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WEIDHAUSEN

Weidhausen: Die „Kleine Welt“ wird 50

Weidhausen: Die „Kleine Welt“ wird 50
Als Hannelore Stumpf (2. v.li.) im Kindergarten „Kleine Welt“ begann, wurden für die Mütter mehrmals im Jahr Bastelabende angeboten. Foto: red

Im evangelischen Kindergarten „Kleine Welt“ werden seit 50 Jahren Mädchen und Jungs bestens auf ihr weiteres Leben vorbereitet. Das ist eigentlich zurecht ein Grund zum Feiern. Corona bedingt wurde allerdings vorerst auf ein großes Fest verzichtet und das Jubiläum intern im kleinen Kreis gefeiert. Sobald es die Lage zulässt, soll es voraussichtlich nach dem Sommer noch einen Gottesdienst für die Bevölkerung geben.

Weidhausen: Die „Kleine Welt“ wird 50
Hannelore Stumpf (li.nks) mit Dave und Einrichtungsleiterin Beate Ebitsch. In der „Kleinen Welt“ werden die geltenden Hygienevorschriften eingehalten. Lediglich fürs Foto wurde die Maske kurz abgenommen). Foto: Alexandra Kemnitzer

„Schon vor dem Zweiten Weltkrieg wurden Weidhäuser Kinder außer Haus betreut“, weiß die Beate Ebitsch, die seit Mai 2010 Leiterin der Einrichtung ist, aus alten Aufzeichnungen zu berichten. Die Eröffnung des Kindergartens Kleine Welt erfolgte im Januar 1971 und fiel damit in die Zeit als die Neuorientierung in der Vorschulerziehung und die Rahmenbedingungen konkretisiert wurden.

Eine nicht alltägliche Entscheidung fällte der evangelische Träger, als es um den Leitungsposten ging, denn als Katholikin wurde Elisabeth Welscher nicht nur als Mitarbeiterin angestellt, sondern auch mit der Leitungsfunktion betraut. Jahrzehnte lang prägte sie die Arbeit in der „Kleinen Welt“.

Geschichten von Kindergarten–Tanten

Zu den ersten Kindern, die in der Einrichtung betreut wurden, gehört auch Susanne Wunder. Sie besuchte vor der Eröffnung den katholischen Kindergarten in Sonnefeld. Als dann der funkelnagelneue Kindergarten in Weidhausen eröffnete, verbrachte sie dort bei den beiden „Kindergarten-Tanten“ Elisabeth (Welscher) und Birgit (Knauer) die verbleibenden Monate bis zur Einschulung.

„Damals brachte mich immer mein Vater in den Kindergarten. Eine Eingewöhnungsphase, wie heute, gab es zu der Zeit nicht“, erinnert sich Susanne Wunder an die Anfangszeit. Zum Spielen gab es eine große Wiese, denn Spielgeräte kamen erst später dazu. Vor allem Jungs nutzten das Außenareal, um sich Lager zu bauen.

Bei vielen ist außerdem noch heute der große Turnsaal in bleibender Erinnerung. Weil schon damals die Nachfrage, ähnlich wie heute, recht groß war, wurden innerhalb weniger Monate aus zwei vier Kindergartengruppen. Zeitweise wurden in einer Gruppe 40 Kinder und mehr betreut. Durch eine Ziehharmonikatüre konnten auch die entsprechenden Räume schnell und unkompliziert zur Verfügung gestellt werden.

Die ersten Schwungübungen

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Einrichtungsleiterin Beate Ebitsch (links) blätterte im ersten Gruppenbuch. Dort fand auch Susanne Wunder ihren Namen stehen.(In der „Kleinen Welt“ werden die geltenden Hygienevorschriften eingehalten. Lediglich fürs Foto wurde die Maske kurz abgenommen!. Foto: Alexandra Kemnitzer

Damals wurden die Gruppen nach Alter getrennt. Zur Vorbereitung auf die Schule bearbeiteten die Größeren Arbeitsblätter und machten die ersten Schwungübungen. Besonders wurde dabei auf Korrektheit geachtet. Während sich heute Gedanken über Buchungszeiten gemacht werden muss, wurde damals lediglich ein Gruppenbuch geführt. Darin wurden die Anwesenheits- und Fehltage der Kinder notiert.

Im September 1977 nahm Hannelore Stumpf als Erzieherin ihre Tätigkeit im Kindergarten auf. Heute ist sie Dienstälteste und tritt in ein paar Wochen zusammen mit Annette Nauthe in den Ruhestand. Als vor zehn Jahren die Einrichtung um einen Anbau zur Unterbringung einer Krippengruppe erweitert wurde, wechselte Hannelore Stumpf zu den Kleinsten.

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Seit Öffnung des evangelischen Kindergartens gibt es Kinderfeste. Mit auf dem Bild "Tante Birgit" (Knauer, 3. v. re.) Foto: red

Generell hat sie ihre Berufswahl von einst keinen Tag bereut und wird deshalb auch mit einem weinenden Auge gehen. „Als ich damals begann gab es eineinhalb Kräfte pro Zimmer. Später waren es zwei“, erzählt Hannelore Stumpf. In all den Jahren habe sie sich stets wohl an ihrem Arbeitsplatz gefühlt, da ein freundschaftlicher Umgang herrscht. Dies kann auch Beate Ebitsch bestätigen: „Die Absprachen laufen reibungslos, auch mit den Eltern, die immer hilfsbereit sind.“ Dies sei bei weitem nicht selbstverständlich, schließlich hat sich ein Wandel in der Kinderbetreuung vollzogen, die Ansprüche der Eltern geändert und die Bürokratisierung zugenommen.

Bei Gottesdiensten mitgewirkt

Den Wandel erlebte auch Susanne Wunder mit, als ihr Sohn Matthias Anfang der 1990er Jahre im „gelben Zimmer“ von Hannelore Stumpf betreut wurde. „Mein Sohn ist gerne in den Kindergarten gegangen und hat sich immer wohlgefühlt. Besonders rührend war es, wenn die Kindergartenkinder bei Gottesdiensten mitgewirkt haben“, betont Susanne Wunder. Um über die Entwicklung des Kindes stets informiert zu sein, erhielten die Eltern damals monatlich Mappen, in denen Zeichnungen, Basteleien und sonstige „Werke“ gesammelt wurden mit nach Hause.

Weidhausen: Die „Kleine Welt“ wird 50
Susanne Wunder (vorne, 4.v. li.) gehörte zu den ersten Kindern, die vor 50 Jahren im evangelischen Kindergarten betreut wurden. Leiterin war damals „Tante Elisabeth“ (Welscher, hintere Reihe). Foto: red

Größtes Projekt in der jüngeren Vergangenheit war für die „Kleine Welt“ der Beitritt zum Bildungshaus Weidhausen. Unter einem Dach arbeiten dort Schule, die beiden Kindergärten und die Nachmittagsbetreuung zusammen. Um weiterhin als attraktive Einrichtung den Kindern eine gute Basis bieten zu können, werden in der Kleinen Welt immer wieder die Weichen für die Zukunft gestellt. Beispielsweise wurde heuer die Neugestaltung des Gartens abgeschlossen, der sogar über einen Barfußpfad verfügt. Weil in den letzten Jahren gleich mehrere verdiente Mitarbeiterinnen ausgeschieden sind, ist derzeit ein Personalwandel in vollem Gang, sodass ein recht junges Team auch für neue Impulse in der Arbeit mit den Kindern sorgt. Trotz des sich stetig vollziehenden Wandels ist eines gewiss, führt Beate Ebitsch abschließend aus: „Wir sind auch im 50. Jahr unseres Bestehens offen für Neues und orientieren uns, soweit es möglich ist, am Bedarf der Familien.“

 

Von ALEXANDRA KEMNITZER

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