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LICHTENFELS

Praxiskurs: Vom öden Rasen zur bunten Blumenwiese

So viele Leute hat der Forstamtsgarten wohl selten gesehen: Norbert Wimmer (in der Bildmitte) erläuterte den Zuhörerinnen und Zuhörern seine Vorgehensweise bei der Anlage der neuen Blühwiese im Garten. Foto: Umweltstation/Michael Stromer

Auf großes Interesse stieß der Praxiskurs zur Anlage von Blühflächen und -wiesen für Gartenbesitzer, den die Umweltstation mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten anbot. Über 100 Teilnehmer versammelten sich im Garten des Forstamtes in Lichtenfels und zeugten von der großen Bereitschaft der Bürger, aktiv etwas für „mehr Natur“ zu tun.

Im Garten des Forstamtes wurde im vergangenen Jahr ein verfilzter Rasen in eine artenreiche Wiese umgewandelt. Kreisfachberater Michael Stromer erläuterte verschiedene Möglichkeiten, einen Rasen in eine artenreiche Wiese umzuwandeln oder gleich eine grasfreie Blühfläche anzulegen. Oft reicht es schon, die Düngung einzustellen und den Mährhythmus zu ändern. Sind die Flächen und auch das Umfeld allerdings sehr artenarm, wie es häufig bei verfilzten, verdichteten oder vermoosten Rasen der Fall ist, muss mit Saatgut nachgeholfen werden.

Den Graswuchs eindämmen

Dann ist der Rasen-Soden zumindest stellenweise zu entfernen oder umzufräsen. Die Wurzeln von „Unkräutern“ wie der Quecke sind möglichst zu entfernen, da sie gegenüber dem Saatgut zu dominant sind. Die Zugabe von nährstoffarmen, ungewaschenem Sand in die bearbeiteten Flächen verbessert die Konkurrenzfähigkeit der gewünschten Blumen und Kräuter gegenüber den Gräsern und senkt deren Wüchsigkeit und damit den Pflegeaufwand. Gesät wird auf einen feinkrümelig abgerechten Boden. Das Saatgut wird nicht eingearbeitet, sondern nur angewalzt.

Der beste Zeitpunkt für die Ansaat ist das Frühjahr, um die vorhandene Bodenfeuchte auszunutzen. Falls unerwünschte Beikräuter, wie die Melde sich anfangs zu rasch ausbreiten und die Keimung des Saatgutes unterdrücken, kann ein Schröpfschnitt mit dem Rasenmäher Abhilfe schaffen. Auch ist etwas Geduld erforderlich, da die Kräuter mehr Zeit für die Keimung und für das Aufwachsen brauchen als Rasen-Gräser.

Stengel der Kräuter über den Winter stehen lassen

Für die Neuanlage von Blumenwiesen oder Blühflächen bieten die Hersteller verschiedene Samenmischungen an. Eine weitere Möglichkeit für artenreichere, naturnahe Gärten ist auch das Einpflanzen von Wildstauden. Norbert Wimmer vom Forstamt demonstrierte, wie einfach die Blühfläche im Forstamtsgarten jetzt im Frühjahr mit einer Handsense gemäht werden kann. Für die Natur sei es optimal, wenn die abgeblühten Stengel der Kräuter über den Winter stehen bleiben, weil hier sich viele Vögel noch Restsamen oder Insektenlarven und -eier als Nahrung holen.

Der Pflegeaufwand und damit auch der Kostenaufwand für die ehemalige Rasenfläche haben sich für das Forstamt durch die Umstellung auf eine Blühfläche erheblich reduziert, die Artenvielfalt allerdings wesentlich erhöht. Zu Demonstrationszwecken wurde mit Hilfe eines Kleintraktors mit Fräse ein neuer Blühstreifen angelegt und eingesät.

Wer weitere Informationen erhalten oder sich beraten lassen möchte, kann sich an Michael Stromer in der Umweltstation des Landkreises wenden: Tel. (09575) 921455, Mail: umweltstation@landkreis-lichtenfels.de. (red)

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