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BURGKUNSTADT

Baur-Gruppe verdoppelt das Umsatzwachstum

Premiere beim Baur-Neujahrsempfang: Mit einer Modenschau präsentierten Baur-Mitarbeiterinnen die neue Kollektion der Hausmarke Aniston. Foto: Gerhard Herrmann

Mit einer Verdoppellung des Umsatzwachstums auf zwei bis drei Prozent und einem neuen Logistikstandort hat Patrick Boos in seinem ersten Jahr als Vorsitzender der Baur-Geschäftsführer Zeichen gesetzt. Für die gute Nachricht, dass die Baur-Gruppe sich als größte Arbeitgeber der Region in allen Geschäftsbereichen positiv entwickelt, erhielt er beim traditionellen Neujahrsempfang in Kloster Banz viel Beifall.

Gruppenbild mit Dame (v. re.): die Baur-Geschäftsführer Olaf Röhr und Hans-Christian Müller, der Vorsitzende der Geschäftsführung Patrick Boos, Ministerin Judith Gerlach, Otto-Vorstand Michael Ackermann, Kuratoriumsvorsitzender Georg von Waldenfels und Landrat Christian Meißner Foto: Gerhard Herrmann

Begeistert waren die Ehrengäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft auch von einer Premiere: Mit einer Modenschau präsentierten Mitarbeiterinnen die neuen Modelle der Baur-Hausmarke Aniston. Sogar Personalchefin Sabine Kratochwil schwebte zu den schwungvollen Rhythmen des Chors „The Young ClassX“ über den Laufsteg. Für diesen starken Auftritt überreichte Patrick Boos den Models weiße Rosen. Die Modenschau sei ein Zeichen für die hohe Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen, und dieser „Baur-Spirit“ ermögliche den wirtschaftlichen Erfolg erst, betonte Boos.

„Digitalisierung ist keine Bedrohung, sondern birgt vielfältige Chancen für eine Dynamik in Wirtschaft und Gesellschaft.“
Patrick Boos, Vorsitzender der Geschäftsführung
Weiße Rosen überreichte Baur-Chef Patrick Boos an die Mitarbeiterinnen, die mit einer Modenschau den Neujahrsempfang bereicherten. Foto: Gerhard Herrmann

Trotz der zunehmenden Konkurrenz im Online-Handel wachse die Baur-Gruppe profitabel, sagte Patrick Boos. Eine Steigerung des Nettoumsatzes auf 830 Millionen Euro (Vorjahr: 817 Millionen Euro) erwartet er für das noch bis Ende Februar laufende Geschäftsjahr. „Beim Ergebnis stehen wir vor einer Punktlandung. Ich würde darauf wetten, dass wir das Planungsziel sogar übertreffen“, sagte er im Gespräch mit dieser Redaktion.

Von diesem Erfolg profitiere auch die Region durch Aufträge und Arbeitsplätze. So wurden im vergangenen Jahr 150 neue Arbeitsplätze geschaffen. Damit beschäftigt die Baur-Gruppe insgesamt 4353 Mitarbeiter, davon 3900 in der Region. Seit 2016 wurden mehr als 550 Arbeitsplätze geschaffen, erklärte Boos unter Beifall.

Mit schwungvollen Songs sorgten „The Young ClassX“ für Stimmung. Foto: Gerhard Herrmann

Das Erfolgskonzept der Baur-Gruppe sei die Digitalisierung und der ständige Wandel in allen Geschäftsmodellen, um im Wettbewerb bestehen zu können. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die weitergehende Digitalisierung ungeahnte Produktivitäts- und Wachstumskräfte entfesseln wird“, betonte der Baur-Chef. „Sie ist keine Bedrohung, sondern birgt vielfältige Chancen für eine Dynamik in Wirtschaft und Gesellschaft.“ Von der Politik erwarte er dabei Unterstützung durch Investitionen in Bildung, Digitalisierung und Infrastruktur.

Freundlicher Empfang für Digitalministerin Judith Gerlach (v. re.): Baur-Chef Patrick Boos, Kuratoriumsvorsitzender Georg Waldenfels von der Friedrich-Baur-Stiftung und Otto-Vorstand Dr. Michael Ackermann. Foto: Gerhard Herrmann

Trotz der abklingenden Konjunktur profitiere die Baur-Gruppe von der anhaltenden Kauflaune der Verbraucher. Allerdings gerate der Onlineshop baur.de als Flaggschiff durch die zunehmende „Amazonisierung“ und Preiskampf von mehreren Seiten unter Druck. Während das Weihnachtsgeschäft hervorragend gelaufen sei, waren die Bestellungen im Sommer schwächer, so dass das Ergebnis knapp unter dem Umsatzplan geblieben sei. Während das Möbel- und Technikgeschäft gut laufe, schwächele ausgerechnet das Kerngeschäft Mode wegen des Konkurrenzdrucks durch Billiganbieter. Baur werde dennoch weiterhin auf Qualität im mittleren Preissegment setzen und alles daransetzen, die Kundenzufriedenheit durch eine neue Startseite, ein neues Online-Kundenmagin und Online-Bezahlmöglichkeiten zu steigern.

Weil das stürmische Wachstum der österreichischen Tochter Unito nach zehn Jahren nachlasse, werde man sich künftig auf die Märkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz konzentrieren und sich aus den Aktivitäten in Tschechien, der Slowakei und Ungarn zurückziehen.

Bis zu 500 Arbeitsplätze in neuem Verteilzentrum in Sonnefeld

Premiere beim Baur-Neujahrsempfang: Mit einer Modenschau präsentierten Baur-Mitarbeiterinnen die neue Kollektion der Hausmarke Aniston. Foto: Gerhard Herrmann

Ein Rekordergebnis habe das Dienstleistungsgeschäft mit der Baur-Logistik und Baur Fulfillment Solutions (BFS) erzielt, wo es gelungen sei, das schnell wachsende Versandgeschäft des neuen Kunden About You (Mode- und Technologieanbieter aus Hamburg) am Standort in Altenkunstadt komplett abzuwickeln. Die bisher in Altenkunstadt bearbeiteten Pakete für die Otto Group werden ab Mitte März an einem zusätzlichen Standort in Sonnefeld abgewickelt. Dafür investiert Baur rund 17 Millionen Euro. Bis Jahresende sollen von Sonnefeld aus rund 25 Millionen Artikel verschickt werden, im nächsten Jahr 40 Millionen. Die Zahl der Mitarbeiter dort soll von anfangs 150 auf rund 500 erhöht werden.

Über Digitalisierung sprach Staatsministerin Judith Gerlach beim Baur-Neujahrsempfang. Foto: Gerhard Herrmann

„Die Leistung der Baur-Gruppe als wichtiger Pfeiler des deutschen Versandhandels ist angesichts von Weltunternehmen wie Amazon und Alibaba nicht hoch genug einzuschätzen“, erklärte Digitalministerin Judith Gerlach in ihrer Rede als Ehrengast. Baur sei ein gelungenes Beispiel für digitale Transformation. Weil Daten „das Gold des 21. Jahrhunderts“ seien, müsse der Staat dafür sorgen, dass alle Unternehmen, die sie nutzen, gleiche Wettbewerbsbedingungen haben. „Es darf nicht sein, dass sich global agierende Konzerne über europäisches Recht hinwegsetzen“, betonte sie. Neben den Datenschutzrichtlinien auf europäischer Ebene setze der Freistaat Bayern darauf, durch Förderung wie den Digitalbonus neue Unternehmen zu unterstützen.

Alle Mitarbeiter werden digital geschult

Sogar Personalchefin Sabine Kratochwil wagte sich auf den Catwalk. Foto: Gerhard Herrmann

Datenschutz sei sinnvoll, doch müssten die Gesetzgeber darauf achten, dass neue Richtlinien wie das Verbot von Trakking ohne Einwilligung nicht den Wettbewerb zu Lasten von kleineren Unternehmen verzerrten, mahnte Dr. Markus Ackermann, im Otto-Vorstand zuständig für die Baur-Gruppe. „Bei Google gibt jeder die Einwilligung, bei Baur nicht unbedingt“, gab er zu bedenken. Um die Belegschaft fit für die digitale Zukunft zu machen, werden alle Mitarbeiter eigens geschult. Auch Patrick Boos hat das Training bereits absolviert und dabei den vierten Platz erreicht, wie er berichtet.

Das Geschäftsjahr 2019/20

Netto-Umsatz: mehr als 830 Millionen Euro (Vorjahr: 817 Millionen Euro).

Mitarbeiter: 4353, davon 3900 in Oberfranken (Vorjahr: 4200, davon 3800 in Oberfranken).

Die Baur-Gruppe gehört zur Otto Group. Der Unternehmensverbund konzentriert sich auf den Online-Handel und handelsnahe Dienstleistungen. Kernunternehmen ist Baur mit dem Onlineshop www.baur.de.

Von Gerhard Herrmann

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