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KLOSTERLANGHEIM

Auf den Spuren von 600 Jahren Trieber Klosterzeit

Auf den Spuren von 600 Jahren Trieber Klosterzeit
Bezirksheimatpfleger Günther Dippold führte seine Zuhörer im Innenhof der „Langheimschen Hofmeisterei“ in Trieb in die Vergangenheit zurück. Foto: Corinna Tübel

Was einst als Geschenk für das nahe Kloster Langheim galt, entpuppte sich bald als Schatz: Trieb mit seiner großen Gutswirtschaft und vielen kleinen zugeordneten kleinbäuerlichen Anwesen war für die Wirtschaft der damaligen Abtei sehr wichtig. Auf den Spuren einer rund 600 Jahre dauernden Epoche führte am Samstag Nachmittag Bezirksheimatpfleger Dr. Günter Dippold im Auftrag des CHW (Colloqium Historicum Wirsbergense) durch die Straßen.

294 Vereinsmitglieder, Trieber und andere Geschichtsinteressierte waren gekommen. Sie lauschten etwa den Hintergründen zur bekannten Karolinenhöhe, die schon im 18. Jahrhundert auf Grund ihrer Lage an der Hauptverkehrsstraße von Lichtenfels Richtung Norden ein Gasthaus beherbergte. „Wie eine Fernfahrerkneipe“, schmunzelt Dr. Günther Dippold. Auch ein Schmied habe sich dort entlang angesiedelt. Über die später erbaute Schule und Kirche gelangte die Truppe bei eisigen Temperaturen in den Berghof, damals die „Langheimsche Hofmeisterei“.

Ein Hofmeister für die Verwaltung in Trieb

Auf den Spuren von 600 Jahren Trieber Klosterzeit
Die Rekordzahl von 294 wurde bei der CHW-Exkursion in Trieb gezählt. Foto: Corinna Tübel

Das beeindruckende Gebäude vermittelt einerseits barockes Flair, weist aber auch einige Elemente der Renaissance auf. Dort residierte ein klösterlicher Hofmeister, zumeist ein verdienter, meist älterlicher Mönch und wies eine kleine Schar von Knechten und Mägden bei der Viehzucht, Schäferei und Fischerei an. Er organisierte den Betrieb und teilte die Fröner ein, den Rückgrat des Klosterhofs. Rechenschaft musste dieser nur vage abgeben, so ist es wahrscheinlich, dass dieser Familie und Verwandtschaft oftmals begünstigt hat, weiß der Bezirksheimatpfleger.

Die Mönche des Klosters Langheim kamen nur selten nach Trieb, beispielsweise in den sogennanten „Aderlaß-Ferien“. Zweimal im Jahr für circa vier Tage ließen sich die Mönche „zur Ader“ und erholten sich anschließend dort, „von allen Verpflichtungen zum Chorgebet befreit“, so die Quellen. Der Hofmeister galt weiterhin als „Ortsgeistlicher“, das die Pfarrei Isling weit entfernt lag.

Auf dem weitläufigen Areal war überdies eine Brauerei untergebracht, die beispielsweise zwischen November 1740 und April 1741, außerhalb der Wallfahrtssaison, allein 65 Hektoliter Bier nach Vierzehnheiligen lieferte, verraten die Quellen.

Nach der Auflösung des Klosters Landgheim 1803 und der späteren Säkularisation wurde der große Grundbesitz in vier Höfe zerschlagen. Der heutige „Berghof“ ging über Umwege 1867 in die Familie Benecke über, deren Nachfahren bis heute das Gut bewohnen. Ihr sind viele frühe moderne Entwicklungen in der Landwirtschaft, wie etwa eines der ersten Silos in Oberfranken um die Jahrhundertwende, zu verdanken.

Geheime Wendeltreppe im „Schlösschen“

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Was wenige wissen: Das „Schlösschen“ in Trieb besitzt eine geheime Wendeltreppe - erbaut zur Zeiten des Klosters Langheim. Foto: Corinna Tübel

Das andere „Prachtgebäude“ in Trieb ist das „Schlösschen“. Gebaut 1723/24 wurde es als repärsentativer Sommersitz der Landgheimer Äbte genutzt. Ein zugehöriges „Spaziergärtlein“, umrahmt von tiefen Wassergräben und mit einer geheimen Wendeltreppe, um vor jedem unvermuteten Überfall geschützt zu sein gilt dieses Gebäude samt seinem Grundstück als „Vorzeigeobjekt“ - bis heute. Oft wechselte das kleine Gut den Besitzer, ehe es 1902 ebenfalls in den Besitz des Walter Benecke überging.

Auch die Geschichte des Ortes Triebs und seine Verbundenheit mit dem Kloster ist spürbar geprägt vom Bestreben des Klosters Langheim reichsunmittelbar zu werden, das heißt sich aus der Herrschaft der Bamberger Fürstbischöfe zu lösen. So wurden für viele Bauwerke etwa Coburger Baumeister beauftragt.

Der unterhaltsame Spaziergang führte auch an Sölden und Tropfhäusern vorbei, in denen auch Mitte des 19. Jahrhunderts noch viele Bauern oder Taglöhner wohnten.

Ein beeindruckender und ungewöhnlicher Bau

Beinahe am Ende stand die Station „Nassanger“, ebenfalls ein Bau unter dem Langheimer Abt Gallus Knauer, heute ebenfalls in Privatbesitz. Ein ringförmiger Grundriss, darauf ein landwirtschaftlicher Großbetrieb mit einem breiten Wassergraben umgeben - „sehenswürdig [...], weil dergleichen nirgend angetroffen und für einen besonderen Einfall eines Archtitecten gehalten wird“, zitiert Dr. Günther Dippold aus den Quellen. Der Ruhm kommt dem Baumeister Leonhard Dientzenhofer zuteil.

Der 67. Vortrag der CHW endete gemütlich im Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Trieb bei Getränken und kleinem Schmauß.

Weitere Informationen und das Programm des Colloqium Historicum Wirsbergense gibt es hier.

Von Corinna Tübel

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