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BURGKUNSTADT

Arbeiten unter Corona-Bedingungen bei Regens Wagner

Arbeiten unter Corona-Bedingungen bei Regens Wagner
Nicole Metze von den Werkstätten Sankt Joseph an einem Arbeitsplatz, an dem gerade Montagearbeiten für die Industrie erledigt werden. Zwischen den Personen sind jeweils Plexiglasabtrennungen. Foto: Sabine Schubert/Regens Wagner

Wie erleben Menschen mit Behinderung die Corona-Pandemie? Was bedeutet es für sie, nicht arbeiten zu können, wie es im Lockdown der Fall war? Mit was für Einschränkungen müssen sie weiterhin zurecht kommen? Ein Erfahrungsbericht von Sabine Schubert, Leiterin von Regens Wagner Burgkunstadt.

Wieder zurück im Garten bei ihren Tieren

Liane Schumm freut sich in diesen Tagen. Kann sie doch seit einigen Wochen wieder im Garten bei ihren Tieren arbeiten und mit ihren Kolleginnen und Kollegen zusammen sein.

Der Lockdown zwang die Beschäftigten der Werkstätten Sankt Joseph lange, zu Hause zu bleiben. Alle Werk- und Förderstätten wurden aufgrund der Umsetzung des Vollzugs des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) geschlossen. Das Gesundheitsministerium erließ dazu eine Allgemeinverfügung. Zu groß war die Gefahr der Ansteckung für behinderte Menschen, die sehr häufig zu den Risikogruppen zählen.

Eine schwierige Zeit für die Beschäftigten

Für Liane Schumm, die in einer Zweier-Wohngemeinschaft wohnt und Assistenz von Mitarbeitern von Regens Wagner Burgkunstadt erhält, war dies eine schwierige Zeit, wie sie selbst sagt. Sie vermisste die Arbeitskollegen, die Tiere, die Gespräche, und machte sich auch große Sorgen um die Pferde und Ziegen.

Viele der Beschäftigten in den Werkstätten Sankt Joseph machten sich immer wieder die gleichen Gedanken: „Wann ist dieser Urlaub vorbei?“, „Wann macht die Werkstatt wieder auf“,? „Das Leben ist nicht schön so!“ „Wie gefährlich ist Corona?“.

Was bedeutet „Lockdown“ und was hat er für Folgen?

Mit diesen Themen wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer wieder konfrontiert. Ängste, Trauer und Wut waren die Folgen des Lockdowns. Ein Wort, das man erst erklären musste, und vor allem die umfangreichen Folgen, die sich für Menschen mit Behinderung in einer stationären Einrichtung daraus ergeben. Das Wieder-Hochfahren der Arbeit ab Juni wurde begleitet von intensiven Vorplanungen sowie einem umfangreichen Schutz- und Hygienekonzept. Ein Großteil der Werkstattbeschäftigten arbeitet nun wieder und hat wieder fast die gewohnte Tagesstruktur.

Nicole Metze leitet den Geschäftsbereich Pädagogik in den Werkstätten Sankt Joseph und weiß: „Die Menschen mit Behinderung kommen sehr gerne zur Arbeit und kommen mit den neuen Rahmenbedingungen recht gut zurecht. Der Tag beginnt mit einer so genannten Symptomcheckkontrolle am Morgen, bei der die Körpertemperatur gemessen und das persönliche Befinden abgefragt wird. Die Wohngruppen unterstützen, indem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort den Gesundheitscheck am Morgen in den Wohnräumen vornehmen.

„Die Menschen mit Behinderung kommen sehr gerne zur Arbeit und kommen mit den neuen Rahmenbedingungen recht gut zurecht.“
Nicole Metze, Werkstätten Sankt Joseph

Auf allen Wegen, bei denen Begegnungen mit verschiedenen Personen möglich sind, muss ein Nasen-Mund-Schutz getragen werden. Einige unserer Beschäftigten mit Behinderung benötigen beim Anlegen Hilfestellung, tolerieren diesen aber und tragen ihn zuverlässig. Die ,Einbahnstraßenregelung‘, die durch Markierungen am Boden gekennzeichnet ist, und der notwendige Abstand werden zuverlässig eingehalten.

Die individuellen Arbeitsplätze sind mit Plexiglasscheiben abgegrenzt, so dass während der tatsächlichen Arbeit auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verzichtet werden kann. Die jeweiligen Arbeitsmaterialien müssen entweder desinfiziert werden oder 24 Stunden stehen, damit ein Weiterarbeiten möglich ist. Deshalb mussten viele Arbeitsabläufe anders organisiert werden. Weiterhin ist es wichtig, die Abläufe auch sichtbar und mit Symbolen darzustellen. Denn auch schwerbehinderte Menschen, die nicht lesen können, müssen sie verstehen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren und sind hierbei sehr kreativ, so dass ein reibungsloser Ablauf gewährleistet ist.

Eine riesige logistische Herausforderung, die sich lohnt

Das Mittagessen findet mittlerweile von 11 bis etwa 13 Uhr in vier Schichten statt, da nur maximal 35 Personen im Speisesaal sein dürfen. Auch die Frühstücks- und Nachmittagspause findet zeitlich versetzt statt, um die Kontakte so gering wie möglich und nachvollziehbar zu halten.

Zusammenfassend kann ich sagen: Es ist eine riesige logistische Herausforderung, die viel Kreativität und Flexibilität aller Beteiligten erfordert, um einen nahezu reibungslosen Ablauf im Arbeitsalltag zu ermöglichen. Aber es lohnt sich, wenn man die gute Atmosphäre und die Freude beim Arbeiten wahrnimmt. So können die Werkstätten Sankt Joseph weiterhin ein guter Partner der Kunden aus der Wirtschaft und weiterer Dienstleistungsbereiche sein.“

Eine Tagesstruktur ist enorm wichtig und ein Grundbedürfnis

Wir alle, Klientinnen und Klienten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Eltern und Angehörige sind in diesen Zeiten natürlich besorgt um eine mögliche Ansteckung. Wir sind aber auch dankbar, dass wieder Arbeit und Tagesstrukturen möglich sind. Denn für die meisten Beschäftigten ist eine Tagesstruktur enorm wichtig und stellt eigentlich ein Grundbedürfnis dar. Die Orientierung am Tagesrhythmus, die hohe Identifikation mit der Arbeit, die sozialen Kontakte und vieles mehr sind Teil einer positiven Lebensqualität.

Was uns besonders freut, ist, dass die allgemeinen Regeln des Infektionsschutzgesetzes wie das Benutzen des Mundschutzes, Abstand halten oder Hände waschen meist gut eingehalten werden können. Hier sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Vorbild mit ihrer pädagogische Begleitung und ihrer Engelsgeduld.

Arbeiten unter Corona-Bedingungen bei Regens Wagner
Liane Schumm bei der Pferdepflege. Foto: Sabine Schubert/Regens Wagner

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