aktualisiert:

SCHWÜRBITZ

Thomas Gruber: Mit 13 bekam er eigene Kirchenschlüssel

Thomas Gruber: Mit 13 bekam er eigene Kirchenschlüssel
Durch besondere Aktionen gelingt es Thomas Gruber (rechts), hier zusammen mit Pfarrer Matthias Hain, die christliche Botschaft lebendig zu vermitteln. Im Ruderboot kamen beide damals an (2017), verkleidet als Petrus und Johannes,m und sprachen zu den Gläubigen am Rudufersee. Foto: Klaus Gagel

„Das wäre so mein?s gewesen: Pfarrer!“ Immer wenn der eifrige Kirchgänger Thomas Gruber am Sonntag die einzelnen Pfarrer bei ihrer Predigt beobachtete, meldete sich diese Wunschvorstellung. Aber mit Realschulabschluss, ohne Abitur, war an den Traumberuf nicht zu denken. Und so lernte der junge Mann aus Schwürbitz zunächst einmal bei „EP. Rosenbauer Michelau“ Elektroinstallateur. Heute liegt sein beruflicher Schwerpunkt im Bereich der Kinotechnik. Doch dann kam das mit dem Lektoren-Amt.

.

Ich war schon sehr früh fasziniert von den Geschichten von Josef und Jesus im Kindergottesdienst und später im Religionsunterricht.“

Thomas Gruber zu seiner Motivation

Und deshalb freut sich die Schwürbitzer Kirchengemeinde heute über einen ehrenamtlichen Mitarbeiter, der nicht nur als Lektor, sondern auch als Mesner und als Mitglied im Kirchenvorstand einen beispiellosen Beitrag zum Gemeindeleben leistet. Dafür wurde er nun im Rahmen eines pfarrweiten Gottesdienstes besonders geehrt (gesonderter Bericht folgt).

Seit 25 Jahren ist Thomas Gruber Lektor im Dekanatsbezirk Michelau, seit 30 Jahren ehrenamtlicher Messner in der Schwürbitzer Kirche und seit 20 Jahren Mitglied im Kirchenvorstand der Kirchengemeinde. Pfarrer Matthias Hain, der sichtlich stolz auf seinen treuen Mitarbeiter ist, rechnet dies gern auf insgesamt 75 Dienstjahre hoch.

Doch was bringt einen jungen Mann dazu, in einer Zeit zunehmender Kirchenaustritte, sich derartig kirchlich zu engagieren? „Das ist so gewachsen,“ verrät Thomas Gruber. „Ich war schon sehr früh fasziniert von den Geschichten von Josef und Jesus im Kindergottesdienst und später im Religionsunterricht.“ Mit zwölf Jahren reifte der Entschluss, die alte Mesnerin Sofie Gick etwas zu unterstützen. Da durfte er sonntags schon mal die Kerzen anzünden oder als Highlight die Glocken läuten. Mit 13 Jahren bekam er seine eigenen Kirchenschlüssel. „Da war ich ganz stolz drauf.“ Diesen Dienst als Mesner verrichtet er bis heute ehrenamtlich.

Unter dem damaligen Pfarrer Reißenweber, der dieses Vorhaben kräftig unterstützte, tauchte dann die Idee Lektorenamt auf. Lektor wird man nicht so einfach. Der Kirchenvorstand muss einen Beschluss fassen, der Dekan muss einverstanden sein, die Landeskirche erteilt ihr Plazet und dann erst beginnt die Ausbildung. Für Thomas Gruber war es ein Kurs an zwei Wochenenden. Am Ende steht eine Prüfung. Damit durfte nun Thomas Gruber selbst auf der Kanzel stehen und predigen. Der Entwurf der Predigt wird von der Landeskirche vorgegeben, die der Lektor dann unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten personalisiert hält.

Als andere in die Disco gehen, werden religiöse Bücher gewälzt

„Es ist mir immer leicht gefallen zu predigen, da mein Berufswunsch von Beginn an Pfarrer war und weil ich mich schon in meiner Jugend viel mit der Bibel beschäftigt habe. Ich hab immer versucht, die Hintergründe herauszufiltern. Als andere in die Disco gegangen sind, hab' ich mich zuhause hingesetzt und die Bücher gewälzt. Und wenn man mit zwölf jeden Sonntag in der Kirche sitzt und die Predigt hört, dann bekommt man eine Menge mit,“ so Thomas Gruber.

Eine Konstante, auf die die Geistlichen bauen können

Heute ist Thomas Gruber Teil eines Teams. „Am liebsten machen wir Gottesdienst miteinander,“ verrät Pfarrer Matthias Hain. „Thomas Gruber ist eben eine Konstante in der Kirchengemeinde. Er ist immer behilflich, sei es bei einem Wechsel in der Pfarrstelle oder im Kirchenvorstand. „Diese Hilfsbereitschaft hat es auch mir bei meinem Dienstantritt unheimlich erleichtert in die Gemeinde reinzuwachsen,“ gesteht Pfarrer Hain. Auch seine Vorgänger, Pfarrer Reißenweber und Pfarrerin Lucia Ernsberger, haben auf diese Weise profitiert.

Dabei ist Thomas Gruber jemand der über den herkömmlichen Weg der Glaubensvermittlung hinaus neue Akzente setzt. So erlebt man Thomas Gruber zusammen mit Suzan Baker und Denis Lüddicke bei den Weihnachtskonzerten, gemeinsam mit Pfarrer Matthias Hain als Petrus und Johannes im Fischerboot auf dem Rudufersee oder als Filmvorführer in der Kirche mit dem Film „Sein letztes Rennen mit Diddi Hallervorden.“

Nicht immer nur auf eingetretenen Pfaden unterwegs

„Jetzt machen wir mal was anderes“, lautet der Wahlspruch von Thomas Gruber, „etwas an das sich die Leute lange erinnern. Ich denke immer, wenn Jesus ein Langweiler gewesen wäre, wären nie Menschen kilometerweit zu ihm hingelaufen, hätten nie Leute ihre Existenz aufgegeben, um ihm nachzufolgen. Jesus muss eine besondere Ausstrahlung gehabt haben. Das ist mir persönlich sehr wichtig. Aber natürlich geht es auch ums Inhaltliche, damit die Menschen nach Hause gehen und wissen, das hab' ich verstanden.“

Thomas Gruber lebt aktiv alle drei Bereiche seines Ehrenamtes. „Da ich als Mesner angefangen habe, gefällt mir das auch heute noch, wenn ich die Kerzen anzünde oder meine Glocken läute oder die Kirchentür zusperre. Weil das einfach mein Kirche ist die ich liebe.“ Und genauso gerne stehe er auf der Kanzel, um zu predigen. Er möge es aber auch, im Kirchenvorstand Beschlüsse zu fassen, die die Kirchengemeinde weiterbringen. „Da schließt sich der Kreis.“

Manchmal reicht es nur für wenig Schlaft

Manchmal ist es etwas schwierig, den Hauptberuf mit dem Kirchenamt zu verbinden, dann nämlich wenn Thomas Gruber im Kino am Samstagabend Spätschicht hat. „Dann komm' ich aus Bamberg früh um 2 Uhr nach Hause. Und am Sonntag steht früh um 8.45 Uhr Gottesdienst in Neuensorg auf dem Plan.“ Innerhalb der Pfarrei kommt Thomas Gruber nicht nur in Schwürbitz, Michelau und Neuensorg, sondern auch in Schney oder Buch am Forst zum Einsatz.

Thomas Gruber ist innerhalb des Teams bestehend aus Pfarrer Matthias Hain, Pfarrer Gundolf Beck, Prädikantin Dorothea Benecke, Pfarrerin Tanja Vincent, eine feste Größe. „Dabei sollen Lektoren und Prädikanten nicht nur Lückenfüller sein, sondern sie kommen wie die hauptamtlichen Pfarrer regelmäßig in den Kirchengemeinden zum Einsatz,“ ergänzt Pfarrer Matthias Hain.

Von Klaus Gagel

Weitere Artikel