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LICHTENFELS

Vortrag zum Klimawandel bei den Lichtenfelser Grünen

Vortrag zum Klimawandel bei den Lichtenfelser Grünen
Die Listenkandidaten der Grünen bedanken sich für einen gelungenen Vortrag(v.li.): Melanie Vonbrunn, Dr. Winfried Tiedge, Thomas Schnapp, Dr. Susann Freiburg, Valentin Motschmann, Mathias Söllner, Johannes Wagner, Benedikt Freiburg, Manuel Fiedler, Ilka Hochwart, Dr. Christine Schmidt. Foto: red

„Der vom Menschen verursachte Klimawandel ist in vollem Gang! Bedauerlicher Weise ist das noch nicht überall angekommen.“ Dies unterstrich die Kreistags- und Stadtratskandidatin der Grünen, Dr. Susann Freiburg, bei einem Vortragsabend, zu dem der Kreisverband ihrer Partei eingeladen hatte. Besonders den Anhängern der „alternativen Fakten“ und allen, die die Folgen des Klimawandels klein reden wollen, legte sie ans Herz, sich mit dem im Vortag des Kinderarztes Johannes Wagner unter dem Titel „Klimawandel und Gesundheit“ genannten Aussagen und Folgen zu befassen.

Der junge Kinderarzt ging in seinem Referat zunächst auf die Fakten ein. Aufgrund des zunehmenden Ausstoßes von klimaschädlichen Gasen wie Kohlendioxid, Methan und Lachgas erhöhe sich die globale Temperatur immer mehr, weltweit bislang etwa um 1,1 Grad Celsius. Das führe nicht nur zum Abschmelzen der Polkappen, vielmehr steige der Meeresspiegel auch wegen der mit einer höheren Temperatur einhergehenden größeren Ausdehnung des Wassers an. Der Jetstream, der für die Nordhalbkugel wetterbestimmend sei, verlangsame sich. Daher werde es in Zukunft vermehrt zu Extremwetterlagen kommen. Auch die Vegetationszonen verlagern sich.

Tropische Sommernächte setzen den Menschen zu

Die direkten Folgen des Klimawandels für unsere Gesundheit seien schon jetzt deutlich spürbar, betont der Mediziner. So seien 2018 in Deutschland etwa zehntausend Menschen aufgrund der Hitze gestorben. Insbesondere tropische Sommernächte würden den Menschen zusetzen. Darum seien die Aufnahmezahlen in Notaufnahmen und in psychiatrischen Kliniken bei diesen Wetterlagen höher. Es käme vermehrt zu Aggressionen und Suiziden. Zudem würden sich Herz- Kreislauferkrankungen verschlimmern, Wunden heilten schlechter. Atemwegserkrankungen nähmen zu, weil sich an heißen Tagen vermehrt bodennahes Ozon bildet.

Krankheiten sind auf dem Vormarsch

Schlecht für die Atemwege sei auch die verlängerte Pollensaison; es würde häufiger zu Asthma oder Heuschnupfen kommen. Neue, allergieauslösende Pflanzen, wie die Ambrosia könnten sich leichter ausbreiten. Wärmeres Meerwasser führe zu einer höheren Konzentration von bestimmten Bakterien. Schon jetzt gäbe es deutlich mehr bakterielle Infektionen von Badegästen an der Nord- und Ostsee. Auch vektorübertragene Krankheiten nähmen zu. Vektoren sind Organismen, die Krankheitserreger andere Lebewesen übertragen können, beispielsweise Zecken oder Stechmücken. Folglich würden Borreliose, Dengue-Fiber oder das Zika-Virus in Europa wieder eine Chance haben.

Die Hälfte der Landfläche könnte unbewohnbar werden

Nicht zu vernachlässigen seien die indirekten Folgen des Klimawandels, so Wagner: Aufgrund von Dürren werden die landwirtschaftlichen Erträgnisse zurückgehen.

Insbesondere in Afrika werde sich damit der Migrationsdruck verstärken. Ein weiteres Problem seien die Überflutungen. Man schätzt, dass bis 2050 etwa 150 Millionen Menschen ihre Heimat deswegen verlassen müssen. Wenn wir nicht endlich gegensteuern, wird sich unser Planet bis 2100, also in den nächsten 80 Jahren, um vier Grad Celsius erwärmen. Sollte es so weit kommen, wird die Hälfte der Landfläche der Erde unbewohnbar sein.

Was kann man dagegen tun?

Zunächst wies der Redner auf den 1992 in Rio angestoßenen Prozess der nachhaltigen Entwicklung hin. Allerdings sei Völkerrecht in der Regel nicht justiziabel und deshalb ein stumpfes Schwert. Auf europäischer wie nationaler Ebene müssten klimaschädliche Subventionen in den Bereichen der Luftfahrt, des Bauwesens und der Landwirtschaft endlich eingestellt werden. Kohlekraftwerke seien um 75 Prozent zurückzufahren und der Kohlenstoffdioxidausstoß endlich zu bepreisen. Auf kommunaler Ebene gelte es, grüne Verkehrskonzepte zu entwickeln, dezentrale Energieversorgung und Regionalvermarktung zu fördern sowie Grünflächenkonzepte und Flächenentsiegelungsprogramme aufzulegen.

In der anschließenden Diskussion war man sich darin einig, dass jeder einzelne bei sich selbst beginnen muss: Weniger Fleisch essen, Urlaub daheim machen, Fahrradfahren, Energie sparen, und Verantwortungsbewusstsein für Umwelt und Natur entwickeln. (red)

Johannes Wagner

Er arbeitet als Kinderarzt am Klinikum Coburg. Seit Beginn seines Studiums beschäftigt er sich mit den Einflüssen der Klimakrise auf die Gesundheit. Während eines zweijährigen Mandats als Jugenddelegierter für Nachhaltige Entwicklung bei den Vereinten Nationen hatte der die Möglichkeit an internationalen Verhandlungen teilzunehmen und mitzuerleben, wie schwer sich die Politik tut, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen und umzusetzen. Seitdem setzt er sich auf lokaler und nationaler Ebene für mehr Nachhaltigkeit ein und fordert vor allem eine stärkere Beteiligung von jungen Menschen in der aktuellen Debatte.
 

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