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LICHTENFELS

Permakultur-Projekt in Redwitz: Wie funktioniert das?

Permakultur-Projekt in Redwitz: Wie funktioniert das?
Das Gemüsebeet ist der einzige Ort, der intensiv bewirtschaftet wird und regelmäßige Pflege braucht. Gegossen wird bei Anna und Matthias überwiegend mit Regenwasser. Foto: Marion Nikol

Unabhängigkeit, Selbstversorgung, Regionalerzeugung – in Zeiten steigender Lebensmittelpreise rücken diese Schlagworte stärker denn je in den Vordergrund. Zwei junge Menschen, die sich bereits seit Längerem mit diesen Themen beschäftigen, sind Anna Rübensaal aus Lichtenfels und Matthias Wendel aus Redwitz. Sie haben vor zwei Jahren ein sogenanntes Permakultur-Projekt ins Leben gerufen, bei dem es darum geht, regionale Lebensmittel im Einklang mit der Natur zu produzieren und dabei stabile sowie robuste Ökosysteme entstehen zu lassen.

Das Vorhaben nahm bereits 2018 seinen Anfang, als Anna und Matthias durch mehrere Länder Asiens und Afrikas reisten und in Anbetracht der dort herrschenden Armut und Plastikverschmutzung anfingen, ihr eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen. „Wir sind dann durch Zufall über eine TV-Doku auf das Thema Permakultur gestoßen und waren von der Idee dahinter absolut begeistert. Von da an wuchs der Wunsch in uns, selbst aktiv zu werden und einen positiven Beitrag zu leisten“, erinnert sich Matthias Wendel.

Konzept richtet sich nach Sonnenlauf und Bodenbeschaffenheit

Permakultur-Projekt in Redwitz: Wie funktioniert das?
Sie haben sich viel vorgenommen: Anna Rübensaal und Matthias Wendel haben im Herbst 2020 auf einer Fläche unweit von Redwitz ein Permakultur-Projekt gestartet, bei dem Lebensmittel nicht auf Kosten der Umwelt, sondern im Einklang mit der Natur produziert werden sollen. Foto: Marion Nikol

Für den Start des Projekts hatten die beiden gute Bedingungen: Da Matthias' Eltern einen landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb besitzen, standen sowohl eine Fläche unweit von Redwitz als auch Gerätschaften zur Verfügung. Bevor es aber losgehen konnte, hieß es erst einmal, die örtlichen Gegebenheiten wie Sonnenverlauf und Bodenbeschaffenheit zu analysieren und ein passendes Konzept zu entwickeln. Eine zentrale Rolle spielen dabei sogenannte Gestaltungselemente, die bestimmte Funktionen erfüllen und sich bestenfalls positiv untereinander beeinflussen.

Die Vielfalt an Gestaltungselementen ist groß: Auf ihrer Fläche in Redwitz haben Anna und Matthias beispielsweise ein Gemüsebeet sowie angrenzend eine Totholzhecke angelegt, die das Gemüse vor starkem Wind und den Boden vor Austrocknung schützt und gleichzeitig Lebensraum für Eidechsen bietet, die wiederum als Fressfeinde den Bestand der Schnecken regulieren sollen. Darüber hinaus wollen die beiden unter anderem eine Obstbaumwiese, einen Teich und einen Waldgarten anlegen sowie eine Experimentierfläche für eine Pilzzucht entstehen lassen. „Das Faszinierende an der Permakultur ist, dass wir von Ökosystemen lernen und mit diesem Wissen dann auch selbst robuste Systeme entwickeln, die Erträge wie Obst, Gemüse und Kräuter liefern“, erklärt Anna Rübensaal. „Man kann es sich im Prinzip als eine Art essbare Biotope vorstellen. Ein schönes Beispiel hierfür ist der Waldgarten, der sich am Urwald als natürliches Vorbild orientiert und aus verschiedenen Schichten besteht: Große Nussbäume und Obstbäume finden hier ebenso Platz wie Rankpflanzen, Beerensträucher, Gemüse und Kräuter.“

Permakultur-Projekt in Redwitz: Wie funktioniert das?
Kluge Kombination: Werden Gemüse oder Kräuter unter Bäumen gepflanzt, hat dies sowohl für den Baum als auch für die Pflanzen viele Vorteile. Foto: Marion Nikol

Mit möglichst geringem Aufwand hohe Ernteerträge zu erzielen gelingt bei Permakultur-Projekten also vor allem durch die kluge Kombination von Gestaltungselementen nach dem Vorbild der Natur. Werden beispielsweise Kräuter und Gemüse unter Bäumen gepflanzt, schützen sie diese vor konkurrierendem Grasbewuchs, während die Bäume wiederum die Pflanzen vor Hagelschlag schützen und Schatten spenden. „Manches Gemüse wie der Meerrettich kann sogar dabei helfen, hungrige Wühlmäuse davon abzuhalten, die Baumwurzeln anzunagen“, erklärt Anna Rübensaal.

Jeder kann die Prinzipien im eigenen Garten anwenden

Die durchdachten Prinzipien lassen sich auch im eigenen Garten umsetzen, wie die junge Frau weiter erklärt: „Grundsätzlich können wir nur jedem raten, die Angst vor Unordnung etwas zu überwinden und ein paar wilde Zonen zuzulassen, wie zum Beispiel ein Wildblumenbeet oder einen Laubhaufen. Das kostet wenig Arbeit und bietet Tieren auch die Möglichkeit, Nahrung und Unterschlupf zu finden. In Kombination mit anderen Gestaltungselementen wie einer Kräuterspirale, einem Mandalabeet oder einem Teich können solche Gärten sehr schön aussehen.“

Erste Ernteerfolge konnten Anna und Matthias bereits im vergangenen Sommer feiern und sich unter anderem mit Mangold, Erbsen, Bohnen oder auch Rucola selbst versorgen. Eine besondere Herausforderung stellt allerdings der aktuelle Sommer dar: „Unsere im Frühjahr gepflanzten Sträucher können der Hitze und langen Trockenheit nur schwer trotzen. Wir benötigen dringend Regen. Darüber hinaus sind viele unserer Jungpflanzen von Schnecken vertilgt worden oder wegen der Dürre nicht einmal aufgegangen“, berichtet Matthias Wendel.

Permakultur-Projekt in Redwitz: Wie funktioniert das?
Robuste Ökosysteme liefern im Sinne der Permakultur-Prinzipien nicht nur essbare Erträge, sondern schaffen auch Lebensraum für Tiere wie Eidechsen, die wiederum natürliche Fressfeinde von Schnecken sind. Foto: Marion Nikol

Den Kopf in den Sand stecken werden die beiden allerdings nicht. Immerhin konnten sie sich an den vorhandenen Erträgen wie Erdbeeren, Zuckerschoten und Radieschen erfreuen und sind zuversichtlich, dass im Laufe der Saison noch das ein oder andere Gemüse im Erntekorb landen wird. „Auch wenn es einmal Rückschläge gibt, so lernen wir daraus und machen mit den gewonnenen Erkenntnissen weiter“, betont Matthias. So kommt es für die beiden auch nicht in Frage, die gefräßigen Schnecken zu töten. „Wir sind davon überzeugt, dass sich in den nächsten Jahren ein natürliches Gleichgewicht einstellen wird, und glauben weiterhin an unser Prinzip von Vielfalt statt Einfalt und Pflanzenwissen statt Chemie“, bringt es Anna Rübensaal abschließend auf den Punkt.

Mehr Informationen zum Thema Permakultur sowie Einblicke in ihr Projekt in Redwitz stellen Anna und Matthias auf ihrem Instagram-Kanal @pflanz.aus.der.reihe zur Verfügung.

Von Marion Nikol

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