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MARKTZEULN

Schützengesellschaft Marktzeuln: Alles wird nachgeholt

Das aktuelle Königshaus der Marktzeulner Schützen: (v. li.) Schützenkönig Jan Wagner, Jungschützenkönig Sinan Özcakmak und Schützenkönigin Petra Haderlein. Foto: Karin Sträßner

Die Lindenblüten duften am Schützenhaus. Das Plätschern der nahen Rodach ist zu hören. Doch sonst ist es ruhig. Normalerweise wären die Nachwehen des „Zeulner Freischießens“ noch zu spüren. Die Aufräumarbeiten wären wohl noch im vollen Gange.

Vom 25. Bis 30. Juni wäre der Schützenplatz mit unzähligen Menschen aus nah und fern gefüllt gewesen. Zumal in diesem Jahr das 200-jährige Bestehen der Schützengesellschaft Marktzeuln gefeiert werden sollte. Doch leider machte auch hier die Corona-Pandemie den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung. Alle Vereinsaktivitäten waren lange Zeit zum Erliegen gekommen.

Trockenübungen im heimischen Wohnzimmer

Aber die Schützen waren nicht faul. Viele Mitglieder hielten sich währenddessen mit Trockenübungen fit. Laufchallenges (die Herausforderung, gegeneinander örtlich getrennt zu laufen), Videokonferenzen oder virtuelles Zukicken eines Balles mittels moderner Medien war in diesem Fall die Sache der Schützen nicht. Doch mit Trockenübungen, in denen sich so mancher seine Zielscheibe im Wohnzimmer aufhängte, punkteten die Zeulner Schützen.

„Man muss die Ruhe und das Ziel finden,“ erklärt Vorsitzender Ulrich Haderlein. Dafür müssten die Konzentration, die Muskeln und natürlich das Auge trainiert sein. Selbstverständlich sei kein Schuss im heimatlichen Wohnzimmer abgegeben worden. Aber die Vorbereitung bis dahin war immerhin möglich. Die Stände waren in der viermonatigen Zwangspause komplett geschlossen. Auch als einzelner Schütze konnte also nicht trainiert werden.

Königshaus regiert weiter bis zum nächsten Jahr

Freischießen 2019: Stimmungsvoll ging es nicht nur am Montag zu. Foto: Heinz Fischer

Zurück zum Freischießen: Das Königshaus 2019 regiert bis 2021 weiter. Eine ungewöhnlich lange Zeit für Schützenkönig Jan Wagner, Schützenkönigin Petra Haderlein und Jungschützenkönig Sinan Özcakmak.

Sowohl das Freischießen als auch das Böllertreffen und das Bürger- und Vorderladerschießen (welches das größte im oberfränkischen Raum ist) mussten ausgerechnet im Jubiläumsjahr abgesagt werden. Aber, es wird alles nachgeholt.

Lediglich der Festkommers Ende Februar in der Turnhalle konnte abgehalten werden. Das Böllerschießen findet voraussichtlich am 19. Juni 2021 statt, und das Jubiläumsfreischießen von 24. Juni bis 29. Juni 2021.

Ab 8. Juli wird wieder scharf geschossen

Bis dahin wird trainiert. Ab 8. Juli geht es wieder los. Natürlich gilt auch für die Schützen ein spezieller Reinigungs- und Desinfektionsplan, eine Dokumentationspflicht und ein Hygienekonzept. Die Auflagen unterscheiden sich für das Training in Raumschießanlagen oder fürs Training im Freien.

„Leider sind die Infos zu den Trainingsbedingungen

vom Bayerischen

Sportschützenbund (BSSB) sehr zögerlich gekommen. Für uns eigentlich zu spät.“

Ulrich Haderlein,

Vorsitzender

„Leider sind die Infos zu den Trainingsbedingungen vom Bayerischen Sportschützenbund (BSSB) sehr zögerlich gekommen. Für uns eigentlich zu spät,“ bedauert der Vorsitzende. Die Einhaltung der Auflagen bedeute für den Verein eine Menge Arbeit. Vorerst werde es bei den Zeulner Schützen keinenWirtschaftsbetrieb geben, ab 8. Juli aber wieder Biergarten-Betrieb. Zu diesem Zeitpunkt beginnt auch wieder das Training.

Zuschauer und Fremdschützen sind dann nicht erlaubt. Lediglich fünf Leute dürfen sich im Stand befinden, eine Aufsicht und vier Schießende.

Seit kurzem läuft auch wieder ein Arbeitseinsatz.

Bei einem weiteren Ausfall würde es eng, aber dieser ist zu verkraften

Natürlich entgehen dem Marktzeulner Schützenverein sämtliche Einnahmen der diesjährigen Veranstaltungen. Der Ausfall des Freischießens, welches die Haupteinnahmequelle darstellt, ist schmerzlich. Dennoch meint Ulrich Haderlein: „Ein Jahr Ausfall können wir verkraften, bei zwei Jahren wäre es dann schon eng.“

Früher konnte man sich wohl von den Steuerabgaben „freischießen“

Noch ruhen die Aktivitäten der Marktzeulner Schützen. Doch ab achten Juli wird wieder trainiert. Foto: Karin Sträßner

Beim Begriff „Freischießen“ gibt es verschiedene Theorien zur Entstehungsgeschichte. Einer Sage nach konnte sich der beste Schütze für ein Jahr von seinen Steuerabgaben „freischießen“. Doch heute ist mit der Königswürde keine Steuerbefreiung mehr verbunden.

Schon über 100 Jahre wird das „Zeulner Freischießen“ ausgerichtet. Es ist eines der beliebtesten und eines der größten Schützenfeste unserer Region und weit über die Grenzen von Marktzeuln hinaus bekannt.

Im Marktzeulner Schützenverein sind ungefähr 170 Mitglieder vereint - etwa 60 Prozent Männer. Der Altersdurchschnitt sei relativ hoch, da Kinder unter zehn Jahren nicht an die Waffen dürfen. „Deshalb sind viele Jugendlichen dann bereits in anderen ortsansässigen Vereinen fest integriert, und für den Schützenverein bleibt keine Zeit mehr,“ bedauert der Vorsitzende die Nachwuchssituation.

 

Von Karin Sträßner

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