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LICHTENFELS

Viel Müll, viel Ärger: die Bäcker am Obermain zur Bonpflicht

Was für eine Menge an Kassenbons durch die neue Verordnung anfällt, zeigt die Verkäuferin in der Bäckerei Söllner in Lichtenfels. Foto: Lea Wagner

Seit dem 1. Januar landen nach Ladenschluss riesige Berge Kassenbons im Restmüll und werden verbrannt. Unsere Redaktion hat sich bei Bäckern im Umkreis Lichtenfels umgehört: Was halten sie von der Kassenbonpflicht? Was für Erfahrungen haben sie damit gemacht?

Alle Bäckereien sind sich einig: Die Kassenbonpflicht ergibt keinen Sinn.

„In den elektronischen Kassen ist eh alles gespeichert“, beschwert sich Johanna Kornitzky von der Bäckerei Söllner aus Lichtenfels.

Die Kassenbons werden ausgedruckt und wieder weggeschmissen, weil sie keiner braucht. Foto: Lea WAgner

Auch die Chefin Susanne Mayr von der Bäckerei Mayr aus Bad Staffelstein findet die neue Regelung sinnlos: „Der Kunde kann am Display der Kasse die Beträge überprüfen. Dafür braucht er nicht extra einen Kassenzettel.“

„Für die kleinen Bäckereien im ländlichen Raum ist das Gift.“
Dominic Stengel, Bäckerei Stengel, Michelau

Anlass für die Kassenbonpflicht war, Steuerbetrug vorzubeugen. Susanne Mayr findet das nicht richtig, weil alle Bäcker über einen Kamm geschert würden. „Jetzt beschuldigen Kunden fast täglich die Bäcker als Steuerhinterzieher, und dagegen müssen wir uns wehren. Es gibt sicherheitstechnische Kassen, die vom Finanzamt überprüft werden“, rechtfertigt sich die Chefin der Bäckerei Mayr.

Die meisten Käufer machen sich über die neue Verordnung lustig oder beschweren sich. „Manche Kunden zerknüllen den Bon und werfen ihn hinter die Theke“, erzählt Lorenz Sünkel von der Bäckerei Sünkel aus Michelau. „95 Prozent der Kunden verzichten auf einen Bon und finden ihn lästig“, sagt der Kreishandwerksmeister Mathias Söllner, der früher selbst Bäcker war.

Ein großes Problem sind auch die zusätzlichen Kosten, die durch die Anschaffung der Kassenbonrollen und die Entsorgung anfallen. Dominic Stengel, Chef der Bäckerei Stengel aus Michelau berichtet, dass die Bäckerei Kassenbonrollen für 900 Euro bestellt habe. „Für die kleinen Bäckereien im ländlichen Raum ist das Gift“, bemerkt er.

Nur die wenigsten Kunden nehmen einen Kassenbon. Foto: Lea Wagner

„Es werden deutlich mehr Papierrollen benötigt“, meint auch die Tochter des Chefs Gerhard Kreppel der Bäckerei Kreppel in Kleukheim. „Zuerst haben wir noch eine Kasse gehabt, an der man auswählen konnte, ob man den Bon drucken möchte, jetzt wird er automatisch ausgedruckt. Die Filialen, die noch keine Kassen mit automatischem Bonausdruck haben, müssen sich bis Ende des Jahres eine angeschafft haben“, erläutert sie.

Die Umwelt leidet unter der neuen Verordnung

Auch die Umwelt kommt durch die neue Verordnung nicht ohne Schaden davon. „Auf der einen Seite sollen wir Pappbecher einsparen, und auf der anderen Seite Kassenbons ausdrucken“, beschwert sich Johanna Kornitzky. Auch Lorenz Sünkel findet die Pflicht widersprüchlich: „Erst wird geschaut, dass so viele Bäume wie möglich gepflanzt werden, und jetzt werden 400 Bäume gefällt, sodass wir Kassenbons ausdrucken können.“

Jeden Tag landen riesige Mengen Kassenbons im Restmüll. Foto: Lea Wagner

Das gesundheitsschädliche Bisphenol A, das in den Kassenbons enthalten ist, macht Johanna Kornitzky auch Sorgen: „Es gibt auch neue Kassenzettel ohne Bisphenol, aber die sind dann natürlich teurer.“ „Wir sehen jeden Tag, was wir wegschmeißen“, sagt Mathias Söllner.

„Keiner nimmt die Bons mit, es entsteht unnötiger Abfall, Kunden beschweren sich, und es entstehen mehr Kosten“, so resümiert Dominic Stengel von der Bäckerei Stengel das Problem der neuen Kassenbonverordnung.

 

Von Lea Wagner

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