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MICHELAU

Glasfaserleitungen bis zur Haustür: bald auch in Michelau?

Glasfaserkabel
Die Gemeinde Michelau soll ein Glasfasernetz bekommen. Zwei Unternehmen bieten dies an. Foto: SymbolUwe Anspach/dpa

Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Mittwoch einen Grundsatzbeschluss gefasst: Im Gemeindegebiet soll ein Glasfasernetz verlegt werden. Die Entscheidung fiel einstimmig. Gleichwohl ging ihr eine Diskussion voraus – nicht über die Notwendigkeit schnellen Internets an sich, die ist unbestritten. Uneinig waren sich die Gemeinderäte aber über die Vorgehensweise.

Momentan verfügt Michelau über eine Breitbandversorgung mit mindestens 30 Mbit/s. Mit Glasfaser wird aktuell ein Gbit/s erreicht. Zur Verdeutlichung: ein Gigabit entspricht 1000 Megabit. Zudem sind die Verbindungen weniger störanfällig.

Momentan bieten sowohl die Telekom als auch die Deutsche Glasfaser Michelau an, ein solches Netz ohne Kostenbeteiligung der Gemeinde bis ins Haus zu verlegen. Wie Bürgermeister Jochen Weber erklärte, wird dazu das Trenchingverfahren eingesetzt. Dabei werden die Leitungen etwa 30 bis 40 Zentimeter unter der Erde über den sonstigen Leitungen verlegt.

33 bis 40 Prozent der Bürger müssen sich für Glasfaser entscheiden

Damit es dazu kommt, müssten sich 33 bis 40 Prozent der Michelauer für einen Glasfaseranschluss entscheiden. Die Markterkundung würden beide Firmen selbst übernehmen. „Eine hohe Beteiligung der Bürger wäre wichtig, damit es sich für die Unternehmen lohnt“, betonte der Bürgermeister.

Sowohl die CSU-/JU-Fraktion als auch die von SPD/JSB begrüßte dieses Vorhaben. Nicht nur für die ansässigen Unternehmen sei ein schnelles, leistungsfähiges Internet von grundlegender Bedeutung, sondern auch für private Nutzer.

Die Sprecher beider Fraktionen, Dirk Fischer für die CSU/JU und Andreas Robisch für die SPD/JSB, erinnerten an die Erfahrungen der Corona-Pandemie. „Die Arbeitswelt hat sich durch Homeoffice und die Schulpolitik durch Homeschooling verändert“, betonte Fischer. „Es müssen Daten in Sekundenschnelle übermittelt oder in Videokonferenzen eine störungsfreie Verbindung garantiert werden.“ Im Namen seiner Fraktion forderte der stellvertretende Vorsitzende eine garantierte Internet-Geschwindigkeit, ein Entgegenkommen bei entstehenden Verträgen sowie einen verlässlichen, rund um die Uhr erreichbaren Vertragspartner.

„Die Arbeitswelt hat sich durch Homeoffice und die Schulpolitik durch Homeschooling verändert.“
Dirk Fischer, CSU-/JU-Fraktion

Diesen nicht voreilig auszusuchen, mahnte Andreas Robisch für die SPD/JSB an. Er wies darauf hin, dass es zwischen einigen Glasfaseranbietern keine „Open-Access“-Vereinbarung gibt. Das heißt, dass sie sich nicht gegenseitig ihre Netze zur Verfügung stellen. Sollte also ein Kunde sich später für einen Anbieterwechsel entscheiden, könnte es ihm passieren, dass er wieder auf die Kupferleitung umsteigen muss. In der nachfolgenden Diskussion wurde behauptet, auch die Deutsche Glasfaser gehöre zu den Unternehmen, die eine Fremdnutzung verweigern.

Die Deutsche Glasfaser selbst sagt dazu, dass sie stets offene Netze (Open Access-Modell) baut. Jeder Telekommunikationsanbieter, der Interesse hat und die technischen Voraussetzungen erfüllt (unter anderem glasfaserfähige Produkte), sei herzlich eingeladen, Leitungen im Netz von Deutsche Glasfaser zu mieten und darauf ihre Angebote zu vertreiben. Das erweitere das Kundenangebot und verdichte die Netze.

Zudem bezeichnete Andreas Robisch eine Mindestbeteiligung von 33 bis 40 Prozent als ambitioniert. Um dieses Ziel erreichen zu können, müsse die Bevölkerung frühzeitig eingebunden werden – etwa über eine Informationsveranstaltung, entweder digital oder, wenn möglich, in Präsenz mit Vertretern der beiden interessierten Anbieter. Weber verwies darauf, dass die Unternehmen ihre Markterkundung selbst übernehmen. Sie würden dann sicher auch Infoveranstaltungen anbieten.

„Wir machen den zweiten Schritt vor dem ersten.“
Hubert Robisch, Dritter Bürgermeister

Dritter Bürgermeister Hubert Robisch (SPD) fände es besser, wenn das die Gemeinde selbst tun würde. „Wir machen den zweiten Schritt vor dem ersten“, kritisierte er. Seiner Meinung nach sollten die Einwohner sich erst über beide Unternehmen schlau machen können, bevor sie sich entscheiden. Beide Firmen werden ihre Markterkundung aber nur starten, wenn sie die Gemeinde mit der Glasfaserversorgung beauftragt.

Die Mainbrücke in Schwürbitz wird saniert. Die Traglast soll auf 16 Tonnen erhöht werden. Foto: Annette Körber

„Jetzt geht's doch erst mal darum, ob wir den Ausbau wollen. Wollen wir, dass die Bürger Glasfaser angeboten bekommen? Bieten wir ihnen die Möglichkeit?“, fasste Zweiter Bürgermeister Hans-Georg Borchert (CSU) zusammen. Dies bejahten den Gemeinderäte schließlich mit ihrem einstimmigen Beschluss. Welches Unternehmen nun den Auftrag erhält, wurde in der nichtöffentlichen Sitzung entschieden.

Aus dem Gemeinderat

• In der nichtöffentlichen Juni-Sitzung hat der Gemeinderat folgende Beschlüsse gefasst: Für die Michelauer Feuerwehren werden 27 TH-Schutzanzüge für 23 220 Euro brutto in diesem Jahr und 26 TH-Schutzanzüge für 22 360 Euro brutto im nächsten Jahr angeschafft. Streusalz wird für etwa 24 600 Euro brutto bei der Firma Asbit, Parthenstein, bestellt. Die Ausstattung der Johann-Puppert-Schule mit Medientechnik übernimmt die Firma Franken Lehrmittel Media Krug & Langer, Kammerstein, für etwa 293 000 Euro brutto. Außerdem wurden drei Nachträge für die Schulsanierung beim Gewerk Stark- und Schwachstrominstallation zu Kosten von etwa 51 900 Euro brutto, 23 450 Euro brutto und 19 400 Euro brutto an die Firma Püls & Schuberth vergeben.

• Bei der Bundestagswahl werden die Wahllokale genauso eingerichtet wie bei der Bürgermeisterwahl. Dementsprechend wird es zwei Briefwahllokale mehr als bisher geben.

• Zum Fußweg nach Krappenroth informierte Bürgermeister Jochen Weber, dass mittlerweile eine Videokonferenz mit CSU-Bundestagsabgeordneter Emmi Zeulner stattgefunden hat. Geschäftsführender Beamter Norbert Eiser hat einen handschriftlichen Plan von 1938 gefunden, der belegt, dass es sich um einen historischen Weg handelt. Dies wurde dem Staatlichen Bauamt in Bamberg mitgeteilt. Es wurde entschieden, dass der Weg wieder geöffnet wird. Die Verkehrssicherungspflicht obliegt dem Staatlichen Bauamt – bis auf das Stück Weg vom Bahnhof bis zur Bundesstraße. Hier ist die Gemeinde zuständig.

• Jürgen Spitzenberger (SPD) fragte nach dem Sachstand zur Klassengröße in der Johann-Puppert-Schule im Herbst. Bürgermeister Weber teilte mit, dass es in den nächsten vier Jahren keine Abschlussklasse in Michelau geben wird. Sowohl Spitzenberger als auch Eiser regten an, bei der nächsten Schulverbundssitzung Bereitschaft zu signalisieren, die gestrichene ECn-Klasse an der frisch sanierten Schule wieder anzubieten. „Für manchen war das nicht schlecht“, betonte Spitzenberger. (tam)

 

Von Annette Körber

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