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SCHWÜRBITZ / TRIEB

Kiesabbau vor Schwürbitz ist bald Geschichte

Weite Flächen für den Ackerbau und auch als Überschwemmungsgebiet bei Hochwasser wurden erhalten oder wieder hergestellt. Foto: Stefan Motschenbacher

Noch vor der Corona-Krise besuchte der CSU-Ortsverband Schwürbitz zusammen mit dem mittlerweile zum Bürgermeister gewählten Dirk Rosenbauer das Kieswerk in Trieb, wo sie von Geschäftsführer Johann Förtsch und seinem technischen Angestellten Danny Bauer empfangen wurden. Der Ortsverband besucht das Kieswerk regelmäßig seit Anfang der 1980-er Jahre, um in Sachen Mainaue und Landschaftsgestaltung auf dem Laufenden bleiben.

So erfuhren die Schwürbitzer, dass der Kiesabbau vor Schwürbitz wohl bald der Vergangenheit angehören dürfte, da die Flächen, die für eine lohnende „Auskiesung“ vorgesehen waren, erschöpft sind. Lediglich die Kies- und Sandvorkommen, die unter der Straße liegen, auf der die Laster die Rohstoffe transportieren, werden noch gehoben. Dann wird der Weg zwischen Trieb, Hochstadt und Schwürbitz an die nördliche Seite des Eisenbahndamms verlegt.

Ein großer Biotopsee im Landschaftsschutzgebiet Nassanger

Bis 2027 und darüber hinaus werden dann nach Plänen des Landratsamtes Rekultivierungsmaßnahmen erfolgen. Flachwasserbereiche sollen mit den Sedimenten aus dem Kieswaschwasser des Kieswerks angelegt werden. Danach entsteht im Landschaftsschutzgebiet Nassanger ein großer Biotopsee mit Inseln und einem weiteren Durchfluss zum Main von europäischem Rang. Durch die Schlämmteiche, die aus dem Kieswaschwasser und den Sedimenten entstehen, soll sich ebenso ein Biotop entwickeln.

Das gesamte Areal übernimmt nach Abschluss aller Arbeiten der Landkreis als Naturschutzgebiet. Im Rahmen des LIFE-Natur Projekts „Oberes Maintal“ haben sich die Landkreise Bamberg und Lichtenfels zusammengetan und für verschiedene Maßnahmen auch Mittel bei der EU beantragt.

Eine drohende Zerstörung der Mainaue verhindert

Die Verhandlungen über eine maßvolle Auskiesung zu Füßen der Schwürbitzer Kulisse gehen auf die 1980-er Jahre zurück. Damals gab es auf Betreiben der „Dorfgemeinschaft Heimatbund“ und ihres Vorsitzenden Georg Vogel jr. eine Podiumsdiskussion in Schwürbitz, bei der Johann Förtsch bereits Rede und Antwort stand. Damals mit dabei war auch Bernd Flieger, Fachreferent für Naturschutz aus dem Landratsamt Lichtenfels, und der jetzige Alt-Gemeinderat Carlo Scheidt.

Der CSU-Vorstand mit seinen Gemeinderäten konzentrierte sich auf die Rekultivierung des Geländes, um so eine zu große Abbaufläche und damit die drohende Zerstörung der Mainaue vor Schwürbitz zu verhindern und alle Chancen zu nutzen. Unterzeichnete Verträge und die überregionale Gesetzeslage bei der Rohstoffgewinnung mussten eingehalten und erfüllt werden. Deshalb war für die Christsozialen klar, dass auf juristischem Wege gegen einen Abbau wenig zu erreichen war.

Anhand von Bildern und Karten erklärte Geschäftsführer Johann Förtsch Vorhaben und Planungen. Foto: Stefan Motschenbacher

Kies und Sand sind wichtige Rohstoffe für die Bauindustrie

Kies und Sand als Rohstoff für die Bauindustrie und den Ausbau der Infrastruktur seien nicht so leicht zu ersetzen, und man müsse diese Rohstoffe da abbauen, wo sie vorkommen, erklärte der Geschäftsführer der Kiesgewinnung Heinrich Schramm GmbH. Die Täler von Main und Rodach spielten eine wesentliche Rolle dabei, die Versorgung der heimischen Bauindustrie in den Landkreisen Lichtenfels, Coburg und Kronach zu sichern. So würden zum Beispiel die Vorkommen zwischen Lettenreuth und Oberreuth/Trübenbach, nachweislich ein uraltes Rodachflussbett, ebenfalls als wertvoller Rohstoff abgebaut.

Dass dies auch eine Chance für Gemeinden und Dörfer sein könne, beweise der Abbau zwischen Schwürbitz und Michelau, wo nach der Kies- und Sandausbeute der Rudufersee entstand, der sich nun als Naherholungsgebiet im Besitz der Gemeinde Michelau befindet.

Johann Förtsch führte weiter aus, dass der Naturschutz bei allen Vorhaben ganz oben stehe. So seien weitergehende Pläne, die eine Verlegung des Schwürbitzer Sportplatzes und eine Ausbeute der Mainschleife vor Schwürbitz mitsamt einer Absenkung des gesamten Areals um 1,5 Meter beinhalteten, nicht realisiert wurden – dafür hatte sich auch die Schwürbitzer CSU eingesetzt.

Der Naturschutz stehe bei allen Vorhaben ganz oben

Auch ein Auwald, der zwischen Trieb und Schwürbitz die Sicht auf die schöne Schwürbitzer Silhouette für Bahn-, Boots- und Radtouristen zerstört hätte, sei nicht gepflanzt worden. Letztlich hätten die Einwohner von Schwürbitz und der Nachbarorte auf einen „Wald im Maintal“ geblickt, was der gewachsenen Umgebung und der Kulturlandschaft flacher Mainwiesen entgegen gestanden hätte und deshalb verhindert wurde. Damals reichte Gemeinderat Georg Vogel jr. gegen solche Planungen Klage ein.

Für eine gesunde, artenreiche Flora und Fauna

Bereits 2004 kam es zu einer weiteren Ortsbesichtigung mit Behördenvertretern aus München, Bayreuth und Lichtenfels, Vertretern des Naturschutz und der Landwirtschaft. Unter Vermittlung von Landrat Reinhard Leutner wurde ein Kompromiss gefunden. Dieser führt dazu, dass nun nicht nur auf Sicht der Abbau eingestellt wird, sondern ein Naturschutzgebiet entsteht, das sich harmonisch in die Landschaft einfügt und für eine gesunde, artenreiche Flora und Fauna sorgen wird. Die jahrhundertealte Kulturlandschaft vor Schwürbitz mit freier Sicht ins Maintal sowie der Blick von der Eisenbahnlinie auf das Dorf bleiben erhalten.

Die Besucher des Werkes zeigten sich beeindruckt von den Bemühungen der Kiesgewinnung und lobten das jetzt vorgestellte Konzept des Landratsamtes zur Rekultivierung ebenso wie das Konzept der sauberen Wiederverfüllung.

 

Von Stefan Motschenbacher

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