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Der Hundertjährige Kalender über den Januar 2020

Der Hundertjährige Kalender über den Januar 2020
Neujahrs-Postkarte aus dem Jahr 1920 Foto: Repro: Andreas Motschamnn

2020: von der Jahreszahl her ein besonderes Jahr. Wie stellten wir uns vor 50, 40 oder 30 Jahren die Welt im Jahr 2020 vor? Was hat sich in unserem Gottesgarten am Obermain in den vergangenen Jahrzehnten verändert, was ist geblieben? Beim Anblick alter Fotos sind am auffälligsten die Einschneidungen durch neue Verkehrswege. In den Erinnerungen bleibt oft nur Persönliches hängen.

In den vergangenen Jahrhunderten gab es Hungersnöte im Januar

War das Leben in der „guten alten Zeit“ wirklich so angenehm, wie es oft beschworen wird? Das Leben auf dem Land war von harter Arbeit und im Januar oft von Hunger geprägt. Mehrere Berichte aus den vergangenen Jahrhunderten schildern Hungersnöte unserer Gegend. Nach Ende des Ersten Weltkriegs fanden viele Frauen keinen Partner; die Männer waren aus dem Krieg nicht mehr heimgekommen. Auf der ungewöhnlichen Neujahrspostkarte aus dem Jahr 1920 ist dies zu sehen. Auch aus dem Obermaingebiet wanderten vor 100 Jahren etliche Frauen nach Amerika aus, um dort eine Familie zu gründen.

Vor erst 80 Jahren erlebten die Menschen am Obermain den ersten Kriegswinter im 2. Weltkrieg. Die Kriegsnachrichten ließen die Wettermeldungen in den Hintergrund treten, obwohl es in unserer Region und überall in Europa eine große Kältewelle gab. Bis zu 40 Grad wurden in den Nächten registriert. Sämtliche Flüsse waren zugefroren, der Schiffsverkehr war lahmgelegt. Auf der Donau schwammen Eisblöcke.

Sieben Jahre später das gleiche Bild. Im Januar 1947 traf es unsere heimische Bevölkerung erneut schwer. Es gab den kältesten Winter des vergangenen Jahrhunderts. Mit eisigen Temperaturen gab es zu dieser düsteren Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auffallend mehr Krankheiten wie Lungen- und Rippenfellentzündungen oder schwere Erfrierungen. In vielen Häusern waren die Wände von Eis überzogen; Heizmaterial war knapp.

Alte deutsche Namen für den Januar sind „Hartung“, „Eismonat“ und „Wintermonat“. Zwei Faktoren sprechen für einen eiskalten Start in 2020. Das Wetter blieb bis Weihnachten mild und die Sonne beeinflusst die Atmosphäre. Die Aktivität der Sonne schwankt in einem Zyklus von elf Jahren. Jetzt werden besonders wenige Sonnenflecken gemessen und wir erleben ein solares Minimum. Das bedeutet: Das Wetter im Winter wird kälter.

Hundertjähriger Kalender verspricht grimmige Kälte

Der Hundertjährige Kalender lag im Dezember mit seinen Prognosen zum Teil daneben. Sie sind diesmal für den Januar kurz, aber heftig. Bis zum 29. Januar erwartet uns grimmige Kälte, kein Regen, kein Schnee, kein Windhauch. Erst an den letzten beiden Tagen soll es milder werden. Wind kommt auf und Nieselregen. Nach dem Hundertjährigem Kalender ist der Mond 2020 wieder im Siebenjahreszyklus an der Reihe.

Wer nie eine Halbschattenfinsternis des Mondes gesehen hat, sollte die Gelegenheit dazu bei einer kalten und hoffentlich klaren Nacht nutzen. Sie findet beobachtungsfreundlich am Freitagabend, den 10. Januar statt. Für mehr als zwei Stunden ist dann mit bloßen Auge ein leichter grauer Schatten des Mondes sichtbar. Der Mond verdunkelt sich am stärksten kurz nach 20 Uhr.

Bauernregeln im Januar

Die Prognosen des Hundertjährigen Kalenders halten passende Wetterregeln zum wochenlangen kalten, aber sonnigen Winterwetter parat. „Am Neujahrstage Sonnenschein lässt das Jahr uns fruchtbar sein.“ Oder „Ist Dreikönig hell und klar, gibt?s guten Wein im neuen Jahr.“ Oft sind die Namenstage einiger Heiliger für die Vorhersage wichtig: „An Fabian und Sebastian (20.) fängst der Saft zu gehen an.“ Den gleichen Spruch finden wir einen Tag später, am Namenstag der Heilige Agnes. Sie ist die Patronin der Kinder, der Verlobten und der Gärtner: „Wenn Agnes (21.) und Vinzenz (22.) kommen, wird neuer Saft im Baum vernommen.“

Allgemein wurde „a gscheida Keld“ im Januar recht positiv bewertet: „Januar muss vor Kälte knacken, wenn die Ernte soll gut sacken“ und „Ist der Januar hell und weiß, wird der Sommer sicher heiß“ oder in unserer Mundart: „Auf an gscheidn Winde kummd a gscheide Summe!“ Bauern haben nichts gegen einen kalten Januar, vor allem, wenn eine dicke Schneedecke auf den Feldern liegt: „Je frostiger der Januar, so freudiger das ganze Jahr.“

Futterhäuschen im Garten aufstellen?

Bei wochenlanger Kälte fragen wir uns: Futterhäuschen im Garten ja oder nein? Der Naturschutzbund Deutschland sagt, im Winter sei eine zusätzliche Fütterung angebracht. Bei Frost und Schnee verbrauchten die Tiere viel Energie, ihre Körpertemperatur sei aufrechtzuerhalten. Wichtig ist dabei: Wer mit dem Füttern beginnt, sollte es konsequent täglich bis zum Ende des Winters tun. Die Vögel verlassen sich auf ihre Futterplätze, sie könnten sonst in kürzester Zeit verhungern.

Gedicht

Januar

A guuds

neus Joah

babbd nuch

zwische die Finge.

Obe nouch die

Dreiköönichs-Schdärk

is nümme

vill droo.

Dä gleich Zirgus

wie fäädn

gedd edzed

widde oo.

Blueß die

junga Kolenne

schdazzn sich dabbed.

Josef Motschmann

Von Andreas Motschmann

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