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COBURG / BAMBERG

„Jugend ohne Gott“ im Theater in Bamberg und Coburg

„Jugend ohne Gott“ im Theater in Bamberg und Coburg
Szenenbild aus „Jugend ohne Gott“. Die Aufführungen des ETA-Hoffmann-Theaters sind nahezu ausverkauft. Restkarten gibt es eventuell an der Abendkasse. Als Alternative bietet sich der Besuch einer Aufführung in der Reithalle Coburg an. Foto: ETA Hoffmann Theater Bamberg

Bedrückend aktuell sind die Inszenierungen von Ödön von Horváths (1901 bis 1938) Roman „Jugend ohne Gott“, die im März sowohl in Bamberg (Studio) als auch in Coburg (Reithalle) zur Aufführung gelangen. In der Domstadt führt Elsa-Sophie Jach (Jahrgang 1991) Regie, in Coburg wird Horváths Werk in einer Spielfassung von Kristo Šagor gegeben.

Eine zufällige Überschneidung, die in die Zeit passt, in der populistische Rattenfänger die Schlagzeilen bestimmen. Eine Überschneidung, die dem interessierten Theaterbesucher entgegenkommt. Schließlich sind die Aufführungen im Studio des ETA Hoffmann Theaters – Premiere ist am Freitag, 6. März – nahezu alle ausverkauft. Aktuell sind noch Karten für Dienstag, 17. März, verfügbar. Für die restlichen Aufführungen lassen sich eventuell noch Restkarten an der Abendkasse – ab eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn – ergattern. Für die Aufführungen des Landestheaters Coburg am 13. und 14. März – jeweils ab 20 Uhr in der Reithalle – sind aktuell noch Karten erhältlich.

„Jugend ohne Gott“ spielt im nationalsozialistischen Deutschland vor Kriegsbeginn, in der Zeit des aufkeimenden Faschismus. Eindringlich zeigt Horváth in seinem Roman, wie der Verlust eines Wertesystems und die Gleichschaltung der Jugend die demokratische Grundordnung gefährden und den Weg in den Faschismus bereiten. Es offenbart sich der schmale Grat zwischen schweigendem Beobachten und der eigenen Verantwortung, der zum Grat zwischen Gut und Böse wird. Kristo Šagor treibt die Entindividualisierung der Horváthschen Figuren in seiner temporeichen Erzählweise noch weiter. „Jugend ohne Gott“ ist hochaktuell in eine Zeit, in der antidemokratische Strömungen das Friedensprojekt „Europa“ bedrohen.

„Paradies – Fluten/Hungern/Spielen“ von Thomas Köck

Brandaktuell ist auch die Erstaufführung der Klimatrilogie „Paradies – Fluten/Hungern/Spielen“ von Thomas Köck, die am Samstag, 14. März, um 19.30 Uhr Premiere auf der Großen Bühne des Bamberger Theaters feiert. Es handelt sich um ein sprachgewaltiges Bühnenwerk über den Zustand der Welt im Spätkapitalismus. Thomas Köck beleuchtet die Migrationsströme und die Ausbeutung von Mensch und Natur vor historischem Hintergrund – mit beunruhigenden Erkenntnissen für das 21. Jahrhundert. Er wurde für sein Werk bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Am ETA Hoffmann Theater werden erstmals alle Teile der Klimatrilogie zusammen aufgeführt. Regie hat Cilli Drexel, 1975 in München geboren, die am ETA Hoffmann Theater bereits „Europa verteidigen“ von Konstantin Küspert und „Brand“ von Bettina Erasmy zur Uraufführung brachte.

„Der Glöckner von Notre Dame“ von Viktor Hugo

„Jugend ohne Gott“ im Theater in Bamberg und Coburg
Victor Hugos „Der Glöckner von Notre Dame“ wird vom Coburger Ballettensemble zur Musik Georges Bizets und Sergej Rachmaninows auf die Bühne gebracht. Foto: Landestheater Coburg

Premierenstimmung herrscht am 14. März (19.30 Uhr) auch im Großen Haus des Landestheaters Coburg. Ballettdirektor Mark McClain wird Victor Hugos „Der Glöckner von Notre Dame“ zu den berührenden und rauschhaften Klängen der Musik Georges Bizets und Sergej Rachmaninows auf die Bühne bringen.

„Das Fest“ von Thomas Vinterberg und Mogens Rukov

Aus dem Ruder laufende Familienfeiern sind ein gern verarbeitetes Thema auf Bühnen oder am Filmset. Meist komödiantisch angehaucht, Kalauer geschwängert und heiter anzusehen. Nicht so „Das Fest“, ein Schauspiel nach dem 1998 in Cannes ausgezeichneten, gleichnamigen Film von Thomas Vinterberg und Mogens Rukov, Deutsch von Renate Bleibtreu.

Es ist eine bedrückende, erschreckende – in aller Konsequenz sogar abstoßende – Wahrheit, die von Matthias Straub im Landestheater Coburg in Szene gesetzt wird. Es geht um den jahrelangen Missbrauch zweier Kinder durch den eigenen Vater, ans Tageslicht gebracht in der „Laudatio“ zum 60. Geburtstag des Täters. Hören mag das zwar niemand. Der Redner rennt gegen eine Wand des Schweigens und der Ignoranz. Bis ein Abschiedsbrief der missbrauchten Tochter die Wahrheit ans Tageslicht bringt. „Das Fest“ hat am Samstag, 28. März, 19.30 Uhr, Premiere.

Von Mathias H. Walther

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