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KÜPS

„HolzART“: Skulpturen im Herzen von Küps

„HolzART“: Skulpturen im Herzen von Küps
Holger Vanicek aus Belgien stellte seine „schwebende Welle“ unter dem Titel „Erwägung“ vor. Foto: Heike Schülein

Es ist schon ein zauberhaftes Stückchen Erde: Der idyllische kleine Park beim Küpser Rathaus bildet seit Ende vergangener Woche die herrliche Kulisse für die Ergebnis-Ausstellung der mittlerweile 24. „HolzART“. Flankiert von großen Schatten spendenden Kastanienbäumen finden sich hier – Seite an Seite beziehungsweise in Lüften schweben – vier höchst beeindruckende, ganz unterschiedliche Skulpturen mit aktuellster Thematik.

„Auch heuer war es wieder eine ,HolzART light'“, erklärte Ingo Cesaro, der das internationale Kunstprojekt des Vereins Regionale Kunstförderung Kronach seit 1998 initiiert und organisiert. Auf die komprimierte Version habe man sich mit Landrat Klaus Löffler verständigt, um den Programmpunkt der Landkreis-Veranstaltungsreihe „Kronacher Sommer 2022“ auch in diesem Jahr weiterführen zu können.

Eine 100 Jahre alte Eiche

Durch einen Zeitungsartikel war Cesaro auf die über 100 Jahre alte Eiche am Schulzentrum in Küps aufmerksam worden, die aufgrund des Neubaus weichen musste. In einem Brief regte er Bürgermeister Bernd Rebhan an, den Stamm für ein eventuelles Kunstprojekt zu sichern. Aufgrund der aktuellen Situation hatte der Kulturvermittler das Projekt heuer nicht wie sonst ausgeschrieben; sondern vielmehr ihm bekannte Bildhauer und Bildhauerinnen, die auch schon einmal in Kronach dabei waren, direkt angeschrieben.

Drei von ihnen - Jolanta Switajski aus Polen, Alvaro Cifuentes aus Kolumbien und Holger Vanicek aus Belgien - arbeiteten dann auch in Küps, während Ortrud Sturm aus Deutschland in Nordhalben ihre Kettensäge kreisen ließ.

„HolzART“: Skulpturen im Herzen von Küps
Landrat Klaus Löffler, Bürgermeister Bernd Rebhan, Alvaro Cifuentes, Jolanta Switajski, Holger Vanicek, Ortrud Sturm, Gisela Gülpen und Ingo Cesaro freuten sich über das gute Gelingen der „HolzART XXIV“. Foto: Heike Schülein

Dass die „HolzART“ - trotz der Erschwernisse durch die Pandemie und der angespannten finanziellen Situation - überhaupt stattfinden konnte, sei der großzügigen Unterstützung vieler Sponsoren zu verdanken. Eine Reihe dieser Unterstützer sowie Vertreter kommunaler Gremien aus dem Landkreis konnte er zur Eröffnung ebenso begrüßen wie weitere Kunstinteressierte, allen voran Kreiskulturreferentin Julia Völker.

Herzlich dankte er seiner „Verbindungsfrau“ zur Marktgemeinde Küps, Andrea Hänel, sowie vor allem natürlich den vier Künstlern. „Kunst entsteht nur im Auge des Betrachters“, zeigte sich Cesaro sicher. Der einzige Weg, in Dialog mit den Kunstwerken zu treten, sei es, diese mit eigene Ideen, Erinnerungen, Geschichten, Erlebnisse in Verbindung bringen zu können.

„Die „HolzART“ ist etwas Besonderes“, verinnerlichte Landrat Klaus Löffler, der vor allem den Organisator würdigte: „Es braucht immer einen, der vorne weg marschiert, der Ideen hat, mit seiner Begeisterung andere anzündet.“ Ein solcher „Botschafter par excellence“ sei Ingo Cesaro oder - wie es Regierungspräsidenten Heidrun Piwernetz bei dessen Auszeichnung mit dem Kulturpreis der Oberfrankenstiftung 2021 so treffend formuliert habe - ein „künstlerisches Kraftwerk“. Wir waren sehr gerne Gastgeber für dieses Projekt“, bekundete Bürgermeister Bernd Rebhan, der sich sehr über die nachhaltige Verwendung der alten Eiche freute: Kunst im Zeichen des Wandels; werde doch damit etwas Bleibendes geschaffen, womit das im Schulhof über 100 Jahre lang gewachsene Holz greifbar bleibe.

Themen „Nachhaltigkeit“ und „Klimaschutz“

„HolzART“: Skulpturen im Herzen von Küps
Jolanta Switajiski schuf das Werk „Das Leben“. Foto: Heike Schülein

Abschließend stellten die Künstler ihre Werke mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit und Klimaschutz bzw. aktuelle gesellschaftspolitische Themen vor. Am Pavillon beim Rathaus hatte Jolanta Switajski einen Teil des Eichenstamms bearbeitet. Ihre figürliche Skulptur trägt den Titel „Das Leben“. Die geschaffene Menschengruppe soll die Städtepartnerschaften von Küps symbolisieren; für Freundschaft und Zusammenhalt, zwischenmenschliche Verbundenheit und Zusammenwachsen stehen: Werte, die gerade in der Pandemie sehr gelitten hätten.

Während die Polin expressiv und zunächst ohne festes Motiv arbeitet, sich vom Stamm inspirieren lässt, hatte Holger Vanicek von Anfang an eine genaue Zeichnung. Im Gegensatz zu seinen Kollegen, die ihre Stämme von außen bearbeiteten, höhlte er die Eiche aus und verarbeitete sie zu einer Art Welle. Seine Konzeptkunst mit dem Titel „Erwägung“ wurde dann auch schwingend in luftige Höhe aufgehängt. „Ich habe versucht, das Innere nach zu bringen“, betonte der Belgier, der seine Säge am Pavillon am Lindenplatz an der Rodach aufheulen ließ. Beim Arbeiten stieß er auf einen großen, im Stamm „versteckten“ Haken, den er mit einarbeitete; als unverzichtbaren Teil dessen Geschichte.

„HolzART“: Skulpturen im Herzen von Küps
„Zerrissene Umarmung“ heißt dieses Kunstwerk von Alvaro Cifuentes. Foto: Heike Schülein

Am Plan vor dem Neuen Schloss bearbeitete Alvaro Cifuentes seinen Eichenstamm. Seiner figürlichen „Zerrissenen Umarmung“ hatte er noch am Samstag-Vormittag den letzten Schliff gegeben. Die am Plan vor dem Neuen Schloss in Küps entstandene Skulptur steht für Nähe, Zuneigung, Umarmung. Auf den Titel kam der Kolumbianer durch die Kindheitserinnerung einer Frau, die den Baum damals oft liebevoll umarmt habe.

In Nordhalben neben dem Forstbetrieb sägte Ortrud Sturm ihr abstraktes - nach oben ausgearbeitetes - Holzobjekt aus einem von der Stadt Kronach zur Verfügung gestellten Pappelstamm. Das gewissermaßen architektonische Kunstwerk „Ungetrennt“ lässt viel Spielraum für eigene Gedanken.

Allen hatte es im Landkreis - trotz der Hitze - sehr gefallen, wobei sie vor allem die Gastfreundschaft lobten sowie die vielen wunderbaren Begegnungen und Gespräche mit interessierten Besuchern. Die sehr sehenswerte Ergebnis-Ausstellung ist noch bis Ende Oktober in Küps zu bestaunen.

Von HEIKE SCHÜLEIN

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