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BAMBERG / COBURG

Märchenhafte Zeiten in den Theatern in Bamberg und Coburg

Märchenhafte Zeiten in den Theatern in Bamberg und Coburg
Die wohl tierischste Musikantentruppe steht im Mittelpunkt des diesjährigen Weihnachtsmärchens am Landestheater Coburg. „Die Bremer Stadtmusikanten“ haben am 24. November Premiere. Foto: Landestheater Coburg

Auf sechs Premieren können sich Theaterfreunde im November freuen. Und der erweiterten Vorweihnachtszeit entsprechend geht es sowohl in Bamberg als auch in Coburg märchenhaft zu.

„Die Schneekönigin“ nach Hans Christian Andersen

Den Auftakt macht das ETA Hoffmann Theater am Samstag, 16. November, auf der großen Bühne mit der „Schneekönigin“ nach Hans Christian Andersen. Das Weihnachtsmärchen – inszeniert von der freiberuflichen Regisseurin Kathleen Draeger-Ostermeier – erzählt poetisch und fantasievoll vom Glauben an die Freundschaft, von Mitgefühl selbst ungerechten Menschen gegenüber sowie von der Entdeckung fremder Welten und ist für Besucher ab fünf Jahren geeignet. Also eine bildreiche Geschichte für die ganze Familie.

„Die Bremer Stadtmusikanten“ nach dem Märchen der Gebrüder Grimm

Im Landestheater Coburg beginnt der Weihnachts-Märchen-Marathon am Sonntag, 24. November, um 15 Uhr mit der Premiere des Familienstücks „Die Bremer Stadtmusikanten“ nach dem Märchen der Gebrüder Grimm. In Szene gesetzt wird die bekannte Geschichte um die wohl tierischste Musikantentruppe von Philipp Löhle unter der musikalischen Leitung von Thomas Esser. Philipp Löhle gehört zu den renommiertesten deutschsprachigen Autoren. Mehr als 40 Aufführungen sind bis in den Januar 2020 geplant. Was sicherlich machbar ist, denn die Theaterversion der Bremer Stadtmusikanten ist – inklusive Pause – auf etwa eine Stunde und 30 Minuten ausgelegt.

„Die Fledermaus“ von Johann Strauß

Ebenfalls im Großen Haus des Landestheaters Coburg ist am Samstag, 9. November, Premiere der komischen Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauß. Die wohl berühmteste Wiener Operette von Johann Strauß steckt voller Champagnerlaune, sprudelnder Ironie und musikalischer Einfälle. Den Text haben Karl Haffner und Richard Genée nach der Komödie „Le Réveillon“ von Ludovic Halévy und Henri Meilhac beigesteuert. Evergreens wie „Mein Herr Marquis“ oder „Glücklich ist, wer vergisst“ begeistern nach wie vor das Publikum, ebenso wie das bekannte Uhren-Duett. Bei aller Komik wird zugleich die Doppelmoral einer vergnügungssüchtigen bürgerlichen Gesellschaft schonungslos entlarvt.

„Extrawurst“ von Dietmar Jakobs und Moritz Netenjakob

Und welche Fallstricke im gesellschaftlichen Miteinander lauern, lässt sich nirgendwo so trefflich erleben wie bei einer Vereinssitzung. So etwa bei der Mitgliederversammlung eines Tennisclubs in der Provinz. Sie findet erstmal s am Freitag, 22. November, um 20 Uhr in der Coburger Reithalle statt. Titel der Komödie von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob ist die „Extrawurst“.

Genau um die geht es bei einer zunehmend hitzigen Diskussion um die Neuanschaffung eines Vereinsgrills. Da streiten Vegetarier gegen Bratwurstesser, Atheisten gegen mehr oder weniger gläubige Christen und Muslime. Und ein harmloses gemischtes Doppel wird schnell als Indiz für einen Seitensprung gewertet. Kurzum: Das friedliche Miteinander im Tennisclub gerät in eine bedenkliche Schieflage. Pointensicher inszeniert das Autorenduo Jacobs und Netenjakob in der Komödie „Extrawurst“ einen vereinsinternen Kulturkampf in Sachen korrekter Umgang mit Minderheiten und/oder Andersgläubigen. Je länger die Vereinsmitglieder debattieren, in umso mehr Fettnäpfchen tappen sie,

„Sieben Nächte“ von Simon Strauß

Ebenfalls am 22. November hat im Studio des Bamberger ETA Hoffmann Theaters „Sieben Nächte“ von Simon Strauß in einer Bearbeitung von Remsi Al Khalisi und Victoria Weich (Regie: Alexander Ritter) Premiere. Ausgezeichnet mit dem Debütpreis des Lübecker Buddenbrookhauses, lädt „Sieben Nächte“ zu einem nächtlichen Spaziergang durch die Fantasien, Ängste und Utopien der Millenials ein. Simon Strauß, selbst Jahrgang 1988, hat mit seinem Roman viele seiner Generation angesprochen, die sich nach dem wirklichen Gefühl, der großen Geste, dem Pathos und der Gefahr sehnen.

„Bunbury – Ernst sein ist alles“ von Oscar Wilde

„Bunbury – Ernst sein ist alles“ nach Oscar Wilde ist eine Komödie, die am 29. November Premiere auf der Großen Bühne des ETA Hoffmann Theaters feiert. Regie führt Sebastian Schug, der in Bamberg bereits „Mutter Courage und ihre Kinder“ sowie „Hamlet“ inszenierte. Das Stück führt in das Leben zweier Londoner Dandys, für die es die schwierigste Pose ist, natürlich zu sein. Denn: „In existenziellen Fragen ist Stil das Entscheidende, nicht Ehrlichkeit.“ Und weil die Wahrheit „selten rein und niemals einfach“ ist, bleibt es „eine schreckliche Sache für einen Mann, wenn er feststellen muss, dass er sein ganzes Leben die Wahrheit gesagt hat“.

„The Importance of being Earnest“ ist Oscar Wildes bekannteste Komödie und war der Höhepunkt seines Ruhms. Seine ironisch-eleganten Komödien und seine paradoxen Aphorismen, mit denen er die Jugend und den Rausch feierte, Spießertum verlachte und jede Norm im Gegenteil ausprobierte, sind bis heute ein Geschenk für das Theater.

Von Mathias H. Walther

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