aktualisiert:

LICHTENFELS

Amtsgericht Lichtenfels: Machtprobe am Straßenrand

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Die Strategie des Anwalts schien geschickt, nur fruchtete sie nicht. Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde ein 62-jähriger Mann aus dem westlichen Landkreis vom Amtsgericht Lichtenfels zu einer fünfstelligen Geldstrafe verurteilt.

Der Autofahrer fühlt sich von den Bikern provoziert

Drei junge Männer stoppten ihre Motorräder bei einer Ausfahr im September, weil einer von einer Wespe gestochen worden war. Das habe den 62-jährige Mann gestört, der mit seinem Auto vorbeifahren wollte, hielt ihm Staatsanwalt Mario Geyer vor. Er sei beleidigend geworden und schließlich einem der am Straßenrand stehenden Motorradfahrer mit dem Auto gegen das Bein gefahren. Das sei gefährliche Körperverletzung, weil ein „Tatmittel“ genutzt wurde.

Diese Vorwürfe bestritt der Angeklagte. Er sei langsam gefahren und habe die Motorradfahrer gebeten, den Weg freizugeben. Aber die drei Männern hätten nicht reagiert. Als er schließlich weiterfuhr, habe er im Rückspiegel gesehen, wie ihn einer der drei Motorradfahrer, ein 20-jähriger Landwirt, mit seinem Handy fotografierte. Es sei kaum Platz zum Durchfahren gewesen, weil die Straße von den abgestellten Maschinen verengt wurde. „Die Jungen warteten darauf, aber ich habe mich nicht provozieren lassen“, sagte er.

Die Motorradfahrer hätten sich einen Spaß daraus gemacht, die Fahrbahn zu blockieren. Im Zeugenstand betonten die drei jungen Männer, dass ein Auto ohne Probleme an den abgestellten Motorrädern hätte vorbeifahren können. „Er kam angefahren, hat gestikuliert und durchs runter gelassene Fenster rausgeschrieen“, berichtete ein 20-Jähriger. Als er dem 62-Jährigen entgegnet habe, dass genug Platz sei, sei der Mann in „stotternder Weise angefahren“ und mit der Stoßstange gegen sein linkes Bein gestoßen. Das habe schmerzhafte Prellungen verursacht. „Wir haben uns nicht aggressiv oder provokativ verhalten“, bekräftigte er.

„Hau ab, sonst fahr ich dir ans Bein“, habe der Autofahrer geschrien, sagte der 18-jährige Motorradfahrer aus. Der Angeklagte habe den 20-Jährigen sogar zweimal am Schienbein getroffen. Ein Polizist berichtete, der 20-Jährige habe auf ihn glaubwürdig gewirkt.

Ein Foto zeigt, dass genug Platz zum Durchfahren war

Richterin Daniela Jensch verwies auf ein Foto, das der 20-Jährige gemacht hatte. Zu sehen sind ein Motorrad, und das wegfahrende Auto des Angeklagten, für das offenbar genügend Platz zum Vorbeifahren war. Überdies bestätigten die drei Motorradfahrer, dass ein anderes Auto ohne Komplikationen vorbeigefahren sei.

Verteidiger Kilian Pezold sagte, die Motorradfahrer hätten seinen Mandanten provozieren wollen. Dem folgte Richterin Daniela Jensch nicht und verwies auf das Foto: „Man sieht, dass man mit dem Auto problemlos vorbeifahren kann.“

Von Markus Häggberg

Weitere Artikel