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LICHTENFELS

Eine Wärmeflasche von Igel-Mama Marion Damm

Eine Wärmeflasche von Igel-Mama Marion Damm
Dieser kleine, unterernährte Igel ist in bester Obhut. Er muss sich noch viele Kalorien einverleiben, um den Winterschlaf in dem ehemaligen Kuhstall im kuscheligen Heuhaufen antreten zu können. Foto: Christa Schröder

Die Igel hatten es heuer besonders schwer, bei der extremen Hitze und Trockenheit im Sommer Nahrung zu finden. So sind die Regenwürmer in den tiefen Bodenschichten geblieben. Igelmütter mussten weite Strecken laufen, um Wasser und auch Nahrung für sich und ihren Nachwuchs zu finden. Erst im Herbst nach dem Einsetzen von mehr Feuchtigkeit gab es bessere Chancen zum Überleben. Es sind immer noch einige spät geborene kleine Igel unterwegs.

Eine Wärmeflasche von Igel-Mama Marion Damm
Dieser kleine, unterernährte Igel ist in bester Obhut. Er muss sich noch viele Kalorien einverleiben, um den Winterschlaf in dem ehemaligen Kuhstall im kuscheligen Heuhaufen antreten zu können. Foto: Christa Schröder
Zum Glück gibt es im Landkreis Lichtenfels eine sehr engagierte Tierfreundin, die geschwächte Igel aufnimmt und über den Winter bringt. Seit vielen Jahren gilt Marion Damm als versierte Igelkennerin. Das hat sich bei Naturfreunden immer mehr herumgesprochen. „Momentan habe ich 13 Tiere zwischen 290 und 390 Gramm in Pflege. Eigentlich sollten sie mindestens 500 Gramm wiegen, um einen Winterschlaf zu überleben. Nur drei der Igelpfleglinge schlafen erst. Aber auch diese können immer wieder aufwachen. In Räumen schlafen Igel nämlich unruhiger, als in der freien Natur“, so Marion Damm, die 1. Vorsitzende für Vogelschutz der Kreisgruppe Lichtenfels.

Sie hat die Tiere im ehemaligen geräumigen Kuhstall des bäuerlichen Anwesens ihres Bruders untergebracht. „Das ist ein idealer Raum für meine Igel. Diese sind alle einzeln untergebracht, damit man die Futteraufnahme besser beobachten und Krankheiten leichter erkennen kann. So hat jeder Igel quasi ein Wohnzimmer, in dem er Fressen und sich bewegen kann.

Eine Wärmeflasche von Igel-Mama Marion Damm
Marion Damm pflegt ein unternährtes Igelkind im ehemaligen Kuhstall in Neudorf. Foto: Christa Schröder
Das „Schlafzimmer“ besteht aus einem trockenen Haufen aus Heu, in dem sich der Igel seine Höhle baut. „Auch zerknülltes Zeitungspapier kann als Alternative genommen werden“, erklärt Marion Damm.

Für die Betreuung der gebrachten Igelchen brauche ich jeden Tag bis 1,5 Stunden. Das beinhaltet die laufende Reinigung der Futterplätze und Fressnäpfe so wie das Auslegen von Tageszeitungen ohne Glanzpapier auf dem Boden des „Wohnzimmers“, die Kontrolle der Nahrungsaufnahme und die Untersuchung des Kotes.

„Ich biete meinen kleinen Pfleglingen verschiedene Nahrung an wie Katzennass- und Katzentrockenfutter mit viel Fleischanteil, so wie Igeltrockenfutter, welches auch Mehlwürmer und Insekten enthält. Diese Nahrung ist also sehr eiweißreich. Außerdem nehmen die Tiere gerne gegartes Rinderhackfleisch an, das aber unbedingt ohne Fette und Gewürze angerichtet werden soll. Manche Igel haben auch gern mal ein Hühnerei als Leckerbissen zwischendurch. Einige Tiere brauchen in den ersten Tagen sogar eine Wärmflasche in ihrer Höhle, wenn sie ausgekühlt gebracht werden“, erläutert die große Idealistin.

Eine Wärmeflasche von Igel-Mama Marion Damm
Mario Damm hat einen Hasenstall so hergerichtet, dass ein Igel darin artgerecht den Winter verbringen kann. Ein Durchlass ermöglicht die Wanderung vom "Wohnzimmer" ins "Schlafzimmer " mit Heuhaufen. Foto: Christa Schröder
Wenn die Igel im Stall im Frühjahr aufwachen, werden sie nach Möglichkeit in der Umgebung ausgesetzt, wo sie gefunden wurden. Das sei wichtig, da die Tiere sehr ortstreu sind, so Marion Damm. Über jeden der Pfleglinge mache sie Aufzeichnungen. Einige Tage nach der Freilassung sollte noch Futter in der Nähe des Ortes bereit gestellt werden, bis der Igel sich selbständig ernähren kann“, sagt Marion Damm.

Igel seien keine Schmusetiere. Sie würden es nicht mögen, gestreichelt zu werden. Man solle sie nicht ohne Grund aus der Natur, und somit aus ihrem Lebensraum, entnehmen, wenn sie nicht unbedingt Hilfe benötigten, so die Igelmutter. Igel ständen nämlich unter strengen Artenschutz, so die engagierte Naturschützerin. Gerne sei sie auch weiterhin bereit, mit Rat und Tat besorgte Tierfreunde zu unterstützen. Mit der Aufnahme eines Igels sei eine große Verantwortung verbunden.

Oft seien die Pfleglinge krank und müssten zum Tierarzt. Dieser würde die richtigen Mittel wie zum Entwurmen oder zur Bekämpfung von Flöhen empfehlen. Manche Mittel, die frei verkäuflich im Handel sind, können für den Igel oft wenig verträglich sein.

Von Christa Schröder

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