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SCHWÜRBITZ

Lichtenfels ist bunt: 200 Demonstranten in Schwürbitz

Starkes Zeichen für Menschlichkeit und Toleranz: Mit wehenden Fahnen, Plakaten und Bannern zogen die Demonstranten durch Schwürbitz. Foto: MArkus Drossel

Rund 200 Demonstranten haben in Schwürbitz ein deutlich sichtbares Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Hass und für Toleranz, Menschlichkeit und Demokratie gesetzt. Anlass war ein „politischer Narrenabend“ der Alternative für Deutschland (AfD) im Gasthof „Zum Hirschen“.

Klare Kante: Susann Freiburg ist eine „Demokratieverteidiger*in“. Foto: Markus Drossel

„Lasst uns Lieder singen und Licht bringen eine dunkle Zeit“, forderte Lichtenfels‘ Pfarrerin Anne Salzbrenner die Leute zu Beginn an der evangelischen Kirche auf. Da man für das Bunte und das Miteinander stehe, solle es kein Trauermarsch sein, wohl aber ein deutliches Zeichen. „Es ist wichtig, Flagge zu zeigen für ein Miteinander und nicht für ein Gegeneinander. Wir zeigen, dass wir das Gedankengut aus längst vergangenen Tagen nicht brauchen. Und wir machen deutlich, dass wir menschenfeindliches Gedankengut ablehnen.“ Salzbrenner rief dazu auf, am 15. März zur Wahl zu gehen, denn: „Wer schweigt, stimmt zu. Wer den Mund hält, der braucht sich nicht wundern, wenn am nächsten Tag die Braunen vor der Tür stehen und ihm den Mund verbieten. Wir brauchen keine Braunen in den Stadt- und Gemeinderäten und auch nicht im Landkreis!“

Mit kirchlichen wie gesellschaftspolitischen Liedern sangen die Damen der „Frauenklänge“ gegen Intoleranz an. Foto: Markus Drossel

Auch Schneys Pfarrerin Tanja Vincent fand deutliche Worte und appellierte an den gesunden Menschenverstand. „Vielleicht fehlt ja nur ein eines einzelnen Menschen Stimme für den Frieden in der Welt?“, sagte sie am Ende einer Fabel. Mut machten Ereignisse wie jüngst im Münsteraner Fußballstadion, als ein Kicker rassistisch angegangen wurde, dann aber das Publikum half, den Pöbler zu überführen. Auch die 1000 Demonstranten in Kulmbach gegen die Thüringer Faschisten Björn Höcke stimmten sie zuversichtlich, genau so wie das Fest der Demokratie in Bamberg. „In unserer Gesellschaft hat Hetze keinen Platz. Überlassen wir diesen Leuten nicht die Deutung unserer Geschichte und auch nicht die aktuellen Ereignisse!“

„Lichtenfels ist bunt“: 200 Demonstranten in Schwürbitz
„Hass ist keine Meinung“, bekräftigt diese Demonstrationsteilnehmerin. Foto: Markus Drossel

Auch die Alternative für Deutschland hatte eine Demonstration angemeldet, mit der sie vor dem Gasthof aufwartete, dessen Wirtsleute zum wiederholten Male ihre Tore für Rechtspolemik geöffnet hatten. Die AfD-Demonstration bestand aus einer „Indianerin“ vor himmelblauem Zelt und einem Kameramann, der eifrig mit seinem Handy das Geschehen filmte. Genannte Squaw war AfD-Bezirksrätin Heike Kunzelmann, die Pfarrerin Anne Salzbrenner zurief: „Lassen Sie uns die Friedenspfeife rauchen und ins Gespräch kommen. Oder wollen Sie das Kriegsbeil ausgraben?“

Kein Bedarf an Dialog: singend an der „Indianerin“ vorbeigezogen

Die Schneyer Pfarrerin Tanja Vicent und ihre Kollegin Anne Salzbrenner aus Lichtenfels entzünden Friedenslichter. Foto: Markus Drossel

Die Geistliche ließ sich davon nicht beeindrucken, ebenso wenig die rund 200 Demonstrierenden. Singend zogen sie vorbei, zeigten ihre Plakate – und hatten so gar kein Interesse an einem Informationsaustausch.

Mit Kerzen, Lampen und Laternen setzten gut 200 Demonstranten ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Hass. Foto: Markus Drossel

Das war den Polizisten, die massiv vor Ort waren, nur recht. „Lasst uns singend vorbei gehen und sie links liegen“, hatte Salzbrenner geraten. Genau so geschah es auch.

„Lichtenfels ist bunt“: 200 Demonstranten in Schwürbitz
Auch eine „Oma gegen rechts“ beteiligte sich am Demonstrationszug in Schwürbitz. Foto: Markus Drossel

Erst wenige Tage vor dem „Narrenabend“ der AfD hatte das Bündnis „Lichtenfels ist bunt“ davon Wind bekommen und flugs eine Lichterprozession angemeldet. Diesem Aufruf folgten Abordnungen der (Lokal-)Politik, darunter Marktzeulns Bürgermeister Gregor Friedlein-Zech, ebenso wie Vertreter beider Konfessionen, Gewerkschaftler, Aktive Bürger, Naturschützer, Menschenrechtler – und auch Kreisbrandrat Timm Vogler, denn: „Auch wir Feuerwehren stellen uns gegen rechts!“ Der Chor „Frauenklänge“ sang zu Beginn, während des Zugs und auch bei der Schlussveranstaltung in der katholischen Kirche.

Demonstrationsleiterin Anne Salzbrenner, die Pfarrerin von Lichtenfels, sprach sich eindeutig gegen rechte Hetze aus. Foto: Markus Drossel
Diese Dame hatte das Motto Lichterzug sehr wörtlich genommen. Foto: Markus Drossel
„Lichtenfels ist bunt“: 200 Demonstranten in Schwürbitz
„Der Landkreis Lichtenfels ist bunt“ bekräftigten am Montagabend 200 Leute in Schwürbitz. Foto: Markus Drossel
„Lichtenfels ist bunt“: 200 Demonstranten in Schwürbitz
Bot Demonstrationsleiterin Anne Salzbrenner wahlweise Friedenspfeife oder Kriegsbeil an: AfD-Bezirksrätin Heike Kunzelmann, die sich als Indianerin vor den „Hirschen“ stellte. Foto: Markus Drossel
„Lichtenfels ist bunt“: 200 Demonstranten in Schwürbitz
Licht ins politische Dunkel bringen, das wollten auch diese beiden Damen. Foto: Markus Drossel
„Lichtenfels ist bunt“: 200 Demonstranten in Schwürbitz
Zahlreiche Polizisten, eine „Indianerin“ und ein AfD-Kameramann: Heike Kunzelmann suchte das Gespräch mit den Vorbeilaufenden, doch diese hatten daran so gar kein kein Interesse. Foto: Markus Drossel
„Lichtenfels ist bunt“: 200 Demonstranten in Schwürbitz
"Die Würde des Menschen ist unantastbae", findet dieser Senior. Foto: Markus Drossel
„Lichtenfels ist bunt“: 200 Demonstranten in Schwürbitz
Der Chor "Frauenklänge" begleitete den Demonstrationszug musikanlisch. Foto: Markus Drossel
„Lichtenfels ist bunt“: 200 Demonstranten in Schwürbitz
Der Lichterzug begann an der evangelischen Kirche und endete im katholischen Gotteshaus. Foto: Markus Drossel
„Lichtenfels ist bunt“: 200 Demonstranten in Schwürbitz
Dr. Arnt-Uwe Schille und Jürgen Spitzenberger (v. re.) wollten Licht ins Dunkel bringen. Foto: Markus Drossel
„Lichtenfels ist bunt“: 200 Demonstranten in Schwürbitz
Start war an der evangelischen Kirche, in der katholischen Kirche fand die Abschlusskundgebung statt. Foto: Markus Drossel
„Lichtenfels ist bunt“: 200 Demonstranten in Schwürbitz
Spontan gab es in der Herz-Jesu-Kirche sogar Begleitung an der Orgel. Foto: Markus Drossel
„Lichtenfels ist bunt“: 200 Demonstranten in Schwürbitz
Dass Rechtspolemik die Demokratie gefährdet, darüber waren sich die Demonstrierenden einig. Foto: Markus Drossel
„Lichtenfels ist bunt“: 200 Demonstranten in Schwürbitz
„Alles, was das Böse braucht, um zu triumphieren, ist das Schweigen der Menschen."“ - Dieses berühmte Zitat stammt von Kofi Annan, einst Generalsekretär der Vereinten Nationen. Foto: Markus Drossel
„Lichtenfels ist bunt“: 200 Demonstranten in Schwürbitz
Auch Gewerkschaftler stellten sich am Montagabend gegen Rechtsaußen. Foto: Markus Drossel

Von Markus Drossel

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