegen Corona, sondern aus Gründen der Nachhaltigkeit“, fügt sie hinzu. „Kunden werden wahrscheinlich nicht mehr so oft und nicht mehr so weit fliegen“, vermutet Brun Valencia. Wer dennoch fliegen will, könne trotzdem zum Klimaschutz beitragen. Beispielsweise könne ein Beitrag nach der Flugreise an die Agentur „Atmosfair“ für Klimaschutz-Projekte gespendet werden.

Corona und die Zukunft der Reisebüro

Aber was bedeutet der Fall „Corona“ für die Reisebüros selbst? Gerd Laatz ist ein Branchenkenner. Entwickle sich Corona zu einer dauerhaften Krise, dann würde es zu massiven Einbrüchen führen. Und nicht nur in der Branche zu einem „Aussiebungsprozess“ kommen, meint er. Gerd Laatz überlegt derzeit, selbst in den Urlaub zu fahren. Als mögliche Ziele nennt er: „Überall hin, wo ich darf.“ Auch Tanja Brun Valencia lässt sich ihren Urlaub nicht nehmen: „Bald geht's auf eine Kanaren-Kreuzfahrt und im Juli nach Bulgarien.“

 

Von Esther Schadt

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