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„Gottesdienst erleben“: Dekanin Ott-Frühwald lädt ein

In der Kirche sind alle willkommen. Das soll das Dekanatsprojekt „Back to Church – Gottesdienst erleben” am Sonntag, 22. September, in Erinnerung rufen, erklärt Dekanin Stefanie Ott-Frühwald. Foto: Annette Körber

„Back to school“, heißt es in dieser Woche: zurück in die Schule. Analog hat sich die evangelische Kirche die Aktion mit dem Titel „Back to church“ einfallen lassen – also zurück in die Kirche. Sie findet am Sonntag, 22. September, im gesamten evangelisch-lutherischen Dekanat Michelau statt. Und damit sie funktioniert, ist sie auf die Gläubigen und deren Mitwirken angewiesen: Sie sollen andere einladen, an besagtem Sonntag mitzukommen zum Gottesdienst.

„Die Aktion läuft wie eine Welle durch Europa“, freut sich Dekanin Stefanie Ott-Frühwald. Schöne Gottesdienste seien ein Herzensanliegen der Pfarrer. Es feierten aber immer weniger Gläubige mit. Daran solle das Projekt etwas ändern.

„Die Aktion läuft wie eine Welle durch Europa.“
Stefanie Ott-Frühwald, Dekanin

Die Idee wurde 2002 in Manchester entwickelt und breitete sich von dort zuerst in ganz Großbritannien aus. 2015 beteiligten sich dann schon 25 000 Gemeinden in 17 Ländern. Und seit 2016 verbreitet sich die Aktion unter dem Motto „Gottesdienst erleben“ auch in Deutschland. Nun will auch das Dekanat Michelau mitmachen. „Die Regionalbischöfin Dorothea Greiner in Bayreuth hat das angestoßen; sie ist da sehr dahinter“, sagt Ott-Frühwald.

Im März habe sie das Thema mit den Pfarrern im Dekanat besprochen. Alle hätten ihre Teilnahme zugesagt. „Ich finde überhaupt, wir haben tolle Pfarrer im Dekanatsbezirk“, bemerkt die Dekanin und lächelt. Auch den Kirchenvorständen sei der Gottesdienst sehr wichtig. Deshalb komme die Aktion gut an.

Am 22. September soll kein besonderer Gottesdienst gefeiert werden, erklärt die Seelsorgerin. Sondern einfach ein schöner, zu dem alle eingeladen sind. Trotzdem seien einige Pfarreien schon lange mit den Vorbereitungen beschäftigt. Warum eigentlich?

Eine explizite Einladung an alle, die schon lange nicht mehr da waren

Als Ziel formuliert Stefanie Ott-Frühwald, dass die Teilnahme am Gottesdienst wieder selbstverständlicher wird. Aber viele waren so lange nicht da, dass die Barriere mittlerweile hoch ist. Beziehungsweise, dass sie gar nicht mehr daran denken, dass sie am Sonntag in die Kirche gehen könnten. Deshalb die Idee, sie explizit dazu einzuladen.

Damit ist es aber nicht getan. Es geht auch darum, die Schwelle zu senken. Die Gemeinden müssen überlegen, was es braucht, damit sich jeder willkommen fühlt. Deshalb muss sich in der Gruppe ein Bewusstsein dafür bilden, dass auch sie sich öffnen muss – so, wie die Kirche allen offen steht.

Eine größere Aufgabe für die, die „drin“ sind

Es sei ganz normal, dass Mitglieder einer Gruppe sozusagen Scheuklappen entwickeln. Sich bewusst zu werden, dass man ausgrenzend wirkt, sei ein erster Schritt. Ott-Frühwald meint deshalb, dass für die, die „drin“ sind, die Aufgabe größer sei, als für die, die „draußen“ sind. „Die können das einfach mal testen. Und das werden sie auch. Dann ist die Frage, kommen sie wieder?“

Auch die Michelauer sind dazu aufgerufen, Freunde, Nachbarn und Bekannte zum Gottesdienst am Sonntag, 22. September, in die Johanneskirche einzuladen. Foto: Klaus Gagel

Sicher nicht, wenn sie nicht „mitgenommen“ werden. Vieles, was für die Gruppe selbstverständlich wirkt, ist anderen fremd. Es ist nicht mehr so wie vor 50 Jahren, als noch jeder das „Vater-unser“ kannte, sagt die Geistliche. Sie erlebe das immer wieder, wenn sie Konfirmanden unterrichtet. Diese wüssten oft wenig über Gottesdienste. Deshalb sei sie zum Beispiel schon dazu übergegangen, das „Vater-unser“ auf Liedzettel zu drucken.

„Der Gottesdienst ist ein Ritual, aber das ist das Theater ja auch“, vergleicht die Dekanin. Wer regelmäßig ins Theater geht, weiß, dass er sich auf seinen Platz begeben sollte, wenn der Gong ertönt. Wer regelmäßig den Gottesdienst mitfeiert, weiß, dass die Nummern auf der Anzeigetafel auf die jeweiligen Lieder im Gesangbuch verweisen. Für andere ist das dagegen neu. Damit auch sie sich zurecht finden, könnte der Pfarrer zum Beispiel zu Beginn darauf hinweisen.

Es profitieren die Neuen, aber auch die, die regelmäßig kommen

Der Eingangsteil mit dem „Kyrie“ wird normalerweise nicht an der Liedertafel angeschlagen, weil das als bekannt vorausgesetzt wird. „Da fühlt man sich schnell ausgeschlossen“, warnt Ott-Frühwald. Also sollte es dieses Mal angeschrieben werden – und am besten eine verständliche Form gewählt werden, etwa mit dem deutschen Liedext „Herr, erbarme dich“ statt des griechischen „Kyrie eleison“. Davon profitieren dann auch diejenigen, die regelmäßig kommen. Weil sie sich vergegenwärtigen, was sie da eigentlich singen.

In Michelau selbst wird es an besagtem Sonntag nicht so viele Möglichkeiten geben, explizit eine Willkommenskultur zu pflegen. Es gibt zwar ein Liedblatt, aber kein Kirchencafé oder Ähnliches hinterher – sondern einen Festakt: In der Johanneskirche wird am 22. September das Ehepaar Bettina und Gundolf Beck eingeführt. Ott-Frühwald bezeichnet es als großes Geschenk, dass in Oberfranken gerade eine ganze Reihe junger Pfarrer ordiniert wird. Das müsse jetzt aber möglichst schnell geschehen, damit alle ihren Dienst antreten können. Und so kommt Regionalbischöfin Greiner zufällig genau zu diesem Termin nach Michelau.

Aber die Aktion solle natürlich wiederholt werden. Und die Erfahrungen, die im Dekanat gesammelt wurden, sollen auch in die Gestaltung der regelmäßigen Gottesdienste einfließen. Es gehe dabei nicht darum, jetzt supermoderne Formate zu entwickeln. Aber die Dekanin sieht die Aktion als Chance für eine behutsame Weiterentwicklung. Sie ist deshalb auch schon sehr gespannt auf den Austausch im Nachgang: Wie kommt die Aktion an? „Und was brauchen wir eigentlich, um eine einladende Kirche zu sein?“

Von Annette Körber

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