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REDWITZ

Neuer Treffpunkt in historischer Ortsmitte von Redwitz

Neuer Treffpunkt in historischer Ortsmitte von Redwitz
Der neu gestaltete Marktplatz mit der Loggia (re.) und der Kinderspielecke (li.). Foto: Thomas Micheel

Mit großzügiger Unterstützung durch die Städtebauförderung von Bund und Land wird die historische Ortsmitte in Redwitz seit einigen Jahren erneuert. Nach der Eröffnung des Bürgerhauses 2019 wird nun mit der Neugestaltung des Marktplatzes ein weiterer wichtiger Meilenstein erreicht. Im Rahmen einer kulturellen Veranstaltung wird dieser am Samstag, 4. September, der Öffentlichkeit übergeben.

Ausgangspunkt der Marktplatz-Umgestaltung war der Abriss des Hölleinhauses in den Jahren 2006/07 mit der Verfüllung der darunter liegenden Keller. Seither lag diese Fläche brach und stellte nicht unbedingt ein Schmuckstück in der Ortsmitte dar. Die neue Loggia nimmt städtebaulich die Raumkanten des ehemaligen Hölleinhauses auf und fasst den Platz nach Nordwesten ein.

Städtebauliche Missstände im Zentrum beheben

Nun, da die Umgestaltung abgeschlossen ist, lohnt ein Blick auf die Ausgangssituation und die Rahmenbedingungen. Um die über Jahrzehnte entstandenen städtebaulichen Missstände im Zentrum zu beheben, brachte die Gemeinde Redwitz Ende 2015 einen Planungswettbewerb für den Ortskern auf den Weg. Das Verfahren umfasste sowohl den Umbau des ehemaligen Gutmann-Hauses zu einem Bürgertreff als auch die Neugestaltung des Marktplatzes mit dem nördlich angrenzenden Höllein-Areal.

Das mit dem ersten Preis bedachte Konzept von bss Architekten, Nürnberg, für das Bürgerhaus wurde von 2017 bis 2019 realisiert. Zuvor hatte sich die Gemeinde statt der zunächst geplanten Sanierung des Altbaus für einen Neubau des Bürgertreffs entschieden. Für den Marktplatz und die angrenzenden Bereiche um das neue Bürgerhaus entschied sich der Gemeinderat 2018 für den Beitrag von WGF Landschaftsarchitekten, Nürnberg, denen im Planungswettbewerb im Team mit bss Architekten einer von zwei ersten Preisen zugesprochen worden war.

Mit einer Bauminsel aus Kastanien und Linden auf dem Marktplatz

Im Frühjahr 2018 erteilte die Gemeinde WGF Landschaftsarchitekten den Auftrag für die Entwurfsplanung und die Erstellung des Förderantrags im Rahmen der Städtebauförderung für die Freianlagen. Das Entwurfskonzept umfasst den Raum, der durch die randbildenden Gebäude im Umfeld als Ortskern definiert ist. Das neue Bürgerhaus bildet dabei den südlichen Abschluss und steht durch räumliche Freistellung und großzügige Anschlussflächen im Zentrum der neuen Mitte.

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Für viele Jahre ein gewohntes Bild: das Höllein-Haus am Marktplatz. Foto: Thomas Micheel

Die Loggia am gegenüberliegenden Rand des Höllein-Geländes besetzt den Grundriss des abgebrochenen, früheren Gasthauses gleichen Namens. Zwischen Bürgerhaus und Loggia liegt der neue Marktplatz. Das verkehrsfreie Höllein-Gelände ist besonders für Veranstaltungen und Feste wie die Kirchweih geeignet. Die bestehenden Bäume, Kastanie und Linden, liegen wie eine grüne Insel im Zentrum des Marktplatzes und bilden mit einer Höhe von 15 bis 18 Metern buchstäblich den räumlichen Höhepunkt. Die Bauminsel ist von einem etwa sitzhohen Sandsteinsockel begrenzt, der jedoch irreparabel verfallen war und erneuert werden musste.

Witterungsschutz mit Lager, Lounge und Raum für einen Thekenlbock

Die Loggia in Holzkonstruktion besetzt die nördliche Platzecke als Winkel mit einem Ost- und Westflügel. Sie steht auf der Grundstücksgrenze zum nördlich anschließenden Privatgrundstück und dient zunächst als Witterungsschutz für Veranstaltungen im Freien. Zum Platz hin ist sie durchgehend offen. Die übrigen Seitenwände sind holzverschalt, behalten jedoch großzügige Aussichtsfenster nach Norden und Osten auf die tiefer liegende Rodachaue. Der Zugang von der Straße „Am Berg“ führt über die sanierte Bestandstreppe.

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Vielfältig lässt sich die Loggia nutzen. Foto: Thomas Micheel

Im östlichen Teil des Innenraums liegen ein abschließbares Lager und ein Sitzbereich mit Loungemöblierung, ein Bücherschrank für das öffentliche Bücherangebot und ein Infoboard. Der Westflügel bietet Raum für einen Thekenblock mit entsprechender technischer Installation.

Rasenschotterkonstruktion für Teilbegrünung und Befahrung

Die Platzfläche ist als Festplatz geeignet und besteht aus einer Rasenschotterkonstruktion, die einerseits eine Teilbegrünung zulässt und andererseits für gelegentliche Befahrung geeignet ist. Sie ist hindernisfrei auf flexible Nutzung zugeschnitten. Auch für das Kirchweih-Festzelt ist sie ausreichend dimensioniert.

Nach Norden und Osten ist das Gelände durch eine Sockelmauer aus Sandsteinquadern begrenzt. Auf der Westseite wird der Festplatz mit einer Grünfläche abgeschlossen. Ergänzt wurde das Areal durch Schaffung von Sitzgelegenheiten und der Errichtung einer „Mitfahrbank“.

Mischverkehrsflächen und verkehrsberuhigte Bereiche

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Deutlich ist aus der Luft die zuvor brach liegende Grünfläche zu erkennen. Foto: Thomas Micheel

Die anschließenden Straßen erfüllen mehrere Funktionen. Auch wenn sie in Veranstaltungen einbezogen und, wenn nötig, zeitweise gesperrt werden können, müssen sie dennoch weiterhin für den fließenden und eingeschränkt auch den ruhenden Verkehr zur Verfügung stehen. Die beschriebenen Teilbereiche wurden deshalb zu Mischverkehrsflächen oder verkehrsberuhigten Bereichen umgestaltet.

Der Asphaltbelag der Ortsstraßen Am Markt/Am Berg war an zahlreichen Stellen beschädigt und insgesamt erneuerungsbedürftig. Für den neuen Belag wurde das bereits in der Kreuzung verwendete Granitpflaster aufgenommen und weitergeführt, sodass der gesamte Marktplatz einen einheitlichen Boden erhält.

Elektro- und Wasserversorung sowie Beleuchtung

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Der Zugang über die sanierte Bestandstreppe in die Loggia und zum Bücherschrank. Foto: Thomas Micheel

Auf der Nordostseite dieses Straßenabschnitts führt eine Treppe in mehreren Absätzen in die Kellerschlucht zur Rodach. Die begleitende Stützwand zwischen Straße und Treppe war bis zum ersten Gewölbeeingang baufällig und provisorisch abgestützt. Diese Wand wurde im Zuge der Straßensanierung stabilisiert und brüstungshoch erneuert.

Auf dem Höllein-Gelände sind bereits Anschlüsse zur Elektro- und Wasserversorgung vorhanden, die auch der Versorgung der Loggia dienen. Die Oberflächenentwässerung erfolgt über Rinnen und Einläufe in das bestehende Kanalsystem. Der Rasenschotter-Belag auf dem Festplatz ist teilversickerungsfähig, erhält jedoch Noteinläufe in das bestehende Entsorgungssystem.

Die bereits umfangreich vorhandene öffentliche Beleuchtung aus historisierenden Mastleuchten an der Hauptstraße, Am Markt, der Kronacher Straße und am Kirchberg wurde ergänzt. Hinzu kamen zeitgemäße Effektbeleuchtungen der Bauminsel, des Bürgerhauses und der Loggia. Der Brunnen innerhalb der Loggia wurde mittels eines begehbaren Glasdeckels als weitere Attraktion herausgearbeitet.

Programm der Eröffnungsfeier

Die Eröffnung am Samstag, 4. September, beginnt um 17 Uhr mit Musik von der Blaskapelle Marktgraitz. Von 18.30 bis 20.30 Uhr unterhält „Das Eich“ mit Musik-Kabarett, Komik und mehr. Gegen 19 Uhr folgen Festansprachen und Segnung. Danach spielen „Die Rossinis“ auf und unterhalten mit einer Show, Gesang, südländischem Flair, den besten Songs der 1950-er und 1960-er sowie heißen Latin-Rhythmen, Charts- und Disco-Hits. Für das leibliche Wohl mit Speisen und Getränken ist gesorgt.

Aufgrund der aktuellen Corona-Bestimmungen muss das Marktplatz-Areal für die Veranstaltung großräumig abgegrenzt werden und die Besucherzahl ist auf 500 beschränkt. Für den Zutritt ist vorab der Erwerb einer Eintrittskarte notwendig mit namentlicher Erfassung und Sitzplatzzuweisung. Die Eintrittskarten, deren Wert in Höhe von fünf Euro bei der Veranstaltung als Verzehrgutschein einlösbar sind, sind im Rathaus erhältlich. Die Gemeinde mit Bürgermeister Jürgen Gäbelein hofft auf Verständnis für diese etwas aufwändigen Maßnahmen, ohne die eine solche Veranstaltung jedoch nicht möglich wäre.

Von Thomas Micheel

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