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REUNDORF

Ausgrabung: Siedlungsreste im Neubaugebiet

Pfostenlöcher, Abfallgruben und Keramik: Schon vor rund 3000 Jahren siedelten Menschen auf dem Areal des Reundorfer Neubaugebits. Foto: Stefan Lommatzsch

Dass es sich im Gottesgarten gut leben lässt, wussten die Menschen schon vor rund 3000 Jahren. Weitere Belege für die frühe Besiedelung des Maintals werden noch bis Ende dieser Woche auf dem Areal des neuen Baugebiets in Reundorf von Archäologen im Auftrag des Landesamts für Denkmalsschutz dokumentiert. Neben zahlreichen Pfostenlöchern und Abfallgruben der ehemaligen Behausungen aus der Übergangszeit der Urnenfelder- zur Hallstattkultur, bekräftigen auch zahlreiche Keramikfunde diese These.

Laut Grabungsleiterin Nina Fröschel deutet vieles darauf hin, dass es sich bei dem Areal in Reundorf um die Fortsetzung des Bodendenkmals aus der Urnenfeldzeit bei Seubelsdorf und auf dem Baugebiet von Concept Laser handelt. Ob die gesamte Fläche damals zur gleichen Zeit besiedelt war oder nur jeweils einzelne Abschnitte, lasse sich derzeit noch nicht sagen.

Funde direkt unter der Oberfläche

Im Gegensatz zum Areal bei Grundfeld, Seubelsdorf und Concept Laser, wo bei verschiedenen Grabungen in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt über 80 Gräber dokumentiert wurden, seien in Reundorf bisher ausschließlich Siedlungsreste entdeckt worden. Dabei handelt es sich um die Pfostenlöcher der Behausungen und Abfallgruben. In letzteren haben die Archäologen bereits zahlreiche Keramikscherben gefunden. „Besonders interessant sind für uns dabei die Randstücke der Keramiken oder solche mit Reliefen, da wir aufgrund deren Formgebung die Epoche ihrer Herstellung sehr genau datieren können“, erläutert Fröschel.

„Wir dokumentieren,

was durch die Baustelle

zerstört wird.“

Nina Fröschel, Grabungsleiterin

Mit ihrem Team einer Grabungsfirma aus Bamberg untersucht sie das Areal derzeit nicht auf der gesamten Fläche, sondern nur in bestimmten Bereichen. Dazu wurde die dünne Humusschicht von rund 15 bis 20 Zentimetern mit einem Bagger unter den wachsamen Blicken eines Archäologen vorsichtig abgetragen. Direkt darunter befinden sich bereits die ersten Funde. So zeichnen sich zum Beispiel die Standpunkte ehemaliger Holzpfosten der Bebauungen durch eine runde, dunkle Färbung des Bodens ab. Ebenso geben andere Farbunterschiede des Untergrunds Hinweise auf alte Abfallgruben.

Diese Stellen werden markiert, fotografiert und eingemessen. Von besonderen Fundstücken werden zusätzlich maßstabsgetreue Skizzen auf Millimeterpapier angefertigt. „Wir dokumentieren, was durch die Baustelle zerstört wird“, fasst die Grabungsleiterin zusammen. Eine weitere und genauere wissenschaftliche Einordnung der Funde werde dann – je nach deren Bedeutung – in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalschutz erfolgen.

Einmalig in ganz Nordbayern

Dr. Andreas Büttner vom Landesamt für Denkmalschutz teilt in einer erste Einschätzung der neuerlichen Funde mit, dass das „Gräberfeld Grundfeld“ (bisheriger Name in der Fachwelt) nun um den Zusatz „Seubelsdorf“ zu ergänzen sein wird. Zusammen mit dem Funden auf dem Baugebiet von Laser Concept handle es sich um das größte untersuchte urnenfelderzeitliche Gräberfeld in Nordbayern. Insgesamt seien bisher auf dem gesamten Areal etwa 170 Bestattungen bekannt. Das Gräberfeld zeichne sich dadurch aus, das sowohl Brand- als auch noch Körperbestattungen auftreten. Herausragend ist die nur dort festgestellte Haubentracht. Zum Baugebiet in Reundorf seien derzeit noch keine genaueren Aussagen möglich, es seien erst die derzeit noch laufenden Voruntersuchungen abzuwarten.

Urnenfeld-/ Hallstattkultur

Die Urnenfelderkultur ist die am weitesten verbreitete mitteleuropäische Kultur der späten Bronzezeit. Sie dauerte von etwa 1300 bis 800 vor Christus. Da der Bestattungsritus – Leichenverbrennung auf einem Scheiterhaufen und die Beisetzung des Leichenbrandes in Urnen – auch in anderen Kulturen ausgeübt wurde, ist die Urnenfelderkultur durch weitere Kriterien, wie typische Bronze- und Keramikformen, definiert. Die Urnenfelderkultur folgt der Hügelgräberkultur der mittleren Bronzezeit. In vielen Teilen ihres Verbreitungsgebietes wird die Urnenfelderkultur mit Beginn der Eisenzeit durch die Hallstattkultur abgelöst. Als Hallstattzeit oder Hallstattkultur wird die ältere vorrömische Eisenzeit in weiten Teilen Europas ab etwa 800 vor Christus bezeichnet. Quelle: Wikipedia
Grabungsleiterin Nina Fröschel deutet auf Steinbrocken, die sich in einer ehemaligen Abfallgrube befinden. Foto: Stefan Lommatzsch
Keramikscherben wecken die besondere Aufmerksamkeit der Archäologen, sind sie doch ein wichtiger Anhaltspunkt zur Datierung.

Von unserem Redaktionsmitglied Stefan Lommatzsch

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