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REDWITZ

Redwitz hat jetzt seine Mitte

Redwitz hat jetzt seine Mitte
Die Ladys schwebten förmlich über den neuen Marktplatz, teilten Süßigkeiten aus und suchten den Kontakt mit den Besuchern. Foto: Thomas Micheel

Mit der Einweihung des neu gestalteten Marktplatzes mit Loggia schaffte die Gemeinde Redwitz einen wichtigen Meilenstein in der städtebaulichen Ortskernsanierung und zur Belebung der Ortsmitte. Das gemeinsame Ziel ist, wieder mehr Aktivität ins alte Ortszentrum zu bringen und es zu einem gemeinsamen Treffpunkt für alle Generationen und Kulturen werden zu lassen. Die Gemeinde befindet sich hier in Mitten eines Prozesses, der sie bereits über viele Jahre begleitet und auch noch eine geraume Zeit begleiten wird. Dank großzügiger Unterstützung durch die Städtebauförderung von Bund und Land sind erste Projekte bereits geschafft, weitere stehen noch an.

Der neue Marktplatz sowie der davor liegende Straßenzug bewährten sich am Samstag mit den zahlreichen Sitzmöglichkeiten und Verkaufsständen als idealer und großräumiger Festplatz und ließ die Ortsbewohner und viele Gäste einen abwechslungsreichen und stimmungsvollen Abend unter fast normalen Umständen verbringen.

Den Opener bildete die Blaskapelle Marktgraitz, die mit ihren Musikstücken und bekannten Liedern gleich Stimmung aufkommen ließ. „Das Eich“ führte in einem ersten Block humorvoll in den weiteren Abend ein und brachte das Publikum mit „Gschichtla“ über typisch fränkische Verhaltensweisen zum Schmunzeln.

Redwitz hat jetzt seine Mitte
Großes Interesse herrschte an der Einweihung des neu gestalteten Marktplatzes; im Hintergrund die Blaskapelle Marktgraitz. Foto: Thomas Micheel

Nach der Begrüßung stellte Bürgermeister Jürgen Gäbelein in seinem Rückblick fest, dass man sich an dieser Stelle im historischen Ortskern, dem ältesten Bereich von Redwitz und dessen über 750-jährigen Geschichte befinde. Am Marktplatz spielte sich ein großer Teil des Dorflebens ab. „Mit dem Schritt vom Handwerkerdorf zur Industriegemeinde hat sich der Wohnraumbedarf schnell erhöht. Während Redwitz nach außen gewachsen ist und Wohnsiedlungen entstanden sind, hat der Innenort über die Zeit an Funktion verloren“, erinnerte der Bürgermeister.

Überlegungen zur Neugestaltung bereits seit Ende der 1980-er

Das öffentliche Leben habe sich immer mehr aus der Ortsmitte zurückgezogen, Geschäfte seien verschwunden und Gastwirtschaften wurden geschlossen. Gäbelein: „Da die Ortsmitte unansehnlicher wurde, sind bereits Ende der 1980-er Jahre Überlegungen und Planungen für die Erneuerung und Wiederbelebung aufgenommen worden. In den 1990-er Jahren wurde unter Bürgermeister Jochen Neumann ein umfassendes Konzept zur Neugestaltung des Areals erarbeitet, das als zentrales Projekt einen Umbau des ehemaligen Hölleinhauses an dieser Stelle zum Rathaus vorsah. Mit viel Energie und Beharrlichkeit brachte Neumann in seiner Amtszeit den Stein ins Rollen und gewann die bayerische Städtebauförderung und weitere Fördermittelgeldgeber für die Gemeinde.“

Erste Teilabschnitte wurden angegangen. Im Jahr 2002 habe sich der neu konstituierte Gemeinderat gegen die Sanierung und den Umbau des Höllein-Anwesens zum Rathaus entschieden, so das Gemeindeoberhaupt weiter. „Damit stieg auch die Städtebauförderung aus dem Gesamtvorhaben aus. Erst 2009 ist es unter Bürgermeister Christian Mrosek mit Unterstützung verschiedener politischer Amtsträger gelungen, wieder in die Städtebauförderung aufgenommen zu werden.“

Ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept sei erarbeitet worden, und ab 2012 habe man die ersten baulichen Maßnahmen umsetzen können. Insgesamt habe Mrosek in seiner Amtszeit einige Projekte rund um das Ortszentrum anstoßen und realisieren können. Hier erinnerte Gäbelein an das gelungene Fest zur Einweihung des Bürgerhauses im Juli 2019.

„Die Gemeinde Redwitz hat eine Kombination aus verschiedenen Städtebauförderungsprogrammen klug genutzt“
Heidrun Piwernetz, Regierungspräsidentin
Redwitz hat jetzt seine Mitte
Bürgermeister Jürgen Gäbelein mit den Festrednern des Abends, Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, MdB Emmi Zeulner und Landrat Christian Meißner (v. re.). Foto: Thomas Micheel

Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz bezeichnete den Tag als Freudentag. Denn in Oberfranken wolle man den Wandel gemeinsam aktiv steuern, und dazu gehörten unbedingt lebendige, vitale Ortsmitten, in denen sich die einheimische Bevölkerung wohlfühlt. Die Staatsregierung unterstütze die Gemeinden bei ihrem Engagement für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung und setze dabei auf finanzielle Anreize.

Zwei millionenschwere Projekte abgewickelt

„Die Gemeinde Redwitz hat eine Kombination aus verschiedenen Städtebauförderungsprogrammen klug genutzt“, lobte die Regierungspräsidentin. Sie wertete es als eine große Leistung für eine Gemeinde dieser Größe, zwei millionenschwere Großprojekte so abzuwickeln. Seit 26 Jahren sei Redwitz in der Städtebauförderung. „Bayern und der Bund unterstützen die Kommune bei ihren Bemühungen um Daseinsvorsorge und Erneuerung und damit einer nachhaltigen Stadtentwicklung tatkräftig.“

Mit dem Bürgerhaus sah sie die Ortsmitte attraktiver und mit neuer Funktion. Sie werde nun ergänzt durch einen neu definierten, kulturellen Platz, prägend und identitätsstiftend zugleich. „Und die Zweckbestimmung des neuen Marktplatzes ist auch sein Auftrag: Die Förderung der Integration und gesellschaftlicher Mittelpunkt für alle Alters- und Bevölkerungsgruppen“, sagte die Regierungspräsidentin.

Der neu gestaltete Marktplatz bilde im Zusammenhang mit dem Bürgerhaus und den angrenzenden Freiflächen künftig das Ortszentrum von Redwitz. Entstanden sei ein Ort mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, ein Treffpunkt, der zum Verweilen einlädt, ein Ort der Kommunikation und des Miteinanders.

Für die Maßnahme seien Fördermittel in Höhe von über einer Million Euro aus der Förderinitiative „Innen statt Außen“ zur Verfügung gestellt worden. Diese Summe mache deutlich, welch wichtiges Instrument die Städtebauförderung für die Unterstützung von Kommunen darstellt. „Seit 1995 hat die Gemeinde Redwitz für die Stadtsanierung Fördermittel von Bund und Land in Höhe von insgesamt rund 4,6 Millionen Euro erhalten“, sagte sie, nun sei es an der Zeit, den Ort mit Leben zu erfüllen.

Lob für Einbeziehung der Bürger

Landrat Christian Meißner sah mit der Einweihung einen schönen Anlass und freute sich mit Redwitz über diesen neuen Platz. „Redwitz hat jetzt seine Mitte“, stellte er fest. Er lobte die Förderprogramme und fand es gut, dass die Bürger in den Entstehungsprozess mit einbezogen wurden.

Auch MdB Emmi Zeulner (CSU) freute sich, dass Redwitz die Chance genutzt hat. Sie sah mit dem neugestalteten Marktplatz eine wunderbare Visitenkarte. Denn die Idee der Städtebauförderung sei es Akzente zu setzen.

Redwitz hat jetzt seine Mitte
Pastoralreferent Johannes Haaf und Pfarrer Daniel Steffen Schwarz (v. re.) stellten den neuen Platz unter den Segen Gottes. Foto: Thomas Micheel

Pfarrer Daniel Steffen Schwarz stellte fest, dass das Ziel, das gesetzt worden war, nun erreicht ist. Mit dem Platz sah er eine wertvolle Bereicherung und einen Treffpunkt für viele Gelegenheiten. Pastoralreferent Johannes Haaf wusste, dass Plätze in Gemeinden Begegnungsorte von Menschen verschiedener Art sind. Zugleich seien sie das Fundament des friedlichen Zusammenlebens. Den Platz stellten die beiden Geistlichen unter den Segen Gottes und dessen schützende Hand.

Gäbelein sprach dem Vorbereitungsteam aus Verwaltung, Bauhof und örtlichen Vereinen und allen, die zum Gelingen beigetragen haben seinen Dank für diese gelungene Veranstaltung aus. „Ich übergebe nun den neuen Marktplatz im Namen der Gemeinde offiziell seiner Bestimmung“, schloss der Bürgermeister.

Bunter Showteil sorgte für gute Unterhaltung

„EICH-haltig“ ging es weiter mit Musik, Kabarett und Komik, bevor „Die Rossinis“ mit einer Show und Gesang im südländischen Flair, den besten Songs der 1950-er und 1960-er sowie heißen Latin-Rhythmen, Charts- und Disco-Hits aufspielten. Auch das Tanzbein wurde geschwungen, und der Abend setzte sich stimmungsvoll fort. Immer wieder ein schönes Bild gaben die als Überraschung auftretenden „Ladies auf Stelzen“, die über das Gelände „schwebten“, Süßigkeiten austeilten und mit den Gästen ins Gespräch kamen.

Von Thomas Micheel

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