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Wort zur Besinnung von Anne Salzbrenner

Lichtenfels: Wort zur Besinnung
Pfarrerin Anne Salzbrenner Lichtenfels Foto: Steffen Huber

Wort zur Besinnung

„Ich bin meiner Frau unendlich dankbar für die Geburt unseres Kindes. Ich glaube, ich hätte das nicht ausgehalten.“ So sprach erst kürzlich ein junger Vater zu mir und strahlte dabei von einem Ohr zum anderen. Er war bei der Geburt seines Kindes dabei und hat erlebt, dass eine Geburt kein Waldspaziergang ist, selbst wenn sie ohne Komplikationen abläuft.

Er hat auch ein halbes Jahr nach der Geburt nicht vergessen, was da geschehen ist, obwohl seine Frau lächelnd abwinkte und nur meinte „Das ist vorbei.“ Ich schmunzelte und dachte: „Ja, so ist es.“ Frauen halten ganz ordentlich was aus, auch wenn man sie oft als schwaches Geschlecht bezeichnet.

Dass Frauen in unserer Welt Bedeutsames leisten und oft genug ungeheure Kräfte entwickeln, um an der Verbesserung der Welt tatkräftig mitzuarbeiten, wird mir jedes Jahr am Weltgebetstag der Frauen deutlich. Am ersten Freitag im März heißt es, informiert zu beten und das bedeutet, dass Frauen eines zum Teil fernen Landes einen Gottesdienst gestalten, der genauso in der ganzen Welt am ersten Märzwochenende gehalten wird.

Gestern waren es die Frauen aus Simbabwe, die diesen Gottesdienst gestaltet haben und wir Frauen hier in und um Lichtenfels haben diesen Gottesdienst in deren Sinne durchgeführt. Für mich ist es nicht zufällig, dass ihr Thema lautete: „Steh auf und geh!“ Die Frauen aus Simbabwe stehen auf, um die Konflikte, die sich oft aus den Widersprüchen von Tradition und Geschlechtergerechtigkeit ergeben, zusammen mit den Männern anzugehen. Hier sind sie uns Vorbild und regen auch uns an, darüber nachzudenken. Dass Weltgebetstag und Frauentag, der am Montag gefeiert wird, so nah beieinander liegen, finde ich dabei besonders sinnvoll. Die Bedeutung der Frauen in unserer Gesellschaft wahrzunehmen ist wichtig und urchristlich. „Wo wäre die Kirche Jesu Christi ohne die Frauen?“ Das Alte und das Neue Testament erzählen davon, ebenso wie die Geschichte von Judentum, Christentum und Islam, den abrahamitischen Religionen. Frauen haben zu allen Zeiten tatkräftig dazu beigetragen, dass nicht nur der Glaube an einen liebevollen und barmherzigen Gott weitergetragen wird.

Frauen haben sich für den Glauben mit ihrer ganzen Person eingesetzt für diese Liebe und Barmherzigkeit und für eine gerechtere Welt. Frauen entwickeln um der Gerechtigkeit willen ungeheure Kräfte. Dabei geht es nicht gegen die Männer, sondern für ein besseres Miteinander und ein menschlicheres Leben, das letztlich uns allen, Männern und Frauen, zu Gute kommt.

Unsere menschlichen Traditionen sind in der Regel aus gewissen Vorstellungen Einzelner entstanden und so oft sehr parteilich.

Dabei ist auch im Bezug auf die Geschlechter nicht mehr vom Gegenüber Mann und Frau die Rede, sondern von Abstufungen und das obwohl schon im Schöpfungsbericht deutlich wird, dass Menschen erkannten: Mann und Frau sind Geschöpfe Gottes, beides Ebenbilder des einen Gottes. Er hat sie geschaffen, weil einer allein nicht wirklich glücklich leben kann. Zum Ich gehört das Du, auch das Miteinander der Geschlechter, gleichberechtigt und ebenbürtig.

Anne Salzbrenner,

evangelsiche Pfarrein in licvhtenfels

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