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LICHTENFELS

Obedience: Wo Hunde bedingungslos gehorsam sein müssen

Sieht lustig aus, ergibt aber Sinn: Die Teilnehmer gehen vor ihrem "Parcourslauf" die Strecke für zehn Minuten ab, um sich Schwierigkeiten einzuprägen. Foto: Markus Häggberg

Menschen gehen über einen Rasen, drehen sich im Kreis, vollführen grazil-eigenwillige Armbewegungen. Manche haben dabei die Augen geöffnet, andere nicht. Wer jetzt als unbedarfter Betrachter hinzustieße, könnte an einen Sketch der Monty Pythons glauben. Zehn Minuten haben die Menschen für ihr Tun Zeit, dann wird es ernst, dann kommen ihre Hunde ins Spiel. Es ist Sonntag und das Stichwort heißt Rally-Obedience. Eindrücke von einem Randsportturnier, von einem sportlichen Schulterschluss zwischen Mensch und Hund.

20 Meter breit, 30 Meter lang – das sind die Maße der Wiese unweit des Wasserturms. Hier hat der 1. FC Hund seinen Standort. Noch. Im nächsten Jahr mag es nicht mehr so sein, der Hundesportverein sucht eine neue Bleibe. Das beschäftigt die Menschen hier. Einerseits.

Fehlerfreier Gehorsam für die bestmögliche Wertung

Andererseits wiederum liegt noch etwas in der Luft: Turnieratmosphäre. Es geht um den fehlerfreien Gehorsam, darum, eine mit Anweisungen gespickte Wegstrecke, nach Herrchens und Frauchens Zeichen so zu bewältigen, dass Schiedsrichterin Alexandra Meyer möglichst keine Punkte abzieht. In fünf Klassen gibt es von 9 bis 15.30 Uhr Durchgänge, darunter sogar für Senioren.

Gemeint sind damit die Senioren unter den Hunden, die, die nicht mehr so hoch springen können, die gewissen Drehungen nicht mehr machen sollten. Vor Ort waren gut 50 Zuschauer und Teilnehmer, aus einer Region zwischen Würzburg, Bayreuth und Nürnberg.

Saskia Leis und ihr Fin können Stolz aufeinander sein. Das Duo des heimischen Vereins erreichte einen dritten Platz in der höchsten Leistungsklasse. Foto: Markus Häggberg

Eine junge Frau war vor einer Art Wellblechcontainer in die Hocke gegangen. Er war die Rezeption der Turnieranmeldung und an der Wellblechaußenwand waren Pläne angebracht. Wenn man es nicht besser gewusst hätte, hätte man sie für Schaltkreise halten können. Tatsächlich waren auf ihnen aber die Schwierigkeiten eines jeweiligen Parcours vermerkt.

Carolin Geißel und ein Hund namens Habicht

Der Hund der jungen Frau lag ihr zu Füßen, schaute zu ihr auf, suchte und bestand regelrecht auf den Blickkontakt. Doch die Frau blickte gedanklich in die Ferne, ging bevorstehende Übungen und Abläufe des bevorstehenden Parcours durch. Sie startete in der Leistungsklasse 3, in der höchstmöglichen. Aber sie war am Ende nicht zufrieden. Von den 100 Punkten, mit denen man startet, werden ihr 16 abgezogen werden. Da nützt es auch nichts, dass sie in ihrem Starterfeld mit 2:50 Minuten die drittbeste Zeit hinlegt.

„Ich hab ihn nicht richtig zu mir geholt und das erste Schild habe ich verbockt“, analysierte Carolin Geißel glasklar zu sich und ihrem Hund Habicht. Tatsächlich konnte der Mensch auch Dinge verbocken.

Er konnte das falsche Kommando geben, er konnte mit einer unbedachten Bewegung den Hund ratlos machen, er konnte versehentlich den Hund berühren, was wieder Punktabzug ergab.

Oder er konnte, was einem Frauchen passierte, über die eigenen Beine stolpern und die Leistung rettungslos machen.

Was die Leistungen heimischer Mensch-/Hund-Gespanne anbelangt, so gab es einen Erfolg für den Obermain zu verbuchen. Saskia Leis vom Ausrichter 1. FC Hund schaffte in der höchsten Leistungsklasse 3 mit ihrem Fin einen dritten Platz.

Birgit Bickel hat stets die Zeit im Blick

MSÜ klang nach einer schlimmen Krankheit. Es bedeutete aber: Mehrschildübung. Die das erklärte, war Birgit Bickel. Nahm man neben ihr unter dem grünen Zelt Platz, hatte man neben einer von zwei Zeitnehmerinnen Platz genommen. Im Gegensatz zur Punkterichterin Meyer, die auf dem Parcours Notizen machte, wurde sie vom Verein 1. FC Hund und nicht vom übergeordneten Verband gestellt.

Sieht lustig aus, ergibt aber Sinn: Die Teilnehmer gehen vor ihrem "Parcourslauf" die Strecke für zehn Minuten ab, um sich Schwierigkeiten einzuprägen. Foto: Markus Häggberg

Bickel und ihre zeitnehmende Kollegin blickten nach vorne auf den Rasenparcours. Aus dieser Position heraus erhielt der Sport etwas Britisches, einen Hauch Noblesse. Je nachdem, in welcher Kategorie ein Mensch mit seinem Hund startete, hatte das Gespann zwischen zwölf und 24 Schilder mit Anweisungen zu bewältigen. Jeweils, aber immer unter vier Minuten. Schaffte es das nicht, fiel es gleich ganz aus der Bewertung.

Die beste Note, die man erreichen konnte, war ein „Vorzüglich“, was man für 90 bis 100 Punkte erhielt, ein „Sehr gut“ beziehungsweise „Gut“ bekam man für die Zehnerschritte darunter. Bei Punktegleichheit entschied die bessere Zeit.

Wenn sich Hund und Herrchen gemeinsam freuen

Birgit Bickel nahm aber nicht nur die Zeit bei den Durchgängen, sie achtete auch darauf, dass sich kein Teilnehmer länger als zehn Minuten vorab mit den Übungen auf dem Parcours vertraut machte. Diese sind an sich bekannt, werden aber vor Wettkampfbeginn neu und für alle verbindlich zu einem Ablauf zusammengestellt.

Weniger im Gehorsam und in der Pflichterfüllung, als vielmehr im Spielerischen war dieser Hund daheim. Foto: Markus Häggberg

Von Bickels Platz aus war sehr schön zu beobachten, wie sich die Hunde freuten, wenn sich ihre Herrchen und Frauchen freuten, wenn ein Erfassen und Umsetzen der auf den am Boden liegenden Schildern möglichst gut gelingt. „Es fördert die Hund-Mensch-Bindung“, erklärte eine Teilnehmerin. Und sie bejahte, dass man vor dem Betreten des Parcours Lampenfieber hatte. „Weil das Publikum drumrum ist und weil man vor sich selbst bestehen will.“

„Mensch nach links“ und „Hund nach rechts“

Lena Pesak hatte auch gefiebert. Die Neunjährige war mit ihrer Mutter samt Hund Lou aus der Nähe von Nürnberg angereist. Sie kann gut auswendig lernen, sagte sie und das bezog sich auf die Kommandos, die sie in den zehn Minuten vor Start gelesen hat. Die heißen unter anderem „Mensch nach links“, „Hund nach rechts“, „90-Grad-Drehung“, „270-Grad-Drehung“ oder „Figur acht mit Ablenkung“. Dahinter versteckte sich beispielsweise ein Spielzeug oder Leckerli, welches sich unter einer Art Sieb befand, Reiz und Duft verströmte, vom Hund aber ignoriert werden musste. Er muss seinen Gehorsam über seine Natur stellen, sonst gibt es Punktabzug.

Lena machte ihre Sache gut und Lou auch. Schließlich hatte sich die Neunjährige tags zuvor zwei Stunden lang auf den Turniertag vorbereitet. Planschend im Schwimmbad. Sie, erstmalig in Lichtenfels, würde auch gerne im nächsten Jahr zum siebenten Turnier wiederkommen. Doch dazu bräuchte der Verein ein neues Vereinsgelände.

 

haeg

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