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LICHTENFELS

Amtsgericht Lichtenfels: Glimpfliche Strafe für Bedrohungen

Vor dem Lichtenfelser Amtsgericht: eine Fleisch-Diebin
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Der Hauptbelastungszeuge war nicht da. „Ich habe nicht erwartet, dass er kommt“, bemerkte Amtsgerichtsdirektor Matthias Huber. Doch dieser Umstand hatte schon vorher eine komische Einleitung erhalten, denn auch bei der Polizei sei der Mann nicht erschienen.

Woher der Sachverhalt dann eigentlich bekannt wurde, kam am Mittwoch in dem Amtsgerichtsprozess um Bedrohung nicht raus. Aber worauf das Gericht bauen konnte, war die Geständigkeit der Täterin. Es war eine gerade 19-jährige Berufskraftfahrerin, der vorgeworfen wurde, dass sie eine schlimme Bedrohung aussprach. Es war der 24. Februar 2020 und es war in den Morgenstunden kurz nach 3 Uhr. Die junge Frau griff zum Telefon und rief einen Mann an, dem sie versprach, Ehefrau und Kind zu ermorden. Richter Huber forderte die Frau auf, dazu mehr zu erzählen und so berichtete sie von den Hintergründen. So saß sie da hinter einer Scheibe, begründet durch Corona-Zeiten. Dann sprach sie: „Er hat mich verletzt, indem er mir vorgespiegelt hat, mich zu lieben.“

Das klang nach Motiv, aber Staatsanwältin Amendt suchte zu ergründen, ob sie eine unbeherrschte Person vor sich hatte. „Reagieren Sie öfter mal über ein gesundes Maß hinaus?“, erkundigte sie sich. „Wenn ich sauer bin. Und wenn ich mit meinem (neuen) Freund streite, dann schreie ich halt mal und zehn Minuten später ist alles gut“, gab die junge Frau zurück, versichernd, dass ihre einstige Bedrohung eine Ausnahme in ihrem Verhalten war. Womit sie womöglich nicht rechnete, war, dass es seitens der Jugendgerichtshilfe schon zu einer Einschätzung ihrer Person kam. Eben jene Einschätzung sprach von psychischer Instabilität und davon, dass hier jemand noch nicht die volle Reife besitzt.

Schon mehrere Einträge gesammelt

Eben dieser Umstand sollte dazu führen, dass seitens der Jugendgerichtshilfe noch Jugendstrafrecht anempfohlen wurde. Tatsächlich, auch das sollte bemerkt werden, hatte die 19-jährige Lichtenfelserin schon mehrere Einträge bei Gericht gesammelt. Einmal wegen Betrugs und einmal wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis. Doch die junge Frau wirkte in ihrer Vernehmung verständig, sie sprach offen und legte auch ein Bedauern an den Tag. So war es Huber selbst, der anregte, das Verfahren einzustellen, sofern die Angeklagte ein halbes Monatsgehalt als Geldauflage akzeptieren würde.

Die Rede war dabei von 700 Euro, ein schmerzlicher Betrag für die Frau, die sich gerade eine Wohnung einrichtet. Dass es hinter der Höhe der Geldstrafe so etwas wie Pädagogik gibt, suchte Huber mit den Worten „Es soll für Sie schon merklich sein“ plausibel zu machen. Eine rein rhetorische Frage verbarg sich hinter „Wäre das etwas, womit Sie leben könnten?“, denn im selben Atemzug malte Huber der jungen Frau aus, was im anderen Fall passieren wird: „Billiger wird? s nicht bei einer Verurteilung.“ Das verstand die junge Frau und willigte ein.

Von Markus Häggberg

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