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LETTENREUTH

Seit 100 Jahren ist Lettenreuth eine Pfarrei

Seit 100 Jahren ist Lettenreuth eine Pfarrei
Die Pfarrkirche St. Laurentius. Lettenreuth feiert heuer das Jubiläum "100 Jahre Erhebung zur Pfarrei.“ Foto: Horst Habermann

Mit einem Festgottesdienst beging die Pfarrei St. Laurentius Lettenreuth das Jubiläum „100 Jahre Erhebung zur Pfarrei“, wie berichtet. Da die Feier mit Dekan Lars Rebhan im Freien stattfand, hatte man kein Besucherproblem, wie Pfarrgemeinderatsvorsitzender Julius Fischer feststellte. Wegen der Pandemie wurde auf die geplante Ausstellung verzichtet und stattdessen eine Jubiläumsschrift veröffentlicht. Neben der Pfarrhistorie gibt sie auch Einblick in die Ortsgeschichte.

Seit 100 Jahren ist Lettenreuth eine Pfarrei
Ausgrabungen am Standort der alten Kapelle im Jahr 1946. Foto: Horst Habermann

Der Name Lettenreuth bezieht sich auf das ursprüngliche Rodungsdorf der fränkischen Ahnen, die im 11. Jahrhundert den Wald rodeten und den Lehmboden urbar machten. Nach der Überlieferung sollen die Mönche von Klosterlangheim auf dem Weg nach Sonnefeld am Nonnenbach Rast eingelegt und dabei eine Linde gepflanzt haben, auf die die Lettenreuther stolz sind, wird doch ihr Alter doch auf 800 bis 850 Jahre beziffert.

An der alten Höhenstraße stand eine achteckige Kapelle

Seit 100 Jahren ist Lettenreuth eine Pfarrei
Ein Modell der ehemaligen Kapelle von Lettenreuth. Foto: Horst Habermann

Die Geschichte der Kirche reicht weit zurück, wenn auch nicht an der heutigen Stelle. Oberhalb des Orts verlief eine alte Höhenstraße nach Marktgraitz, dem damals für Lettenreuth zuständigen Pfarrort. An der Kreuzung dieser Höhenstraße mit der alten Verbindung über Weidhausen nach Sonnefeld stand bis 1753 eine Kapelle „Heilig Grab und St. Laurentius“, deren Reste 1946 bei archäologischen Ausgrabungen auf Initiative des damaligen Pfarrers Joseph Herrmann Lux gefunden wurden. Es war ein kleines achteckiges Gotteshaus im romanischen Stil mit einem Pyramidendach und einem Dachreiter. Vermutlich im Bauernkrieg und im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kapelle verwüstet. Jährlich fanden vier Gottesdienste statt. Wegen Baufälligkeit und Platzproblemen gab es 1724 erste Bestrebungen nach einem Ersatzbau.

Seit 100 Jahren ist Lettenreuth eine Pfarrei
Historische Aufnahme einer Prozession in Lettenreuth. Foto: Horst Habermann

Die „Reuther“ waren gläubige Menschen, sonst wäre der schöne Barockbau nicht nicht entstanden. Anno 1754 bestanden 49 Haushalte im Ort, darunter Ziegler in Oberreuth und Korbmacher in Lettenreuth. Eine Gemeindeschmiede und das Gemeindebrauhaus sind nachgewiesen. 1804 lebten in Lettenreuth und Oberreuth 208 Einwohner in 37 Häusern. Inzwischen sind es 468 Einwohner.

Den Barockbau entwarf Johann Jakob Michael Küchel

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Laurentius wurde von 1753 bis 1758 als Sichtsandsteinquaderbau im Barockstil erbaut und am 29. September 1759 vom Würzburger Weihbischof Daniel Johann Anton von Gebsattel als Filialkirche der Pfarrei Graitz (Marktgraitz) geweiht. Die von Johann Jakob Michael Küchel entworfene Zentralanlage wird zu den bemerkenswertesten Landkirchen am Obermain gezählt.

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Die Pfarrkirche St. Laurentius steht im Mittelpunkt des Jubiläums. Foto: Horst Habermann

1724 hielt Pfarrer Heinrich Höhn die ersten Gedanken zum Neubau einer Laurentius-Kirche fest. Der zuständige Würzburger Bischof genehmigte 1725 die Planungen. Der Landesherr, das Bamberger Hochstift, stimmte nach längeren Auseinandersetzungen 1738 zu. Die Finanzierung erfolgte durch eine Kapellenstiftung. Ein Entwurf des Bamberger Hofbaumeisters Justus Heinrich Dientzenhofer von 1740 wurde vor Ort abgelehnt. Der Planung des Staffelsteiner Baumeisters Johann Thomas Nißler stimmte die Bamberger Regierung nicht zu.

Den Lettenreuthern war die geplante Kirche zu klein

Schließlich erhielt der Hochstiftsingenieur Johann Jakob Michael Küchel 1751 den Auftrag für den Entwurf eines fast runden Zentralbaus, 18 Meter breit, 14 Meter lang und 7,50 Meter hoch. Am 4. Juli 1753 folgte die Grundsteinlegung. Johann Thomas Nißler und der Lichtenfelser Maurermeister Johann Schnapp errichteten das Bauwerk – auch mit Baumaterial der alten Kapelle. Die Kirchengemeinde mit rund 200 Mitgliedern empfand den Neubau als zu klein und veranlasste, dass das Langhaus um etwa 3,3 Meter länger und die Empore größer gebaut wurde als vorgesehen. 1755 war der Rohbau abgeschlossen und 1756 folgte die Segnung.

Seit 100 Jahren ist Lettenreuth eine Pfarrei
Historische Aufnahmen der Lettenreuther Pfarrkirche St. Laurentius. Foto: Horst Habermann

Die Einrichtung mit Empore, der Kanzel und den Nebenaltären folgte in den 1760-er Jahren. Ein Hochaltar wurde 1789 aufgestellt. Anfang des 19. Jahrhunderts kam Lettenreuth zum Erzbistum Bamberg. 1850 richtete der Bamberger Erzbischof Bonifaz Kaspar von Urban eine Lokalkaplanei ein, die 1886 zur Kuratie und 1921 zur Pfarrei erhoben wurde. Zwischen 1853 und 1855 ließ die Pfarrgemeinde Lettenreuth eine größere Renovierung durchführen und erwarb zwei neue Glocken. 1889 wurde der barocke Hochaltar durch einen in Neurenaissanceformen ersetzt. Die Seitenaltäre stammen aus demselben Jahr. 1893/94 folgten erneut umfangreiche Restaurierungsarbeiten. Dabei entstand wohl das Deckengemälde. 1897 wurde die Sakristei verlängert und ein seitlicher, neubarocker Verbindungsgang zur Kirche errichtet. 1934 folgte eine Erneuerung des Laiengestühls Weitere Restaurierungsarbeiten erfolgten 1951 bis 1954, 1971 bis 1974 und 19879/1990. Im Dachreiter hängen drei Glocken, die älteste von Jahr 1448 und wurde von der Pfarrei Mistelfeld erworben.

Die in spätitalienischem Stil gebaute Kirche zeugt mit ihrer repräsentativen Fassade, den monumentalen Dachreitern und dem geschweiften Dach, der prächtigen Innenausstattung mit vom Klassizismus geprägter Stuckdecke von gereiftem Kunstsinn. Von 1989 bis 1990 wurde die Pfarrkirche innen restauriert, zugleich wurde auch ein barocker Volksaltar und Ambo angeschafft.

Sechs Seelsorger betreuten die Pfarrei von 1921 bis 1989

Seit 1921 bis 1989 waren in Lettenreuth die Priester Johann Hermann, Petrus Bausenwein, Joseph Trautner, August Schiller, Hermann Joseph Lux und Karl Grundler tätig. Von 1989 bis 1998 betreute Pfarrer Wolfgang Scherbel aus Marktzeuln die Pfarrei, von 1998 bis 2007 der Schwürbitzer Pfarrer Ireneusz Zorawski, von 2007 bis 2011 von Pfarrer Martin Ninaparampil aus Schwürbitz, von 2011 bis 2017 von Dekan Pfarrer Michael Schüpferling (Marktgraitz) und seitdem von Dekan Pfarrer Lars Rebhan (Marktgraitz).

Von Horst Habermann

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