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SCHWÜRBITZ

Ingrid Funk ist die Mutter aller Kinderfeuerwehren

Ingrid Funk ist die Mutter aller Kinderfeuerwehren
Ingrid Funk vor einem Einsatzfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Schwürbitz. Foto: Karin Sträßner

Ordentlich und sauber, jede in ihrem Schrank: Die Feuerwehrausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr Schwürbitz steht für den Einsatz bereit. Und Ingrid Funk fühlt sich sichtlich wohl in ihrem Element: eine waschechte Feuerwehrfrau.

Sie stammt aus einer Feuerwehrfamilie: Uropa, Opa, Papa, und nun schon seit Anfang der 1990-er Jahre sie selbst. Auch ihr Mann und ihr 20-jähriger Sohn sind aktive Mitglieder. Nur ihre Mutter war nicht mit von der Partie. Dafür wirkte sie im Hintergrund und kochte Kaffee oder putzte das Feuerwehrhaus. Stolz meint die 45-Jährige: „Das war mir in die Wiege gelegt!“ Vor vielen Jahren sagte sie zu sich: „Sobald Damen bei der Feuerwehr sind, geh ich dahin!“ Und das tat sie dann auch.

Seit nunmehr 27 Jahren mischt sie mit. Als Schriftführerin, im Festausschuss 2013 und seit Januar 2015 im Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Schwürbitz – ist sie nicht mehr wegzudenken.

Ingrid Funk ist die Mutter aller Kinderfeuerwehren
Bei einer Übung im Jahr 2008, als Ingrid Funk die Schwürbitzer Kinderfeuerwehr gründete. Foto: red

Seit 2013 Fachbereichsleiterin der Kinderfeuerwehren im Landkreis

Seit November 2013 hat sie das Ehrenamt der Fachbereichsleiterin der Kinderfeuerwehren vom Landkreis Lichtenfels inne. Die Tätigkeit mit Kindern gibt ihr viel, berichtet die Feuerwehrfrau. Erfreut erzählt sie von einem Rollstuhlfahrer bei der Kinderfeuerwehr. Bei einem Ausflug in den Nürnberger Zoo packten viele hilfsbereite Mütter und Väter mitan, um dem Gehandicapten diesen Ausflug zu ermöglichen. Dieser wurde auch bestens bei der Kinderolympiade integriert und fuhr, wie bei einem Jugendleistungsmarsch, voran und führte so zu den einzelnen Stationen.

Bei dieser „kleinen Olympiade“ gibt es keine Verlierer. Jeder bekommt eine Urkunde und eine Medaille. Alle zwei Jahre findet dieser Wettkampf an wechselnden Orten im Landkreis statt. 2019 in Redwitz waren 135 Kinder aus 14 Kinderfeuerwehren dabei.

Im Landkreis können die Kinder in insgesamt 21 Kinderfeuerwehren aktiv werden. Die Kinder ab sechs Jahren können so spielerisch die Brandbekämpfung erlernen.

Große Freude über Hilfsbereitschaft

Worüber sich Ingrid Funk sehr freut, ist die Hilfsbereitschaft unter den Menschen. Nach einem Einsatz zur Beseitigung eines Wasserschadens im Winter luden die Nachbarn die Floriansjünger prompt zu Kaffee und Brötchen ein.

Auch die Dankbarkeit der Geschädigten bekräftigt Ingrid Funk in ihrem Tun. Da steckt sie dann ganz locker weg, wenn ein Bürger mal meckert, wenn für einen Festzug die Straße kurzfristig gesperrt werden muss.

Voller Engagement plant sie Feste, organisiert Fackelwanderungen und hilft mit. Die Jugendlichen werden ebenso mit eingesetzt. Dafür dürfen sie Dank vieler Spenden ins Zeltlager, Eis essen oder Pizza bestellen. Äußerst beliebt bei den Kids ist auch der Erste-Hilfe-Kurs,der vom Bayerischen Roten Kreuz abgehalten wird. So benötigen die jungen Leute diesen Führerschein sowohl für die Feuerwehr, als auch für ihren privaten Mofa-Führerschein. Die Kosten hierfür trägt die Feuerwehr.

Ingrid Funk ist die Mutter aller Kinderfeuerwehren
Die Kinderbüchlein der Freiwilligen Feuerwehr Schwürbitz warten auf neue junge Mitglieder. Foto: Karin Sträßner

Kinder werden spielerisch an die späteren Aufgaben herangeführt

Die Kinder werden spielerisch an die späteren Aufgaben der Brandbekämpfer herangeführt. So lernen sie, welche fünf W-Fragen (Wo ist das Ereignis? Wer ruft an? Was ist geschehen? Wie viele Betroffene? Warten auf Rückfragen) der Anrufer bei einem Notfall an die Mitarbeiter der integrierten Leitstelle durchgeben müssen. „Ich bin immer wieder überrascht, dass Kinder sich das so einprägen,“ stellt sie erstaunt fest. Die Vorgaben, was bei den Kindern beigebracht werden soll, erhält sie vom Landesfeuerwehrverband.

In der Schwürbitzer Kinderfeuerwehr befinden sich momentan sieben Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren. Die Mädels sind gerade in der Überzahl. Danach besteht die Möglichkeit, zur Jugendfeuerwehr zu wechseln. Einmal im Monat besteht für die Kleinen die Möglichkeit, sich mit der Jugend zu treffen. Das senkt die Hemmschwelle und die Kinder suchen sich einen „Jugendpaten“ als ihren persönlichen Ansprechpartner aus.

Auch andere Kinderfeuerwehren des Landkreises werden regelmäßig besucht. Da erfahren die Kids, dass die Kinderfeuerwehr in Rothmansthal zur Zeit nur aus elf Mädchen besteht.

„Begeistert wurde von den Kleinen auch ein Kinobesuch in Lichtenfels aufgenommen. Da wurden für 154 Kinder alle Säle des Kinos gebucht, und der Film durfte gemeinsam herausgesucht werden“, sagt Ingrid Funk und fährt Freude strahlend fort: „Die Kinder lieben das.“

Ingrid Funk ist die Mutter aller Kinderfeuerwehren
Die Vorgaben, was man den Kindern in der Feuerwehr beibringen sollte, erhält Ingrid Funk vom Landesfeuerwehrverband. Foto: Karin Sträßner

Die gelernte Bäckerin liebt die Gesellschaft

Die gelernte Bäckerin, die jetzt als Köchin im Schülerbistro in Sonnefeld arbeitet, liebt die Gesellschaft. Sie kegelt, geht walken, fährt Rad und trifft Freunde. „Am liebsten habe ich immer zehn bis zwölf Leute um mich“, bekräftigt die Feuerwehrfrau. Kein Wunder also, dass ihr die Feuerwehrtreffen aufgrund der Coronakrise fehlen.

Doch seit 22. Juni ist das wieder erlaubt. Bei den Kindern geht es nach den Sommerferien wieder los. Und man spürt förmlich, mit wie viel Freude Ingrid Funk „ihre“ Mädels und Jungs wieder erwartet.

 

Von Karin Sträßner

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