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LICHTENFELS

Amtsgericht Lichtenfels urteilt über Betrug mit Schmuck

Amtsgericht: Aus dem Dunstkreis der Erinnerungen
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Über zehn Minuten sollte am Mittwoch im Amtsgericht die Anklageverlesung gegen eine Mutter und ihren Sohn in Anspruch nehmen. Hatten die beiden Personen von Lichtenfels aus gewerbsmäßig Betrügereien begangen? Der für die Staatsanwaltschaft entsandte Rechtsreferendar Christof Herrmann sah das so.

In neun von ihm vorgetragenen Fällen kam es über das Jahr 2018 verteilt zu Schmuckverkäufen via Internetplattform. Der Haken dabei: Die Bezahlungen wurden angenommen, der Schmuck aber nicht geliefert. Mitunter wurde gänzlich anderer Schmuck versendet, der lediglich Modeschmuck oder Nippes war. Der den Käufern entstandene Schaden belief sich auf ungefähr 3100 Euro, die Anklage auf Betrug.

Die angeklagte Mutter schaute wie in die Ferne vor sich hin, ihr 36-jähriger Sohn saß mit gesenktem Kopf neben Rechtsanwalt Till Wagler. Das war das Bild, welches sich zu den beiden Angeklagten bot. Mitunter standen der Frau auch Tränen in den Augen. Doch für sie sollte das Verfahren glimpflich enden, denn bald nach Prozesseröffnung kam es zum rechtsanwaltlichen Ansinnen, mit Richterin Daniela Jensch und Staatsanwalt Christof Herrmann ein vertrauliches Gespräch zu führen.

Somit erfuhr der Prozess schon bald nach Anklagelesung eine Unterbrechung. Was das Gespräch erbrachte, war ein komplettes Geständnis des 36-Jährigen und das Abrücken der Staatsanwaltschaft vom Vorwurf eines gewerbsmäßigen Betrugs. Was im Einzelnen besprochen wurde, drang nicht nach außen. Jedoch nahm die Angelegenheit für die Frau, vertreten durch Rechtsanwältin Sabrina Meier, ein wohl glimpfliches Ende. Gegen Zahlung von 500 Euro wurde das Verfahren gegen sie eingestellt.

Bislang mit Geldstrafen davongekommen

Ganz so milde sollte ihr Sohn nicht davonkommen. „Es spricht schon von einer gewissen kriminellen Energie, wenn man das vehement und fundamental durchzieht“, äußerte Herrmann während seines Plädoyers. Dem vorgeschaltet war ein Blick auf das Strafregister des Angeklagten und es wies doch einige Einträge auf: Nötigung, fahrlässige Körperverletzung und dreimal Betrug.

Bislang kam es zu Geldstrafen, diesmal aber plädierte Herrmann auf zehn Monate Haft zur Bewährung, wobei die Bewährungszeit drei Jahre betragen sollte. Wagler zeichnete in seinem Plädoyer von seinem Mandanten das Bild eines Menschen, der „durch Medikamentenumstellung aus der Spur geraten“ sei und empfahl eine um zwei Monate niedrigere Hafstrafe auf Bewährung. Das Urteil mochte wie ein Kompromiss aus beiden vorhergegangenen Forderungen erscheinen: neun Monate Haft auf Bewährung und die Leistung von Wertersatz in Höhe von 3090 Euro.

Von Markus Häggberg

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