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MARKTGRAITZ

Markgraitzer wandelt auf den Spuren der Rolling Stones

Andreas Reuther hat die Zeit des Lock-Downs nicht untätig verstreichen lassen. Einen Quarantäne-Song und ein Mini-Album hat der Marktgraitzer eingespielt. Foto: Red

In seiner Brust schlagen zwei kreative Herzen. Andreas Reuther ist von Beruf bildgestaltender Kameramann und in seiner Freizeit Hobbymusiker. Während die Sonne langsam untergeht und die Dreharbeiten schon längst zu Ende sind, blüht in seinem Innersten der Musiker auf, der auf dem Balkon seines Elternhauses in Marktgaitz wie ein Wasserfall über sein Steckenpferd redet. „Die Welt stand plötzlich still, und ich ließ meiner musikalischen Kreativität freien Lauf“, schweifen seine Gedanken in die Vergangenheit.

Diese Welt verdankt nicht nur den weltberühmten „Rolling Stones“ („Living In A Ghost Town“), sondern auch dem Musiker aus Marktgraitz einen Quarantäne-Song. Sein Titel: „Lock Me Up Inside“.

Worum geht es in der Lockdown-Weise? „Während draußen das Leben still steht, braucht ein Paar nur sich selbst, um glücklich zu sein“, antwortet der Musiker. Seit 14 Jahren spielt er in der heimischen Punkband „Redundant“, und seit 2014 gibt es auch noch das Soloprojekt „The Reason Was You“.

In Corona-Zeiten schlug Reuthers Kreativität noch weitere Purzelbäume: Dem kraftvollen Rocksong mit balladeskem Flair schickte der 30-jährige ein Mini-Album namens „Reclaiming The Past – Cause It Was Never Yours To Keep“ hinterher, auf dem der Künstler dem Punkrock die Sporen gibt. Veröffentlicht wurden die Songs auf der Videoplattform „Youtube“ und verschiedenen Streamingdiensten unter seinem Künstlernamen „The Reason Was You“.

Kreative Energie in die Musik gesteckt

Zu Beginn der Pandemie herrschte Ebbe in den Auftragsbüchern des Kameramanns. „Ich wollte nicht Däumchen drehen. Also steckte ich meine kreative Energie in die Musik“, erzählt der Künstler, der vor ein paar Jahren nach Berlin gezogen war, der alten Heimat aber beruflich und privat noch immer stark verbunden ist.

Reuther, der unter anderem für den aktuellen deutschen Basketballmeister „Alba Berlin“ dreht, ist froh, den Wunsch nach einer Profimusikkarriere abgehakt zu haben. Kameraleute dürfen unter Einhaltung von Hygienevorschriften wieder arbeiten, Musiker hingegen dürfen noch immer keine größeren Konzerte geben. „In Zeiten, in denen man mit Tonträgern kaum noch Geld verdient und Streaming-Dienste zumeist nur Cent-Beträge abwerfen, sind Künstler abhängig von Live-Auftritten, was aber wegen der Pandemie derzeit nicht möglich ist“, erläutert der Hobby-Musikant.

„Das Schreiben von Liedern ist für mich ein Ventil, Themen zu verarbeiten und Emotionen hineinzustecken.“
Andreas Reuther, Musiker

Er freut sich, wenn seine Songs ein positives Echo finden. Wie Profimusiker ein Millionenpublikum anzusprechen – das ist nicht sein Ziel: „Das Schreiben von Liedern ist für mich ein Ventil, Themen zu verarbeiten und Emotionen hineinzustecken.“ Wenn es für die Profis nach der Veröffentlichung von Liedern mit Interviews und Auftritten erst so richtig losgeht, kann sich Reuther bereits wieder auf seinen Lorbeeren ausruhen. Der Marktgraitzer gehört zu jener Spezies von Künstlern, die der Bühne die Kreativität im stillen Kämmerlein vorziehen. Das ist für ihn sein Wohnzimmer in Berlin.

Balkon- und Hinterhofkonzerte, Live-Streaming aus dem Wohnzimmer, einer Höhle oder einem anderen Ort ohne Publikum sind derzeit der Hit. Kann das echte Live-Konzerte ersetzen? Reuther, der leidenschaftlicher Konzertgänger ist, sieht den Trend skeptisch. „Tausende Kilometer Internetkabel und ebenso viele Monitore, die Band und Publikum voneinander trennen, sind kein Ersatz für das kollektive Erlebnis eines Gigs mit seiner zwischenmenschlichen Interaktion.“

Nicht verrückt machen lassen und an Hygieneregeln halten

Die schnittigen Punkrocksongs seines Mini-Albums schreien förmlich danach, live aufgeführt zu werden. Das sieht auch Reuther so, dem es als leidenschaftlichen Punkrocker schon gewaltig in den Fingern kribbelt: „Die Songs nicht auf einer Bühne zu spielen, hieße Perlen vor die Säue werfen.“ Wann das wieder sein wird, das vermag der Marktgraitzer nicht zu sagen. Seine Devise: „Sich nicht verrückt machen lassen und an die Hygiene- und Abstandsregeln halten, damit sich das Virus nicht weiter ausbreiten kann.“ Dann werde es vielleicht auch bald wieder Konzerte gebe.

Von Stephan Stöckel

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