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LICHTENFELS

Aktionstag „Hände hoch für den Mietenstopp“ in Lichtenfels

Aktionstag „Hände hoch für den Mietenstopp“ in Lichtenfels
Auf eine schwierige Situation von Mietern auch in der Region wiesen der Vorsitzende des Lichtenfelser Mietervereins, Andre Steffen, und der DGB-Kreisvorsitzende Heinz Gärtner (re) bei einer gemeinsamen Aktion auf dem Rathausvorplatz in Lichtenfels hin. Foto: PeterZillig

„Es ist fünf vor zwölf. Hände hoch für den Mietenstopp“, lautet das Motto eines Aktionstags, mit dem auf die stetig steigenden Mietlasten auch im Landkreis aufmerksam gemacht wurde. Der Vorsitzende des Lichtenfelser Mietervereins, André Steffen, und der DGB-Kreisvorsitzende Heinz Gärtner zeigten auf dem Marktplatz, dass die hiesige Region von dieser Entwicklung nicht verschont bleibe.

Der Wohnungsbedarf orientiere sich heute am Einkommen, der Familiengröße und bei älteren sowie behinderten Leuten an der Barrierefreiheit, betonte André Steffen. Der Mietzins und insbesondere die Nebenkosten beanspruchten bei den Betroffenen einen immer größer werdenden Anteil am Einkommen. Altersgerechter und erschwinglicher Wohnraum für untere und mittlere Einkommensgruppen seien in der Region immer schwieriger zu bekommen.

Im Landkreis seien die Mieten in den vergangenen fünf Jahren um stattliche 22 Prozent gestiegen, so der Vorsitzende des Mietervereins. Während 2016 im Durchschnitt für einen Quadratmeter noch 5,41 Euro zu zahlen waren, müssten Anfang 2021 bereits 6,60 Euro berappt werden.

Sozialer Wohnungsbau müsse wieder größeren Stellenwert bekommen

Heinz Gärtner forderte, dass der soziale Wohnungsbau wieder einen größeren Stellenwert bekomme. Statistiken wurden Wohnungssuchenden nicht helfen. „Viele Kommunen haben die Zeichen der Zeit erkannt und überlassen den Wohnungsbau nicht mehr nur dem freien Marktgeschehen.“ Nahezu ein Drittel des Einkommens sei im Schnitt für Wohnungskosten aufzuwenden.

Unteren und verstärkt auch mittleren Einkommensgruppen in der Region bleibe für weiteren Haushaltsaufwendungen ein immer kleiner werdender Anteil vom Verdienst, so Gärtner. Stets werde propagiert, dass die Arbeitnehmer selbst private Vorsorge für Alter und Krankheit mit treffen sollen. „Gleichzeitig haben sie aber immer weniger zur Verfügung stehendes Einkommen und letztendlich habe eine Nullzinspolitik zur Folge, dass in der Anlage sichere Sparguthaben, keine Erträge mehr bringen.“ Wohnraum, der alters- und behindertengerecht gestalte wird, sei für einfache Rentenbezieher kaum erschwinglich und wenn, dann könne der bisherige Lebensstandard im Alter oder bei Krankheit nicht mehr gehalten werden.

Appell an die Kommunen: Ghettobildungen verhindern

Die Gewährleistung von passenden Wohnraum, waren sich der Lichtenfelser Mieterverein und der Lichtenfelser DGB-Kreisverband einig, sei eine primäre Aufgabe der Kommunen und gehöre zur Daseinsvorsorge. Eine grundlegende Aufgabe sei es Ghettobildungen zu verhindern, betonte Heinz Gärtner. Deshalb betreiben Kommunen immer mehr Quartiersmanagement.

Von Peter Zillig

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