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SCHWÜRBITZ / BURKHEIM

Ortstermin Schwürbitz: Biber machen sich nicht nur Freunde

Ortstermin Schwürbitz: Biber machen sich nicht nur Freunde
Michael Bienlein betrachtet den Biberdamm. Foto: Esther Schadt

Lose Äste, Zweige, Steine und Schlamm sind zu einem undurchdringlichen Wall zusammengesteckt. Mit ihren Dammbauten stauen Biber ganze Bäche auf. Durch das Aufstauen der Gewässer kommt es zu Überschwemmungen an Randbereichen. Außerdem stehen Feldfrüchte, wie etwa Zuckerrüben und Mais, in Gewässernähe auf dem Tagesmenü des Biber.

Ortstermin Schwürbitz: Biber machen sich nicht nur Freunde
Die Erlen vertragen die Staunässe nicht auf Dauer. Foto: Esther Schadt

Am vergangenen Donnerstag fand ein Ortstermin des Bayerischen Bauernverbandes und der Landwirte statt. Diese informierten Kommune, Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt über das Ausmaß der entstandenen Schäden. Gemeinsam mit Naturschützern wurden verschiedene Lösungsmöglichkeiten diskutiert.

Dreifaches Problem: Biber, Schilf und Ebene

Gegenüber des Schwürbitzer Rudufersees hat sich der Biber niedergelassen. „Wir sind hier bis Schwürbitz in einem flachen Gebiet. Deshalb kann das Wasser nicht ablaufen“, erklärt der ortsansässige Landwirt Martin Söllner. „Außerdem staut das Schilf.“ Somit bestehe ein dreifaches Problem: Biber, Schilf und Ebene. Wo früher noch Heu angebaut werden konnte, wachsen nun Binsen.

Ortstermin Schwürbitz: Biber machen sich nicht nur Freunde
Bauern und Naturschützer sind sich nicht immer einig. Foto: Esther Schadt

Michael Bienlein, BBV-Kreisobmann, empfiehlt einen Managementplan nach dem Vorbild des bereits bestehenden „Wald-vor-Reh“. Es ist für ihn eine Frage der Wertigkeit zwischen Acker und nassem Sumpfloch: „Die Eigentümer würden sonst enteignet“.

Durch das Schilf „bringen wir den Wasserstand nicht mehr runter

Ortstermin Schwürbitz: Biber machen sich nicht nur Freunde
Die verschiedenen "Baustellen" werden vor Ort besucht; links Edwin Kraus (mit Cap) Foto: Esther Schadt

Landwirt Söllner hat bereits Flächen austauschen müssen und baut derzeit Sojabohnen an. „Das Gebiet war schon immer schwierig“, gesteht er. Jedoch durch das Schilf „bringen wir den Wasserstand nicht mehr runter“. Durch Maßnahmen im Jahr 2016, bei denen Gelände für Hochwasserschutz abgetragen und Bäume gefällt worden seien, habe man den Bach in die Fläche gelegt. Und Schilf habe begonnen zu wachsen. „Wir brauchen eine Antwort, ob wir das Schilf wegmachen dürfen oder nicht“, fordert Söllner.

„Leider lässt sich der Biber

nicht einfach fortschicken.“

Edwin Kraus,

Mitglied Bauernverband

Die Idee entsteht, einen zwei Meter breiten Durchgang in der Mitte des Schilfwaldes zu schaffen. Bäume würden danach deren Platz einnehmen. „Vor dem Biber waren hier sehr viele Bäume“, erinnert sich Söllner. Die Naturschützer sind jedoch gegen den Einsatz von Moorbaggern, da dies „ein erheblicher Eingriff in die Natur“ wäre. Der Landwirt merkt an, dass bereits mit dem Hochwasserdamm ein Eingriff vorgenommen worden sei.

Ortstermin Schwürbitz: Biber machen sich nicht nur Freunde
Edwin Kraus erklärt sein Biberproblem. Foto: Esther Schadt

Zweiter Bürgermeister Jochen Weber empfiehlt eine Frühjahrs- und Herbstmähung. Problematisch sei das schnelle Nachwachsen des Schilfs, hieß es. „Wäre es nicht sinnvoller, eine Leitung zu legen statt zu baggern?“, schlägt Hans-Jürgen Rebelein, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes, vor. Dies wäre eine Lösungsmöglichkeit auf lange Sicht. Problematisch sei hier, dass für ein Rohr der Wasserstand zu seicht wäre, wurde entgegnet.

Der Gemeinde sind ihre Hausaufgaben aufgegeben

Ein Biberpärchen hat bis zu zehn Dammbauten in seinem Revier, die einen Wasserstand von etwa 1,50 Meter halten. Wird einer dieser Dämme entfernt, so baut sich der Nager in Kürze einen neuen. In einer Nacht schafft der Biber so bis zu 50 Zentimeter Baumdurchmesser. „Heute ist keine endgültige Entscheidung möglich. Der Gemeinde sind jetzt aber ihre Hausaufgaben aufgegeben“, fasst Weber zusammen. „Wir machen eine Bestandsaufnahme und analysieren das Gelände. Danach geht es zur Ursachenforschung, weshalb das Wasser nicht abläuft“, so der Zweite Bürgermeister. Angemessene Maßnahmen sollen so gefunden und ausgeführt werden.

Mehrere „Baustellen“ in Burkheim

Ein Anschlusstermin in Burkheim folgte. Edwin Kraus, Mitglied im Bayerischen Bauernverband, hat dort ebenfalls Probleme mit dem Biber. Bäche werden aufgestaut, weshalb es in den landwirtschaftlichen Flächen zu Bewirtschaftungsproblemen kommt. Zudem werden die heimischen Forellen im Bach durch die Biberdämme an ihrer Entwicklung gehindert.

„Leider lässt sich der Biber nicht einfach fortschicken“, sagt Kraus. Der Landwirt hat zusätzlich Fraßschäden auf seinen Maisfeldern zu verzeichnen, deren Überreste sich in Gewässernähe befinden. „Wir müssen Naturschutz und Eigentumsschutz in Einklang bringen“, erklärt Rebelein.

Ortstermin Schwürbitz: Biber machen sich nicht nur Freunde
Verschiedene Lösungsmöglichkeiten werden in Schwürbitz diskutiert. Foto: Esther Schadt

Landwirt Kraus führt die Anwesenden am Feld entlang, bis unter den Zweigen am Bach der Biberdamm mit einer geschätzten Höhe von 1,20 Meter erscheint. „Durch die Staunässe werden die Erlen demnächst absterben“, befürchtet Bienlein. Die Naturschützer vermuten die Biberburg in der Nähe des großen Damms.

Im Biberrevier befinden sich in der Regel zwei bis vier dieser Wohnbaue in unterschiedlichster Form. Der Eingang zum Wohnkessel ist etwa einen Meter unter dem Wasserspiegel, um Feinden den Zugang zu erschweren.

„Eine Dammdrainage

können wir nicht machen,

weil sonst die Lebensstätte

des Bibers zerstört wird.“

Naturschützerin

„Eine Dammdrainage können wir nicht machen, weil sonst die Lebensstätte des Bibers zerstört wird“, erklärt eine Naturschützerin. Der Eigentümer des angrenzenden Feldes entschied sich letzten Endes für einen Vertrag mit dem Naturschutz und erhält einen Ausgleich für die vorübergehend nicht-bewirtschaftbare Fläche. „Dämme bleiben zwar ein paar Jahre, aber nicht für die Ewigkeit“, wie die Naturschützerin versichert. Sobald sie leer stehen, können sie dann problemlos entfernt werden.

 

Von Esther Schadt

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